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Klöppeln neu erlebt

„Marlies’ fröhliche Klöppeltruppe“ trifft sich seit Jahren im Vierseithof Häslich und stellt ab Sonntag in Gersdorf aus.

© René Plaul

Von Ina Förster

Häslich. Marlies Friedrich dirigiert ihre Mitstreiterinnen wie ein Kapellmeister im Karoline-Rietschel-Haus hin und her. Da sitzt die Tischdecke noch nicht richtig, dort überschneiden sich Exponate in der Sichtachse. Der Stehpuppe mit dem Spitzen-Bikini täte noch ein kleiner Schmetterling am Hut gut. Die 57-Jährige hält die Fäden gut in der Hand. Und sie hat Erfahrung mit Ausstellungen und Messen. Seit 2005 lenkt und leitet sie „Marlies’ fröhliche Klöppeltruppe“ mit Herz und Verstand. „Wir haben das alte Handwerk wieder salonfähig gemacht. Es aus seiner leicht verstaubten Ecke herausgeholt“, mein sie nicht ohne Stolz.

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Schmuck aus besonderem Klöppeldraht ist ein großes Thema.
Schmuck aus besonderem Klöppeldraht ist ein großes Thema. © René Plaul
Fürs letzte Sommerfest auf dem Hutberg klöppelten die Frauen extra diese herrlichen Rhododendren.
Fürs letzte Sommerfest auf dem Hutberg klöppelten die Frauen extra diese herrlichen Rhododendren. © René Plaul

34 Damen und ein Herr treffen sich wöchentlich in Bernsdorf und Häslich im Haselbachtal zur gemeinsamen Handarbeit. Längst sind Freundschaften entstanden, feiert man Sommerfeste und Weihnachtsfeiern gemeinsam. Es gibt feste Rituale. Das miteinander Sprechen, dem anderen Zuhören gehört dazu. In den drei Stunden im Vierseithof geht es zum Beispiel eher um Austausch von Neuigkeiten. Kreative Ideen werden weiter gegeben. Probleme erörtert. Das Gros an Arbeit schafft man hier nicht gerade. Dazu hat man daheim noch genügend Zeit.

„Den Faden haschen“, nennen es einige Frauen. Die Arbeit mit den Klöppeln und verschiedenen Garnen, den Nadeln und Drähten macht eben Spaß. Papier, Edelstahl, das geht alles. Vor allem für das Projekt Schmuck benötigt man Draht. Schmuckdesignerin Margot Mager aus Wiednitz arbeitet seit 2013 mit der Gruppe zusammen. Auch sie liebt das Zusammenspiel aus filigranem Drahtgeflecht und allem, was Meer und Berge zu bieten hat. Was die Frauen ihr an Spitze oder Draht zuliefern, verarbeitet sie mit Geschick zu allerlei tragbarer Kunst. Auch sie wird zur Eröffnung am 8. April anwesend sein und ihre Kollektionen vorstellen. Man kann die Ware natürlich auch vor Ort kaufen.

Die zwei Ausstellungsräume wurden seit Mittwoch mit Hunderten Exponaten gefüllt. „Wir haben in den letzten drei Jahren wieder gesammelt und viel zusammen getragen. 2014 war hier im Haus unsere letzte Ausstellung. Nun greifen wir wieder an“, freut sich Marlies Friedrich. Doch nicht nur Schmuck und Mode, Hüte und Taschen sind im Karoline-Rietschel-Haus in Gersdorf zu sehen, sondern unzählige kleine und größere Kunstwerke. Ein Raum widmet sich den Jahreszeiten. Im anderen sind die letzten Jahresthemen zu sehen – Märchen , Blumen, Schmuck und Quadrate. Das neue Thema für 2018 lautet „Was auf den Tisch kommt“. Es soll nicht langweilig werden …

Marlies Friedrich hat für die Exposition selbst ein tolles Braut-Arrangement zusammengestellt. Hut, Handtäschchen und Schmuck wurden dafür geklöppelt. Allein für den Kopfputz brauchte sie 80 Stunden! Sponsor Optiker Hürrig aus Königsbrück lieferte passende Brillen für die lebensgroßen Puppen. Die Chefin erlernte das Handwerk übrigens selbst 2001 in einem Kurs an der Volkshochschule. Heute unterrichtet sie selber dort. Die Leidenschaft zur uralten Handarbeit – immerhin feiert das Klöppeln bereits 2011 seinen 450. Geburtstag– legte sich seitdem nicht. Im Gegenteil: Sie hat ihre Mitstreiter angesteckt. „Klöppeln ist zurzeit unheimlich im Kommen, man kann viele kreative Ideen umsetzen. Und es ist für alle Altersgruppen etwas“, weiß die Großgraberin. Die Jüngste im Bunde ist 30, die älteste 82.