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Kliniken warten auf Corona-Welle

Krankenhäuser haben Isolierstationen geschaffen und konzentrieren sich auf Notwendiges. Dabei wächst die Sorge.

Wegen der Coronavirus-Gefahr gilt am Städtischen Klinikum in Görlitz ein Besucherstopp.
Wegen der Coronavirus-Gefahr gilt am Städtischen Klinikum in Görlitz ein Besucherstopp. © Nikolai Schmidt

Wenn er denn kommt: Die Krankenhäuser sind vorbereitet und einem Ansturm an Covid-19-Patienten bestens gewachsen. Das Städtische Klinikum Görlitz, das Malteser Krankenhaus St. Carolus, das Emmaus Krankenhaus in Niesky – alle haben Isolierstationen geschaffen, ihre Abläufe umgeplant, Personal geschult und verstärkt in den Isolierbereichen eingesetzt.
Angst davor, wegen Corona und der geforderten Freihaltung von Kapazitäten jetzt bei einer anderen Erkrankung nicht oder nicht ausreichend behandelt zu werden, muss niemand haben. Landratsamt-Sprecherin Franziska Glaubitz antwortet auf eine entsprechende Anfrage zum Kreiskrankenhaus Weißwasser: „Jeder Patient, der durch den Rettungsdienst oder durch eine notwendige Überweisung vom ambulanten Facharzt in das Kreiskrankenhaus Weißwasser eingewiesen wird, erhält die vollumfängliche medizinische Behandlung wie bisher in der Regelversorgung.“

Bettenbelegung wurde rapide reduziert

Damit genügend Betten für Covid-19-Patienten frei sind, wurden zahlreiche geplante Untersuchungen und Eingriffe bei Patienten mit anderen Erkrankungen verschoben, für die keine dringende medizinische Notwendigkeit besteht. Laut Landkreis verringerten die Kliniken im Kreis seit Mitte März die Bettenbelegung um bis zu 45 Prozent. Manche Patienten haben auch von sich aus abgesagt, selbst wenn die Behandlung medizinisch notwendig gewesen wäre. Daniela Kleeberg, Leiterin des Görlitzer Malteser Krankenhauses St. Carolus, schätzt den Anteil der verschobenen Termine auf 30 bis 40 Prozent. Da viele Haus- und Fachärzte ihre Sprechstunden eingeschränkt haben, komme es auch zu weniger Einweisungen als sonst.

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Wie viele Termine in Weißwasser wegen Corona verschoben wurden, kann auch Landkreissprecherin Franziska Glaubitz nicht beantworten: „Die Anzahl an Terminverschiebungen ist nicht definierbar, da sich alles in einem fließenden Entscheidungsprozess befindet. Ein eventueller Vorrang an medizinischen Behandlungen ergibt sich aus der fortlaufenden ärztlichen Beurteilung des Krankheitsverlaufes des Patienten.“ Kurz gesagt: Was medizinisch unerlässlich ist, wird selbstverständlich auch gemacht.

Im Carolus genau wie im Klinikum und im Emmaus Krankenhaus konzentriert man sich derzeit neben der Sensibilisierung auf Covid 19 auf die Patienten, die dringende medizinische Hilfe benötigen, chronisch krank sind oder sich langwierigen Behandlungen unterziehen müssen.

Das sind die verfügbaren Kapazitäten der Intensivmedizin im Landkreis Görlitz (Stand Gründonnerstag):

  • Auf Intensivstationen in den Krankenhäusern im Landkreis Görlitz gibt es 63 Betten.
  • 61 von ihnen sind mit einem Beatmungsgerät versehen.
  • Derzeit sind 32 Betten frei (Stand letzten Donnerstag).
  • 30 Betten sind mit anderen, nicht mit Coronavirus-infizierten Patienten belegt. Ein Bett ist mit einem Coronavirus-Patienten belegt.

Drei Covid-Patienten in Weißwasser

Den vielen Patienten, die jetzt eigentlich im Krankenhaus wären, sich von einer Operation erholen würden oder mehr Klarheit über ihr Krankheitsbild auf Grund bestimmter Untersuchungen hätten, stehen zurzeit nur wenige Patienten gegenüber, die wegen Covid 19 behandelt werden. Im Carolus sind es sieben bis zehn Patienten. Sie benötigen bislang keine intensivmedizinische Versorgung. Im Klinikum sind es vier, darunter drei Verdachtsfälle. Das Emmaus Krankenhaus versorgt ebenfalls einige Covid-19-Patienten. Im Kreiskrankenhaus Weißwasser waren es am vergangenen Freitag drei Covid-19-Patienten.

Auf Grund der intensiven Isolierungsmaßnahmen, der strikten Trennung zwischen Infizierten und nicht Betroffenen, dem Besucherstopp und den ohnehin strengen Hygieneregeln im Gesundheitswesen können nicht infizierte Patienten sicher behandelt werden, versichern alle vier Krankenhäuser. Das Klinikum hat die Covid-19-Patienten in einem frei stehenden Gebäude auf dem Gelände untergebracht, sodass man sich bei einem Gang durchs Hauptgebäude keine Sorgen um eine mögliche Ansteckung zu machen braucht. Victor Franke vom Emmaus Krankenhaus sagt: „Sowohl im Aufnahmebereich als auch auf den Stationen können wir infizierte und nicht infizierte Patienten sicher voneinander trennen.“

Im Kreiskrankenhaus Weißwasser erfolgt die Isolation nach den Richtlinien des Robert Koch Institutes und getrennt von der Regelversorgung im Haus, berichtet Franziska Glaubitz.

Deutliche Entlastung spüren derzeit die Notaufnahmen. Echte Notfälle werden weiter empfangen. „Aber Patienten wägen viel stärker ab, ob sie eine Notaufnahme aufsuchen müssen oder nicht“, sagt Victor Franke. „Einige haben Angst vor einer Ansteckung, was unbegründet ist.“ Dr. Eric Hempel vom Klinikum bestätigt das: „Es suchen deutlich weniger Patienten mit Bagatellbeschwerden die Notaufnahme auf.“

Wirtschaftliche Einbußen sind groß

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Bei allem Schutz vor einer Ausbreitung des Coronavirus Covid 19, bei aller Vorsorge und Vorbereitung auf eine Welle von Neuerkrankten – weniger Patienten und weniger OPs bedeuten für die Krankenhäuser: weniger Einnahmen. Zwar gibt es einen sogenannten Schutzschirm für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, der deren wirtschaftliche Stabilität sichern soll. Der Landkreis erörtert regelmäßig mit allen Kliniken im Landkreis die Situation. „Der Schutzschirm ist gut, aber noch nicht ausreichend“, sagt Katja Pietsch vom Klinikum. Emmaus-Sprecher Victor Franke sagt, die verordnete Bettenfreihaltung werde zwar mit einer Pauschale von circa 560 Euro pro Bett ausgeglichen, aber dieser Betrag decke nicht die tatsächlichen Kosten. „Insbesondere Kosten für das Personal, das wir ja weiterhin vorhalten müssen, sind in dieser Pauschale nicht enthalten.“
Und auch Daniela Kleeberg vom Carolus sagt: „Unsere Sorge um wirtschaftliche Einbußen ist sehr groß.“ Die Krankenhäuser hätten es schon ohne Krise schwer, besonders die kleinen Häuser.
Trotzdem heißt das Signal aus allen vier Häusern in Görlitz, Niesky und Weißwasser: Das Wichtigste sind und bleiben die medizinische Versorgung der Patienten und das Wohlergehen der Mitarbeiter.

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