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Klopp nach Anfield-Wunder überwältigt

Wunder, Wahnsinnsspiel, besser als Istanbul: Trainer Jürgen Klopp und der FC Liverpool begeisterten mit ihrer irren Aufholjagd gegen den FC Barcelona und werden dafür nicht nur von der Fußballwelt gefeiert.

Georginio Wijnaldum jubelt über seinen zweiten Treffer zum 3:0 für Liverpool.
Georginio Wijnaldum jubelt über seinen zweiten Treffer zum 3:0 für Liverpool. © dpa

Als Jürgen Klopp am Ende einer magischen Nacht zu den Klängen von John Lennons Imagine den Rasen von Anfield verließ, war der Teammanager des FC Liverpool immer noch überwältigt. Seine Mannschaft hatte beim 4:0 (1:0) gegen den FC Barcelona eine der spektakulärsten Aufholjagden im europäischen Fußball hingelegt und lange Zeit mit den Fans im Stadion den Einzug ins Finale der Champions League gefeiert.

"Diese Mischung aus großem Herz und fußballerischem Können, es war einfach unglaublich. Ich habe Spieler auf dem Platz gehabt, die haben geweint. Das haut dich um", sagte der 51-Jährige, der angesichts der Stimmung von Anfield ins Schwärmen geriet: "Dieser Klub lebt Emotionen und Leidenschaft, in ihm schlägt ein großes Herz, heute hat es wie verrückt geschlagen. Man hat es vermutlich auf der ganzen Welt gehört."

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Mit einer nie enden wollenden Willenskraft, einer unglaublichen Unterstützung der Fans und einem genialen Eckentrick hatten die Reds das 0:3 aus dem Hinspiel gedreht. "Klopps Ritter übertreffen Barca physisch, technisch, taktisch und am Ende auch intellektuell", schrieb die Daily Mail und zog den Vergleich zum letzten Sieg in der Königsklasse, als Liverpool ein 0:3 gegen AC Mailand aufholte: "Das war sogar besser als Istanbul 2005."

Das 4:0 durch Divock Origi nach einer Ecke von Trent Alexander-Arnold (79.) hat seinen Platz in den Fußball-Geschichtsbüchern sicher. Zunächst schien es so, als wollte der 20-Jährige den Eckstoß Xherdan Shaqiri überlassen. Nach vier Schritten drehte sich der Nationalspieler aber blitzschnell um und flankte den Ball in den Strafraum, wo einzig Torschütze Origi reagierte.

"Es war nur instinktiv. Es war einer dieser Momente, in denen du die Gelegenheit erkennst und dann wahrnimmst", sagte Alexander-Arnold. Englands früherer Nationalspieler Gary Lineker schwärmte auf Twitter von einem "der cleversten, frechsten und brillantesten Fußballkunststücke, die ich je gesehen habe."

Auch Klopp war überrascht. "Ich habe draußen noch gequatscht und sehe einen Ball ins Tor fliegen. Ich musste fragen, wer das Tor gemacht hat", erzählte der Coach, der seine Mannschaft nach den Ausfällen von Mohamed Salah, Roberto Firmino und Naby Keita in den Himmel lobte: "Ich habe den Jungs vor dem Spiel gesagt: Normalerweise ist es unmöglich, aber weil ihr es seid, haben wir eine Chance. Die Spieler sind fucking Mentalitätsgiganten."

Der frühere Wolfsburger Bundesliga-Profi Origi und der zur Halbzeit eingewechselte Georginio Wijnaldum erzielten in dieser magischen Nacht jeweils zwei Tore und brachten das Tollhaus in Liverpool zum Kochen. Barcelona mit dem entzauberten Lionel Messi und dem nicht fehlerfreien Nationaltorhüter Marc-Andre ter Stegen hatten ihre Chancen, wirkten aber nicht entschlossen genug. "Anfield hat ein zitterndes Barca plattgemacht wie eine Kakerlake", schrieb die Zeitung AS.

Selbst Klopp-Kritiker Jose Mourinho war nach der "Aufholjagd am Rande des Unglaublichen" (La Stampa) voll des Lobes für den Teammanager der Reds. "Für mich hat dieses Comeback einen Namen: Jürgen", sagte der Portugiese als TV-Experte: "Das ist die Spiegelung seiner Persönlichkeit: niemals aufgeben, sein Kampfgeist." Basketball-Ikone Dirk Nowitzki twitterte vor Begeisterung einfach nur "Kloppo" und auch Prinz William aus dem englischen Königshaus war angetan: "Gut gemacht, Liverpool - ein unglaubliches Ergebnis, was für ein Comeback."

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Vor dem Spiel musste sich Liverpools Teammanager Vorwürfe gefallen lassen, wurde schon als ewiger Zweiter verhöhnt - auch von Mourinho ("Gewinnt absolut nichts"). Doch nun kann er im dritten Champions-League-Endspiel seiner Karriere nach 2013 und 2018 die Königsklasse gewinnen. Für das Finale am 1. Juni in Madrid gelten seine Spieler als Favoriten - spätestens nach der mentalen Meisterleistung von Anfield. (sid)