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Kamenz

Klinik will Mitarbeitern Autos schenken

Der Fachkräftemangel lässt Unternehmen kreativ werden – und teilweise tief in ihre Geldbeutel greifen.

Wer in der Asklepios-Klinik Radeberg einen Arbeitsvertrag unterschreibt, soll entweder mehrere Tausend Euro oder ein Auto bekommen. Grund: Fachkräftemangel.
Wer in der Asklepios-Klinik Radeberg einen Arbeitsvertrag unterschreibt, soll entweder mehrere Tausend Euro oder ein Auto bekommen. Grund: Fachkräftemangel. © 123rf

Pulsnitz/Kamenz. Unternehmen in Ostsachsen lassen sich derzeit einiges einfallen, um Mitarbeiter zu werben. Besonders betroffen vom Fachkräftemangel sind Krankenhäuser, die vor allem Pflegekräfte und Ärzte suchen. Teilweise werden hohe Prämien bezahlt, wenn neue Mitarbeiter dort einen Arbeitsvertrag unterzeichnen. Aber es gibt auch andere Beispiele wie Pulsniz und Kamenz.

Was lassen sich die Kliniken einfallen, um Personal zu finden?

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„In den Asklepios-Kliniken in Radeberg, Hohwald und Sebnitz gehört der Fachkräftemangel mit seinen Auswirkungen zu den Top-Themen“, sagt Lucia Böhme, Pressesprecherin für diesen Bereich des Asklepios-Konzerns. „Im Rahmen des Programms ,Mitarbeiter werben Mitarbeiter‘ erhalten Kollegen, die einen neuen Mitarbeiter für einen unserer Standorte gewinnen, bereits seit März 2018 einen Dank in Höhe von 1 000 Euro.“ Diese Summe habe die Klinik soeben nochmals erhöht, auf nunmehr 3 000 Euro, erläutert Lucia Böhme. Auch für die neuen Mitarbeiter selbst lohnt sich der Arbeitsbeginn in einer der Asklepios-Kliniken. „Die Dankes- oder Willkommens-Prämie für ausgebildete Pflegefachkräfte wird bis zu 10 000 Euro betragen“, teilt die Klinik-Sprecherin mit. „Damit wollen wir ein Zeichen setzen, welch wichtigen Beitrag Pflegefachkräfte in unserer Gesellschaft leisten.“ Doch damit nicht genug: Der Regionalgeschäftsführer der drei Asklepios-Kliniken Patrick Hilbrenner, habe bei einer offiziellen Mitarbeiterbesprechung auch bekannt gegeben, dass alle neu eingestellten Arbeitnehmer zusätzlich zur Willkommensprämie ein Auto bekämen, berichten Klinik-Mitarbeiter. Der dazugehörige Fahrzeugbrief werde aber erst nach einigen Zugehörigkeitsjahren bei Asklepios ausgegeben. Pressesprecherin Lucia Böhme möchte das derzeit so nicht bestätigen. „Die Konzernleitung in Hamburg berät derzeit, ob die neuen Mitarbeiter entweder ein Auto oder die 10 000 Euro bekommen“, sagt sie auf Anfrage.

Weshalb zahlt Asklepios so viel Geld für neue Pflegekräfte?

„Allein in Sachsen werden nach Berechnungen einer Enquete-Kommission des Landtags bis zum Jahr 2030 zwischen 2 500 und 5 000 Pflegefachkräfte fehlen“, sagt Lucia Böhme. Schon jetzt gibt es einen harten Wettbewerb der Klinken untereinander um Mitarbeiter. „Um eine optimale Versorgung im Pflegebereich für die im Krankenhausplan vorgesehene Bettenkapazität anbieten zu können, würden wir gern an allen Standorten mehr als 50 Stellen besetzen. Das ist ein internes Ziel“, sagt Böhme. Dazu setze Asklepios auch verstärkt auf Ausbildung.

Zahlen andere Klinken ebenfalls Prämien für neue Mitarbeiter?

Das Malteserkrankenhaus in St. Johannes Kamenz zahlt keine finanziellen Anreize. Auch die Vamed-Kliniken (vormals Helios) aus dem Rehabereich in Pulsnitz halten nichts von solchen Prämien. Das fördere nur die Fluktuation des Personals und löse die Probleme des Personalmangels nicht, schätzt Kliniken-Geschäftsführer Carsten Tietze ein. Damit werde der erwähnte Wettbewerb nur verschärft. Das hätten Erfahrungen aus Kliniken gezeigt, die solche Anreize zahlen. In Pulsnitz setzt man auf eine vernünftige, eine angemessene Bezahlung und auf ein Bündel weicher Faktoren für zufriedene Mitarbeiter. Sie sollen sich wohlfühlen und in den Pulsnitzer Kliniken bleiben. Dazu gehörten vernünftige Dienstpläne, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ein Gesundheitsmanagement, Weiterbildung, Mitarbeiterfeste. Monetäre Anreize hätten dagegen nur eine kurzzeitige Wirkung, so Carsten Tietze. Daneben setzt sich die Klinik auf politischer Ebene massiv dafür ein, den qualifizierten Zuzug von Fachleuten zu erleichtern.

Ähnlich ist die Strategie bei den Kamenzer Maltesern. Sprecherin Ines Eifler: „Zu unseren Anreizen, um Personal zu gewinnen, gehören die Unterstützung im Bereich Work-Life-Balance und Vereinbarkeit von Beruf und Familie.“ Es gehe ums Arbeitsklima. Ines Eifler spricht von der persönlichen Art der Einarbeitung durch nette Kollegen in motivierten Teams, von Sport- und Trainingsangeboten, von Unterstützung beim Umzug und in der Weiterentwicklung. Dazu komme ein überdurchschnittliches Entgelt durch einen attraktiven Tarif und überdurchschnittliche Leistungen der betrieblichen Altersvorsorge.

Im Helios Klinikum Pirna ist die Strategie eher auf der monetären Schiene. So gibt es einerseits Prämien für Mitarbeiter, die Mitarbeiter werben. Sie erhalten 2 000 Euro brutto. “, sagt Klinik-Sprecherin Kristin Wollbrandt. Neue Mitarbeiter erhalten ebenfalls eine Prämie in der Höhe. Daneben will Helios verstärkt ausbilden.

In welchen Branchen sind Antrittsprämien außerdem üblich?

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden kennt das Problem des sich verschärfenden Fachkräftemangels. Nach Aussage von Lars Fiehler, Geschäftsführer Standortpolitik und Kommunikation der IHK Dresden, hat die Kammer in verschiedenen Branchen von Vermittlungsprämien für Mitarbeiter und von Antrittsprämien für neue Mitarbeiter gehört. „Allerdings haben wir keine detaillierte Kenntnis, in welchen Unternehmen das gegenwärtig praktiziert wird. Ebenso können wir nicht einschätzen, ob dieses Instrument erfolgversprechend ist oder nicht“, sagt Fiehler.

Der Fachkräftemangel treffe sehr viele Bereiche, führt er weiter aus: „Im Ergebnis entwickelt sich die Suche nach Personal in fast allen Branchen, Betriebsgrößen und Regionen zu einer der größten unternehmerischen Herausforderungen. Und da wird halt vieles ausprobiert, auch die genannten Prämien.“

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