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Dresden trennt sich von Klinik-Chef

Die städtischen Krankenhäuser schreiben seit Jahren Verluste. Jetzt soll ein neuer Manager das Klinikum neu ausrichten. Der Name steht schon fest.

Jürgen Richter hat um Entbindung seiner Aufgaben gebeten. Die Stadt will der Bitte nachkommen.
Jürgen Richter hat um Entbindung seiner Aufgaben gebeten. Die Stadt will der Bitte nachkommen. © Sven Ellger

Dresden. Die Stadt Dresden will den Kaufmännischen Direktor des Städtischen Klinikums, Jürgen Richter, von seinen Aufgaben entbinden. Wie die Verwaltung am Freitag mitteilte, habe er selbst darum gebeten. Grund seien unterschiedliche Auffassungen zur Neuausrichtung der städtischen Krankenhäuser, heißt es. Richter hat demnach am 31. März seinen letzten Arbeitstag.

Das Rathaus hat bereits einen Kandidaten gefunden, der auf Richter folgen soll. Es handelt sich um Marcus Polle, der sich in Dresden bereits auskennt. Zwischen 2006 und 2010 war der Diplom-Betriebswirt der Geschäftsführer des Herzzentrums am Universitätsklinikum sowie des Herzzentrums in Cottbus. Beide gehören zum privaten Sana-Klinikkonzern. Zwischen 2016 und 2019 arbeitete er als Kaufmännischer Direktor am universitären Deutschen Herzzentrum in Berlin. Berichten des Tagesspiegels zufolge hatte sich der Stiftungsrat des Zentrums im Sommer des vergangenen Jahres von Polle getrennt. Anlass wären heftige Auseinandersetzungen über die Finanzierung der Bauabschnitte des neuen Herzzentrums gewesen. Außerdem soll es über die Fusion mit der Charité Unstimmigkeiten gegeben haben.

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Stadtrat entscheidet über Nachfolger

Am 26. März steht die Personalie auf der Tagesordnung des Dresdner Stadtrats. Polle soll so schnell wie möglich anfangen, spätestens zum 1. Mai.

Der gebürtige Dortmunder soll das Städtische Klinikum aus der Verlustzone holen und die strategische Neuausrichtung auf den Weg bringen, die der Gesundheitsausschuss in der vergangenen Woche anschob. Dresden sei ein bedeutendes Gesundheitszentrum und eine weithin wahrnehmbare Größe, so Polle in einem Statement am Freitag. "Mein Anspruch ist es, dass das Städtische Klinikum noch besser davon profitiert und eine starke Rolle in der regionalen Versorgung einnimmt. Das Städtische Klinikum hat das Zeug dazu“, sagte er.

Marcus Polle soll das Städtische Klinikum sobald wie möglich führen.
Marcus Polle soll das Städtische Klinikum sobald wie möglich führen. © privat

Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) freue sich auf die Zusammenarbeit, sagte sie am Freitag. Polle habe in Gesprächen mit ihr, Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und Finanzbürgermeister Peter Lames (SPD) mit "ausgezeichneter fachlicher und persönlicher Eignung sowie starker Motivation überzeugt".

Zugleich bedankt sich Kaufmann bei Jürgen Richter. Er habe das Klinikum maßgeblich geprägt. "Er übergibt ein medizinisch exzellentes Unternehmen an einen neuen Kapitän", so die Sozialbürgermeisterin. Polle werde den eingeschlagenen Konsolidierungskurs mit "frischem Wind fortsetzen und das Klinikum mit neuer Energie in die Zukunft steuern – zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten sowie unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter."

Vertrag befristet bis 2021

Tatsächlich häuften sich die Verluste unter Jürgen Richter in den vergangenen Jahren. Erst letzte Woche musste das erwartete Ergebnis für das abgelaufene Geschäftsjahr 2019 von minus neun auf knapp minus zwölf Millionen Euro korrigiert werden. Seitdem die beiden Krankenhäuser Friedrichstadt und Neustadt zu einem Eigenbetrieb verschmolzen sind, läuft es wirtschaftlich alles andere als rund. Die Fusion, die es auf dem Papier gibt, ist in der Realität derart ins Stocken geraten, dass es immer noch viele Parallelstrukturen gibt, etwa die komplette elektronische Datenverarbeitung. Auch bei den Behandlungen ist offenbar mehr drin. Die Stadt spricht von einem besseren OP- und Patienten-Entlass-Management, das nötig sei. Aus Mitarbeiterkreisen ist zu hören, des Öfteren fehle es an Schwestern und Pflegern für die Operationssäle, sodass mehr Eingriffe am Tag kaum möglich wären.

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Weil der Stadtrat zuletzt eine Überprüfung der Managementstruktur des Klinikums beauftragt hatte, wird Marcus Polle zunächst befristet bis zum 31. Dezember 2021 den Betrieb leiten. Für die langfristige Besetzung ist im kommenden Jahr eine Ausschreibung geplant, so die Stadtverwaltung. 

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