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Autozulieferer macht Millionen-Verluste

Nach Stillstand und Kurzarbeit ist bei der Toyota-Tochter in Straßgräbchen wieder das gesamte Personal an Bord. Doch wie vor Corona läuft es noch lange nicht.

TDDK-Mitarbeiter Sandro Zimmermann arbeitet seit sechs Jahren in der Montage des Herstellers von Klimatechnik für Autos. Er ist froh, dass die Produktion nach der Corona-Zwangspause in Straßgräbchen wieder läuft.
TDDK-Mitarbeiter Sandro Zimmermann arbeitet seit sechs Jahren in der Montage des Herstellers von Klimatechnik für Autos. Er ist froh, dass die Produktion nach der Corona-Zwangspause in Straßgräbchen wieder läuft. © 2017 [email protected]

Kamenz. Wie nahezu die gesamte Autoindustrie hatte auch der japanische Zulieferer TD Deutsche Kompressoren GmbH (TDDK) in Straßgräbchen bei Kamenz im März den Stecker ziehen müssen: zur Corona-Zwangspause. Der riesige Firmenparkplatz für mehrere Hundert Autos wirkte gespenstisch leer. 

Inzwischen drängen sich die Autos wieder auf dem Parkplatz eines der größten Unternehmen im Raum Kamenz. Die Produktion habe jetzt über 80 Prozent der Vor-Corona-Zeit erreicht, schätzt Zoltan Gera, Vizepräsident Produktion, ein. Der deutsche Markt habe daran allerdings weniger Anteil. Es sei vielmehr der chinesische, der sich erholt habe und nach Klimakompressoren aus Straßgräbchen verlange. Die sind das Herzstück der Klimaanlagen in vielen Automarken von VW bis Volvo.

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Kurzarbeit bis Ende Juni

Noch bis Ende Juni war laut TDDK Kurzarbeit angesagt – das erste Mal in der Firmengeschichte. Seit Juli seien alle 950 Mitarbeiter wieder an Bord, auch wenn die Produktion noch nicht wieder ganz bei 100 Prozent ist. Das werde im September erwartet, so die Hoffnung, vielleicht schon Ende August. Das klingt deutlich besser als jüngste Nachrichten von Autobauern. Erst in der Vorwoche kündigte der Daimler-Konzern an, Arbeitszeit und Prämien zu kürzen, um Kosten zu sparen.

Sparen will auch TDDK, aber nicht dort. So stünden Urlaubs- und Weihnachtsgeld nicht zur Disposition. Das Unternehmen verzichtete jedoch auf Leiharbeiter, mit denen sonst über die Ferienzeit Lücken in der Belegschaft ausgeglichen werden. Das übernahmen diesmal Mitarbeiter aus der Verwaltung, die im Juli in der Produktion aushalfen, erklärt Vizepräsident Ronald Juhnke.

„Wir waren vor der Krise ein gesundes Unternehmen“, sagt er. „Die Folgen der Epidemie haben uns hart getroffen, aber wir werden durchkommen.“ Es sei die härteste Krise in der Unternehmensgeschichte. So verschiebt die Tochtergesellschaft von Toyota und des japanischen Autozulieferers Denso auch die Feierlichkeiten zum 20-jährigen Firmenjubiläum auf 2021. Das werde an Sparmaßnahmen aber noch nicht reichen.

Europas Automarkt schwächelt

Während der Automarkt in Europa noch schwächelt, ist der Klimatechnik-Hersteller auf dem Weg zur Normalproduktion. Im Juli liefen schon 470.000 Kompressoren vom Band. Das Unternehmen hofft, dass es im September 600.000 sein werden. Dann wären fünf Millionen Kompressoren in diesem Geschäftsjahr noch drin. Selbst wenn es noch so gut laufe, bleibe es aber ein wirtschaftlich schlechtes Jahr. Ronald Juhnke spricht von Millionenverlusten und einem Umsatzrückgang von einem knappen Drittel. Denn geplant waren sieben Millionen Kompressoren.

Ein gewisser Nachholeffekt spiele derzeit noch mit in das erfreuliche Wachstum hinein. Es geht um Kunden, die den Autokauf zu Corona-Beginn verschoben hatten und nun zugreifen würden. Aber es bleibe eine gewisse Unsicherheit, ob der jetzige Aufschwung nur ein Strohfeuer ist und die Nachfrage wieder zurückgeht. So bedauert Vizepräsident Juhnke, dass sich Deutschland nicht zu einer Abwrackprämie für den Kauf aller Neuwagen durchringen konnte wie Frankreich. Die neuen Verbrenner-Modelle seien schließlich auch deutlich umweltfreundlicher als die alte Technik. Vielleicht sei ja zumindest die reduzierte Mehrwertsteuer ein Kaufargument, hofft Juhnke. Und die Rabattschlacht zwischen den Hersteller könnte den Markt zusätzlich beleben.

Ab Herbst kommen als Abnehmer für Klimakompressoren von TDDK neben Jaguar und Land Rover Modelle von Maserati mit kleinen Stückzahlen dazu. Aber das sei eher etwas fürs Image.

Weitere Corona-Welle bereitet Sorge

Sorge bereitet dagegen eine zweite oder dritte Corona-Welle. Die würde den Aufschwung wieder bremsen. Die Reisezeit sei ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor. Die Firmenleitung habe die Belegschaft deshalb auf mögliche Folgen von Reisen in Risikogebiete aufmerksam gemacht. Es sei nicht auszuschließen, dass sich Mitarbeiter infizieren. Für die Quarantäne müsse dann zusätzlicher Urlaub genommen werden.

Bisher konnte TDDK die Krise ohne Corona-Fälle im Werk bewältigen. So hält das Unternehmen auch an seinem Hygienekodex fest. Der Haupteingang ist wegen der Krise noch immer gesperrt, auch die Bänke im Gelände ziert rot-weißes Absperrband. In den Konferenzräumen wird auf Abstand geachtet. In der Produktion beugen unter anderem Plexiglasscheiben möglichen Gefahren vor. Ronald Juhnke: „Corona ist nicht vorbei, solange es keinen Impfstoff gibt.“

Vier Tage lang brauchte TDDK, um die Produktion herunterzufahren. Vier Monate, um zum Normalbetrieb zurückzukehren, derzeit in zwei Schichten. Vor der Krise seien es sogar drei Schichten gewesen, um den Mehrbedarf liefern zu können. Das ist noch Zukunftsmusik. Und jetzt kommt nach dem Lockdown ohnehin erst einmal der turnusmäßige Sommer-Shutdown, wie es im Unternehmen heißt: die Pause zur Wartung bestimmter Anlagen wie des Schmelzofens in der Gießerei für die Kompressorengehäuse. Nun wird es also wieder luftiger auf dem Firmen-Parkplatz. 

Nach dem Corona bedingten Stillstand im April lieferte TDDK im Juli wieder 470.000 Klimakompressoren für die Autoindustrie aus.
Nach dem Corona bedingten Stillstand im April lieferte TDDK im Juli wieder 470.000 Klimakompressoren für die Autoindustrie aus. © 2017 [email protected]

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