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Klinik leidet unter Brustkrebsskandal

Alte Vorwürfe gegen das Elblandklinikum in Riesa kochen wieder hoch. Und der Ex-Geschäftsführer droht.

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Von Jens Ostrowski

Die Vorwürfe haften am Krankenhaus wie das Krebsgeschwür am Patienten. So hart der Vergleich auch klingt, treffender könnte er nicht sein. Dabei war der angebliche Brustkrebsskandal im Elblandklinikum Riesa vor einem Jahr längst von Experten ausgeräumt worden. Nun wird er durch einen Bericht im Nachrichtenmagazin Spiegel neu befeuert. Am Ende leidet wieder das Image des ohnehin noch immer angeschlagenen Krankenhauses.

Die Vorwürfe, die der damalige Geschäftsführer des Elblandklinikums, Markus Funk, im Februar 2013 gegen seine eigene Radiologie in Riesa erhob, wogen schwer: Aufgrund von Fehldiagnosen in der Mammografie könnten Frauen in der Region – ohne es zu ahnen – möglicherweise hundertfach von Brustkrebs betroffen sein, informierte er damals die zuständige Kassenärztliche Vereinigung. Die prüfte den Fall, wies die Vorwürfe als interne Kampagne gegen die betroffenen Mediziner zurück, und Funk musste seinen Koffer packen. Aufsichtsrat und Kreistag enthoben ihn von seinen Ämtern. Denn mit dem angeblichen Mammografie-Skandal erreichten die Unruhen im Riesaer Krankenhaus seinerzeit ihren Höhepunkt. Mediziner prangerten öffentlich strategisch-medizinische Fehlentscheidungen sowie eine unausgewogene und unwürdige Personalpolitik zum Nachteil des gesamten Klinikums an. Mitarbeiter in der Verwaltung und auf den Stationen sprachen von einem Klima der Angst, das von der Klinikleitung verbreitet werde. In der Folge hatten sich mehrere Chefärzte und der Großteil aller niedergelassenen Ärzte in Riesa gegen Funk gestellt.

Unter den Teppich gekehrt?

Mit dem Wechsel an der Spitze Mitte letzten Jahres kehrte wieder Ruhe ein. Bis zur aktuellen Spiegel-Berichterstattung, in der die Autoren nun von Diagnosefehlern in der Radiologie sprechen, die von Ärzten und Politikern vertuscht worden sein sollen. Der Spiegel kritisiert unter anderem, dass der aus Politikern besetzte Aufsichtsrat Markus Funk und den Chefarzt Prof. Dirk Kieback nach Bekanntwerden ihrer Vorwürfe gegen die Radiologen absetzte, um vermutlich eben diese unter den Teppich kehren zu können.

Drei tragische Schicksale von Frauen, bei denen die Krebserkrankung in der Riesaer Klinik nachweislich erst nicht und dann wohl zu spät erkannt worden sei, sollen die These stützen.

Zum einen hat der Aufsichtsrat die Ära Funk laut einem Mitglied, das nicht genannt werden möchte, „am Ende einer langen Kette von Problemen und Unstimmigkeiten“ beendet. Zum anderen haben die Verantwortlichen niemals bestritten, dass es im kritisierten Zeitraum 2011 Diagnosefehler im Riesaer Krankenhaus gab. Klinikum und Kassenärztliche Vereinigung erklären diese mit der gängigen Fehlerquote in der Mammadiagnostik. „Es gibt kein diagnostisches Verfahren zur Untersuchung der weiblichen Brust, welches zu 100 Prozent fehlerfrei ist. Bezogen auf die Mammografie hängen die Ergebnisse unter anderem von der technischen Bildqualität und von der Dichte des Brustdrüsengewebes bei der untersuchten Frau ab“, bestätigte der unabhängige Professor Walter Heindel, Leiter des Referenzzentrums Mammografie am Universitätsklinikum Münster, im SZ-Gespräch. Markus Funk jedenfalls sieht seine Vorwürfe durch die Spiegel-Berichterstattung nachträglich bestätigt – obwohl er noch vor einem Jahr der SZ gegenüber schriftlich versicherte, erleichtert über die Entwarnung der Kassenärztlichen Vereinigung zu sein. Jetzt die Kehrtwende: Aufgrund der Beschädigung seiner beruflichen und persönlichen Reputation lasse er nun „juristische Konsequenzen gegenüber den seinerzeit Beteiligten“ prüfen, teilte er am Wochenende mit.

Wirtschaftliche Folgen bis heute

Prüfen wolle auch die Kassenärztliche Vereinigung, inwieweit sie nun auf den Spiegel-Bericht reagieren werde, sagte Geschäftsführer Dr. Klaus Heckemann gestern. Er hatte die kritisierten Befunde damals stichprobenartig kontrollieren lassen. Bei 102 Mammografien hatte es keine Auffälligkeiten gegeben. Deshalb bleibt er weiterhin bei seiner Meinung, dass es sich bei den Vorwürfen scheinbar nur um eine Intrige gegen bestimmte Ärzte gehandelt habe. „Nachdem mittlerweile wohl allen Beteiligten an dieser Intrige gekündigt wurde, sehen wir dies als Bestätigung dieser Meinung“, sagte Heckemann gestern.

Und auch der neue Klinikgeschäftsführer Frank Ohi ist von der neuesten Berichterstattung nicht begeistert: „Das Thema hat unserem Unternehmen sehr geschadet, und wir bekommen leider jetzt auch noch weiterhin die wirtschaftlichen Folgen zu spüren.“ Und das wird wohl auch noch eine ganze Weile so bleiben.