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Corona-Krise erreicht Klinik Berggießhübel

Obwohl es keinen Infizierten gibt, muss das Haus schließen. Die Patienten gehen nach Gottleuba, die Mitarbeiter in Kurzarbeit. Es soll nicht für immer sein.

Ab Montag leer: Die Berggießhübler Klinik.
Ab Montag leer: Die Berggießhübler Klinik. © Archiv: Frank Baldauf

36 Patienten werden aktuell noch in der Berggießhübler Klinik behandelt. Doch Ende der Woche ist Schluss. Die Klinik schließt am Montag. Voraussichtlich bis Juni. Es lohnt sich für so wenige nicht mehr. Da in den Akut-Krankenhäusern aufgrund der aktuellen Situation weniger Leute operiert werden, kommen auch weniger in die Reha-Kliniken. Die noch in Berggießhübel aufgenommenen Patienten sollen vorzugsweise in Bad Gottleuba weiterbehandelt werden. Die Gespräche laufen derzeit, sagt Lars Wunder, Kaufmännischer Leiter beider Median-Kliniken. Die meisten Patienten seien verständig und aufgeschlossen. Für Gottleuba ist eine Schließung aktuell nicht vorgesehen. Dort sei die Belegung nach wie vor trotz eines infizierten Patienten gut. 

Die Berggießhübler Mitarbeiter gehen ab Montag in Kurzarbeit. Das ist das erste Mal seit 1996.  Damals war die Reform im Rehabilitationswesen der Grund. Außerdem wird Mitarbeitern der zeitweise Wechsel in ein anderes Median-Haus angeboten. Dazu laufen noch die Gespräche. 

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Neustart für drittes Quartal geplant

Für Bürgermeister Christian Walter (parteilos) kommt die Schließung nicht überraschend. "Es war absehrbar, dass in der derzeitigen Situation eine Reha-Klinik auch ihre Konsequenzen ziehen muss." Wenn freie Kapazitäten im Moment nicht zur Behandlung von Corona-Patienten benötigt werden, muss die Klinik wirtschaftliche Entscheidungen treffen. Da die Klinik in beiden Orten der größte und wichtigste Arbeitgeber ist, sei es wichtig, dass die Klinik, so wie angekündigt, im Juni wieder öffnet. "Wir brauchen jeden einzelnen Arbeitgeber im Ort", sagt Walter. 

Die Klinik spricht inzwischen von spätestens im dritten Quartal, das heißt also irgendwann zwischen Juli und September. Man werde die Entwicklung genau beobachten und flexibel bleiben, um den Betrieb gegebenenfalls auch kurzfristig rasch wieder aufnehmen zu können. "Letztlich hängt das alles vom politischen Corona-Management ab", sagt Wunder. 

Die Ankündigung von Gesundheitsminister Jens Spahn, dass Krankenhäuser in Deutschland ab Anfang Mai schrittweise in den Regelbetrieb zurückkehren, wird begrüßt. „Das Herunterfahren der Regelversorgung im Februar, um Kapazitäten für die Behandlung Corona-Infizierter in den Akutkliniken zu schaffen, war eine richtige Entscheidung“, sagt Dr. André M. Schmidt, Vorsitzender der Median-Geschäftsführung. Man habe mit der  schnellen Übernahme von Patienten und dem Freihalten von Kapazitäten einen Beitrag dazu geleistet, dass die Krankenhäuser ihrerseits schnell ausreichend Plätze bereitstellen konnten. Dass diese nun nicht in dem Maße für Covid-19-Patienten benötigt werden, sei ein schrittweises Anfahren der regulären Versorgung der Bevölkerung wichtig und folgerichtig. 

Berggießhübel nicht gefährdet

Egal wie lange die Zwangspause dauere, der Standort Berggießhübel stehe keinesfalls in Frage, sagt Schmidt. Natürlich werde man die wirtschaftlichen Ziele 2020 nicht erreichen. Aber Median könne sich als große Unternehmensfamilie gegenseitig stützen. So gebe es auch jetzt stabil oder sogar besser laufende Einrichtungen. „Wir sehen uns gut gerüstet, ohne den Verlust von Arbeitsplätzen durch die Krise zu kommen“, sagt er. Alle Investitionen wurden zurückgefahren. 

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Entscheidend sei, dass es Kompensationen für leere oder frei gehaltene Betten durch die Versicherungsträger gibt, sagt Schmidt. "Diese sind allerdings nicht so gut wie bei den Krankenhäusern, sodass wir auch auf Kurzarbeit zurückgreifen müssen", sagt Schmidt. Die wiederum sei Voraussetzung, um Vergütungen von der Deutschen Rentenversicherung zu erhalten. Abhängig von den Belegungen werde das Kurzarbeitergeld für die Mitarbeiter aufgestockt. 

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