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Kliniken fahren langsam wieder hoch

Die Corona-Zahlen sinken im Landkreis, die Krankenhäuser gehen allmählich wieder in ihren normalen Betrieb über. Für einige Patienten wird das höchste Zeit.

Susanne Dunger leitet im Nieskyer Emmaus-Krankenhaus den Pflegedienst.
Susanne Dunger leitet im Nieskyer Emmaus-Krankenhaus den Pflegedienst. © André Schulze

Knapp zwei Monate Ausnahmezustand sollen nun auch in den Kliniken zu Ende gehen. Der Freistaat hat den Häusern am Wochenanfang grünes Licht gegeben, den normalen Betrieb langsam wieder hochzufahren. Höchste Zeit, finden die Krankenhäuser. Wir berichten, wie die Lage in den einzelnen Kliniken ist.

Klinikum Görlitz: Verschobene OPs kommen als Erste dran

Besucherstopp, keine geplanten OPs - all das bleibt vorerst noch. Doch es gibt Patienten, deren Operationen beim Shutdown im März abgesagt beziehungsweise verschoben worden waren und deren Zustand sich verschlimmert hat. "Sie kommen nun als Erste dran, weil ein weiterer Aufschub medizinisch nicht mehr vertretbar ist", so Katja Pietsch vom Städtischen Klinikum.

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Ein Großteil der Kapazitäten, die für Covid-19-Patienten vorgehalten worden waren, sollen jetzt diesen dringlichen Fällen zur Verfügung stehen. Das gilt allerdings nicht räumlich: Haus R auf dem Klinikumgelände bleibt weiterhin die Corona-Isolierstation. Schließlich sind die Krankenhäuser aufgefordert, Corona-Ressourcen weiterhin vorzuhalten oder schnellstmöglich zu reaktivieren, sollten es die Fallzahlen erforderlich machen.

Im Klinikum war die Zahl der Corona-Patienten mit zwei Fällen sehr überschaubar. Aktuell gibt es gar keinen Patienten mehr auf der Isolierstation. Verdachtsfälle gibt es immer wieder, doch seit mehr als zwei Wochen hat sich kein Verdacht mehr bestätigt. Das strenge Hygieneregime bleibt selbstredend erhalten. Darauf werden die Patienten überall mit Aushängen hingewiesen. Generelle Corona-Tests werden bei "normalen" Patienten nicht durchgeführt. Erst wenn ein Patient, der wegen eines anderen Leidens ins Krankenhaus kam, Corona-Symptome zeigt, werde er getestet. 

Am neuen Haupteingang des Städtischen Klinikums in Görlitz hängen Patienteninformationen zu Corona
Am neuen Haupteingang des Städtischen Klinikums in Görlitz hängen Patienteninformationen zu Corona © Städtisches Klinikum Görlitz

Das Klinikum hofft, dass die augenscheinliche Skepsis der Bevölkerung nun wieder schwindet. Der vermeintliche Rückgang medizinischer Notfälle ist nämlich auch an den hiesigen Krankenhäusern zu beobachten. Entweder gehen die Menschen aus Sorge wegen Corona trotz Beschwerden gar nicht zum Arzt oder ins Krankenhaus - oder sie warten bis es nicht mehr geht. "Aber dann kann es auch schon zu spät sein", so Katja Pietsch. Klinikum-Geschäftsführerin Ulrike Holtzsch: "Unser dringender Appell ist: Bitte gehen Sie zum Arzt oder in die Notaufnahme, wenn es Ihnen schlecht geht. Achten Sie vor allem auf Infarktsymptome, hier zählt jede Minute. Die Angst vor Corona darf nicht überwiegen."

Einschränkungen bleiben im Klinikum bei der Versorgung von psychisch Kranken. "Das wollen wir aber schrittweise auch wieder hochfahren, damit wir Leute auffangen können", so Katja Pietsch. Die Corona-Zeit belaste die Psyche bei vielen Menschen - erst recht bei jenen, die vorher schon psychische Probleme hatten.   

Zum Besucherstopp sagt Katja Pietsch, dass es hier weiterhin Ausnahmen gibt: Besuche bei Geburten, stationär betreuten Kindern und Schwerstkranken sind möglich. 

St. Carolus in Görlitz: Reguläre Sprechstunden bald wieder

Zuletzt musste das Carolus leider den Tod des 70-jährigen Corona-Patienten bestätigen, über dessen schwierige Behandlung die SZ noch vor einigen Tagen berichtet hatte. Dennoch: Als erste Anlaufstelle im Landkreis und bei insgesamt über 90 Patienten sind die beiden Todesfälle, die das Carolus zu verzeichnen hat, vergleichsweise wenig. 14 Menschen waren bereits mit dem positiven Befund einer Corona-Infektion ins Carolus gekommen, wo es ebenfalls eine streng separierte Isolationsstation gibt. Von den 77 Verdachtsfällen konnten 70 schnell wieder entlassen werden, weil sich der Verdacht nicht bestätigte. 

„Für uns als Regelversorger ist es wichtig, den Regelbetrieb im St. Carolus in der nächsten Zeit wieder aufzunehmen", sagt Standortleiterin Daniela Kleeberg. Planbare OPs und Eingriffe und der reguläre Sprechstundenbetrieb sollen wieder möglich sein. Auch hier gilt: Die Patienten, die mitunter schon längere Zeit auf ihre OP warten oder die sich diagnostische Gewissheit wünschen, kommen zuerst dran. "Uns ist es wichtig, dass kein Patient aus der Sorge heraus zu Hause bleibt, das St. Carolus würde einzig Corona-Fälle behandeln", sagt auch Daniela Kleeberg. 

Die Chefärzte Dr. Jörg Lubrich (links) und Dr. Uwe Treue stehen auf der Isolierstation an einem Bett, welches speziell für Beatmungspatienten bestimmt ist.
Die Chefärzte Dr. Jörg Lubrich (links) und Dr. Uwe Treue stehen auf der Isolierstation an einem Bett, welches speziell für Beatmungspatienten bestimmt ist. © Nikolai Schmidt

Die Station für Coronapatienten bleibt bestehen. Das Personal sei so eingeteilt, dass es keine Vermischung gibt mit anderen Stationen. Ein Check der Patienten vor Eintritt ins Krankenhaus sei ein weiterer Punkt, um eine Verbreitung des Virus' zu vermeiden. Nicht nur der Notfall, sondern auch jeder normale Patient soll bei Betreten der Klinik ein Screening durchlaufen. "Dafür haben wir einen Fragebogen entwickelt, der jetzt auch mit dem Landkreis abgestimmt wird. So werden alle ankommenden ambulanten und stationären Patienten unter anderem nach grippeähnlichen Symptomen, Luftnot oder Husten gefragt und es wird die Körpertemperatur gemessen."

Emmaus Niesky: Keine Gefahr beim Krankenhausaufenthalt

Die Wahrscheinlichkeit, sich im Krankenhaus zu infizieren, ist viel geringer als beispielsweise in einem Laden oder durchs Kind daheim. Diese Botschaft möchte Rainer Stengel, der ärztliche Leiter des Nieskyer Emmaus-Krankenhauses skeptischen Patienten übermitteln. "Sie können ohne Bedenken in unser Haus kommen", sagt er. Über die Möglichkeiten der Lockerungen ist er sehr froh, auch hier werden verschobene Eingriffe immer dringender. "Eine Gallenstein-OP kann man eine Weile verschieben, aber irgendwann ärgert er doch zu sehr und muss raus." 

Zutritt nur mit Mundschutz: Susanne Dunger kümmert sich im Emmaus-Krankenhaus in Niesky darum, dass das auch jeder einhält.
Zutritt nur mit Mundschutz: Susanne Dunger kümmert sich im Emmaus-Krankenhaus in Niesky darum, dass das auch jeder einhält. © André Schulze

Und so hat die Rückkehr in die Normalität schon begonnen, die Zahl der Eingriffe in den Bereichen Innere Medizin und Chirurgie wurde erhöht. Strengste Hygienevorschriften gelten selbstverständlich auch bei Emmaus. Dafür sorgt Susanne Dunger, die Pflegedienstleiterin. So ist explizit ausgeschildert, wer welchen Eingang nutzen darf.  Denn nach wie vor kommen Menschen mit Corona-Verdacht, die Zahl sei aber deutlich zurückgegangen.

15 bestätigte Fälle hatte Emmaus zur schlimmsten Zeit, viele waren aus dem benachbarten Pflegeheim Abendfrieden, wo Corona besonders zugeschlagen hatte. Aktuell liegen auf der Isolierstation noch fünf Personen, sie alle sind Verdachtsfälle, die noch auf die Testergebnisse warten müssen. "Wir sind nach wie vor gerüstet", sagt Rainer Stengel. Daher auch die unterschiedlichen Eingänge. "Zutritt haben zudem alle nur mit Mundschutz. Wer keinen dabei hat, bekommt ihn von uns", sagt Susanne Dunger. Emmaus hat sogar einen Sicherheitsdienst etabliert, der die Einhaltung der strengen Vorschriften kontrollieren soll. 

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Auch personell wird - wie auch in den anderen Häusern - wieder hochgefahren. Viel Personal war in den vergangenen Wochen zuhause geblieben, hatte Überstunden abgebaut. "Verdoppeln werden wir die Durchlaufzahl aber nicht gleich wieder", sagt Rainer Stengel. "Wir sind angehalten, geordnet und geplant zu agieren."  

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