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Klingende Kisten in der Altstadt

Eine Radio-Ausstellung lädt in Hoyerswerda  zum Schaufensterbummel. Passende Musik gibt es dazu.

Wolfgang Jochims Geschäft An der Mühle ist Station 1 des Projekts „Klingende Kisten“. Hier hält er einen Detektorenempfänger.
Wolfgang Jochims Geschäft An der Mühle ist Station 1 des Projekts „Klingende Kisten“. Hier hält er einen Detektorenempfänger. © Foto: Uwe Schulz

Die Comedian Harmonists trällern in der Straße An der Mühle seit gestern „Wochenend und Sonnenschein“ sowie „Veronika, der Lenz ist da“. Zwei Titel weiter outet sich Marlene Dietrich als fesche Lola. Es sind nur einige Lieder aus den Top-Jahres-Charts der Jahre 1930/31, wie ein Aufkleber auf jenem Kasten verrät, in dem sich ein MP3-Player und ein Lautsprecher befinden, angebracht am Schaufenster von „wojo – Genuss & Freude“. Die Musik zieht Passanten an und man verweilt automatisch vor dem Fenster, in dem man alte Radios entdeckt. In diesem Fall Detektorempfänger aus den 1920er-Jahren. Sie gehören dem Hoyerswerdaer Manfred Martschink. Der Pfarrer im Ruhestand sammelt und repariert alte Radios. Er sucht perspektivisch eine dauerhafte Bleibe für seine Sammlung. Zusammen mit dem Citymanagement Hoyerswerda ist ihm nun wenigstens eine temporäre Ausstellung beim „Boulevard Altstadt“ gelungen, der drei Monate dauert und gerade Halbzeit hat. „Klingende Kisten“ heißt die Ausstellung und ist von Jedermann während der Geschäftszeiten im Hoyerswerdaer Altstadtkern zu besichtigen. Insgesamt zehn Gewerbetreibende haben ihre Schaufenster dafür zur Verfügung gestellt. An jeder Station sind Empfänger/Radios einer bestimmten Ära zu sehen, daneben allgemeinverständliche Erläuterungen und eben die Songs für jedermann zum Anhören. Was wiederum mit Unterstützung eines Kreativstudios und eines Vereins aus Pirna gelungen ist.

Mehr Besucher, andere Themen

Wenn man die Geschichte des Radios vom einfachen Empfänger bis zu Nachkriegsmodellen, unter anderem das in Hoyerswerda bei Robotron gebaute „Lausitz 2011“ in Rot, erleben will, muss man sich werktags zu den Geschäftszeiten einfach nur auf den Weg durch die Altstadt machen. Wer sich der Geschichte des Radios chronologisch widmen möchte, der beginnt bei Station 1 „wojo – Genuss & Freude“, läuft weiter an den Markt zur Eisdiele „Schoko & Luise“ (Station 2) und zum Bürotreff Kloss (Station 3). Weiter geht es im Fließhof mit dem Reiseclub Cottbus (Station 4) und dem City Optik Brillenstudio (Station 5). Gegenüber der Johanneskirche findet man bei Radl Jordan Station 6. Die Stationen 7-9 folgen im nördlichen Teil der Friedrichsstraße bei Evelin Graf Moden, Studio Zeller und Juwelier Scholze. Südlich des Fünfarmigen Knotens endet die Radioausstellung bei Station 10 im Buch- u. Musikhaus Sygusch, wo das erwähnte Radio „Lausitz“ zu sehen ist. Und schon am ersten Tag verzeichneten die Gewerbetreibenden Besucher, die wegen der Radios unterwegs waren und einfach mal vorbeischauten. Da kommt man gleich auf einer ganz anderen Ebene ins Gespräch, zumal die meisten Händler die Ausstellungsstücke sehr kreativ präsentieren. Man merkt, dass die Aktion den Beteiligten Spaß macht. Also geht die Idee auf. Denn das Boulevard-Projekt soll nicht nur für eine abendliche Belebung sorgen (was sichtbar gelingt), sondern auch den ansässigen Gewerbetreibenden und Händlern tagsüber etwas bringen. Also müssen Anreize für Kunden geschaffen, muss die Verweildauer auch tagsüber erhöht werden.

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Am Abend zum Geschäftsschluss werden die wetterfest angebrachten MP3-Player abgenommen und die Akkus über Nacht neu geladen. Am nächsten Morgen singen dann die Harmonists und all die anderen wieder ihre Lieder. Bis zum 27. Juli. Dann endet dieses Extra-Angebot im Rahmen des Projekts „Boulevard Altstadt“.

Aktuelle Informationen zu Veranstaltungen beim Boulevard gibt es im Internet bei Facebook beim Citymanagement Hoyerswerda.

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