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Görlitz

Klinikum-Video erreicht Millionen

In Zeiten knapper Schutzkleidung übertreffen sich Kreative mit Ideen zum Selberbasteln. Ein Video des Görlitzer Klinikums schießt durch die Decke.

Mark Frank, Leiter der Notaufnahme im Städtischen Klinikum Görlitz, zeigt in einem Video, wie man selbst Corona-Schutzvisiere herstellen.
Mark Frank, Leiter der Notaufnahme im Städtischen Klinikum Görlitz, zeigt in einem Video, wie man selbst Corona-Schutzvisiere herstellen. © Screenshot/SZ

Was tun, wenn Schutzmasken oder Desinfektionsmittel knapp sind, aber die Zahlen Corona-Infizierter steigen? Klar, selber was machen. Die Apotheken haben die Erlaubnis, Desinfektionsmittel selber herzustellen und auch die Mundschutz- oder Schutzvisiere-Bastler schießen fast wie Pilze aus dem Boden.

Den Vogel abgeschossen – und zwar im positiven Sinn – hat das Städtische Klinikum. Hier hatten das Team der Notaufnahme um Oberarzt Mark Frank und das Team der Krankenhaushygiene die Idee, eine Schutzmaske selber herzustellen. Gesagt, getan und das ganze auf Video gebannt und ins Netz gestellt.

Gesicherte Nahversorgung in der Elbgalerie

Die Apotheke, Drogerie und der Lebensmittelhandel haben in der Elbgalerie weiterhin für Sie geöffnet und freuen sich auf Ihren Besuch.

Seit es am Freitagabend online ging, hat es nur auf Facebook 1.5 Millionen Menschen erreicht, ist etwa eine Million mal aufgerufen worden und wurde 17.000 Mal geteilt. Zu sehen ist Dr. Mark Frank, der in sieben Minuten erklärt, wie einfach sich jeder selbst ein Schutzvisier anfertigen kann.

Reaktionen aus vielen Ländern

Ein bisschen Laminierfolie, einen Tacker und Klebeband aus dem Baumarkt – viel mehr braucht es nicht, den vorgestellten Prototypen nachzubauen. „Unser Technischer Dienst hat das Visier optimiert und das Material besorgt. Die 100 Stück sind für intern da“, erzählt Klinikumsprecherin Katja Pietsch.

„Gebaut werden Sie von freiwilligen Helfern aus verschiedenen Bereichen unseres Klinikums.“ Es gebe unzählige Rückmeldungen von Privatleuten aber auch aus deutschen Kliniken und Arztpraxen, Sanitätshäusern, die sich die Visiere basteln. Auch aus Österreich, Italien, China, Polen und anderen Ländern gibt es Reaktionen. „Die Leute schicken uns Fotos von ihren nachgebastelten Visieren, es gibt sogar Angebote, dies über 3-D-Drucke herzustellen.“

Zwei Augenärzte kommentieren: „Ein 1000 Dank für den Tipp, wir haben gleich angefangen zu basteln. Da wir keine Schutzmasken haben, ist Ihr Visier eine sehr gute Alternative für unsere Augenarztpraxis. Wir haben allerdings Windradfolie genommen, die Laminierfolie hatte zu viele trübe Stellen."

Scheinpflug baut die Visiere jetzt nach

Dr. Mark Frank selbst sagt: „Das Visier ist zusätzlich zu den vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Schutzmaßnahmen zu tragen. Somit ist es auch nur eine zusätzliche Möglichkeit, mechanisch die Verbreitung zu reduzieren. Gleichzeitig fasst man sich dadurch weniger oft ins Gesicht.“

Auch bei den Scheinpflug Gesundheitsdiensten in Görlitz werden nun solche Visiere fürs Gesicht produziert – nach Anleitung von Dr. Frank. „Die ersten 20 Prototypen haben wir hergestellt“, sagt Henning Scheinpflug. Der Chef der Gesundheitsdienste sagt, dass unter anderem Pflegedienste, Labore und Arztpraxen Interesse zeigten. „Es gab bereits etwa 150 Anfragen dazu“, sagt er. Die Produktionskapazität soll auf 30 bis 40 Visiere pro Tag steigen. Das Unternehmen fertigt nun auch Plexiglas-Abtrennungen für Arztpraxen an. Die ersten drei wurden am Wochenende fertig.

Schneiderin näht in Meuselwitz Mundschutz

Denise Niepsch, die in Meuselwitz eine Änderungsschneiderei betreibt, näht ehrenamtlich nebenher Mundschutzmasken. „Die selbst genähten Masken bieten keinen Schutz vor Ansteckung. Sie können aber immerhin als „Spuk-Schutz“, zum Beispiel für pflegende Angehörige, dienen“, sagt sie. Die ersten 30 Masken sind fertig. Unter anderem wird davon eine Görlitzer Kindereinrichtung mit Notbetreuung profitieren. Zur Massenproduktion soll das aber nicht werden.

Das Reichenbacher Pflegeteam bekam für die 30 Mitarbeiter Mundschutz aus Baumwolle von Mila Minarikova und ihre Mutter gespendet. Ebenfalls hergestellt in Handarbeit, wie Pflegedienstleiterin Susann Kothe sagt. 40 Stück sind das, die ihre Freundin nähte. Nach Auskunft von Susann Kothe frage der Landkreis bei den Pflegediensten ab, was am Dringendsten benötigt wird. „Die vorhandenen Bestände an Hand- und Flächendesinfektionsmitteln, Handschuhen und Mundschutz sollen so erfasst werden“, sagt die gelernte Krankenschwester.

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