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Klimawandel von unten

Weil globale Vereinbarungen scheitern, fordern die Grünen Sachsens Großstädte auf, es besser zu machen. Doch auch hier gibt es noch viel zu tun.

Von David Berndt

Stadtwerke stellen auf 100 Prozent erneuerbare Energien um. Akteure aus Verwaltung und Politik verpflichten sich zu Pkw-freien Dienstreisen oder schaffen am besten gleich sämtliche Dienstwagen ab. Was noch ungewohnt und utopisch klingt, soll laut Felix Ekardt Realität in Sachsens Großstädten werden. In einer Studie hat der Nachhaltigkeitsforscher den Klimaschutz in Sachsens Kommunen untersucht. „Warum sollen nicht auch Oberbürgermeister mit dem Fahrrad fahren? Als Ansporn könnte ein gemeinsames jährliches Kilometerziel helfen.“ Damit würden Helma Orosz oder Burkhard Jung der Weltpolitik zeigen, wie Klimawandel funktioniert. Denn dass sich die UN-Staaten dabei nicht gerade mit Ruhm bekleckern, ist nicht neu. Auch die jüngste Klimakonferenz in Warschau hat nichts Wegweisendes hervorgebracht. Bis auf die Vereinbarung, 2015 einen Weltklimavertrag unterzeichnen zu wollen.

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Aus Sicht der Grünen in Sachsen geht das alles viel zu schleppend und langsam voran. Johannes Lichdi, klimapolitischer Sprecher der Grünen im Sächsischen Landtag, fordert ein Klimaschutzgesetz für den Freistaat. Doch bis es so weit ist, konzentriert sich die Partei darauf, Ergebnisse in kleinem Rahmen zu erzielen.

Dazu hat sie Felix Ekardt mit einer Studie beauftragt. Aus dessen Sicht sei kommunaler Klimaschutz nach globalen Verträgen zwar nur die zweitbeste Lösung, aber dafür viel einfacher umzusetzen. „Von unten können Anstöße für politische Veränderungen auf staatlicher Ebene kommen. Städte haben eine Vorbildfunktion gegenüber den Bürgern. Es ist nicht egal, was in den Kommunen passiert“, sagte der Leipziger Wissenschaftler gestern bei einer Pressekonferenz im Sächsischen Landtag. Ekardt hat vor allem die sächsischen Großstädte Dresden, Leipzig und Chemnitz untersucht. Fazit: Alle drei Ballungszentren haben in Sachen Klimaschutz noch viel Luft nach oben. Das Ziel, die CO2-Emissionen pro Kopf jährlich auf 2,5 Tonnen je Einwohner zu senken, reiche nicht aus, so Ekardt. „1 bis 1,5 Tonnen je Einwohner müssten bis zum Jahr 2050 die Zielmarke sein. Das Zieljahr 2050 ist dazu in den kommunalen Konzepten nur unverbindlich formuliert, und es fehlen abrechenbare Zwischenschritte.“ Ekardt denkt hier an Etappen von jeweils fünf Jahren.

In allen drei sächsischen Großstädten seien die CO2-Emissionen derzeit etwa dreimal so hoch wie die selbst angestrebten 2,5 Tonnen. In Dresden und Leipzig würde in dieser Rechnung sogar noch die Belastung durch den Flugverkehr fehlen. Zwar gebe es in den drei Städten Klimaschutzkonzepte. Doch laut Ekardt seien die allein auf Planung und Technik ausgerichtet. Das sei aber nicht genug. „Wir müssen auch unser Verhalten ändern.“