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Kloster Marienthal verprellt die Händler

Der Kräutermarkt findet zum 15. Mal statt. Doch schon in den Vorjahren blieben Kunden und Händler weg.

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Von Tina Soltysiak

Das Rot der reifen Tomaten springt bereits von Weitem ins Auge. Diana Schwarzbach, die gemeinsam mit ihrem Mann eine Gemüsegärtnerei in Zittau besitzt, erntet die Tomaten. Zum Kräutermarkt im Kloster St. Marienthal hat sie dieses und anderes Gemüse regelmäßig verkauft. Doch seit drei Jahren spart sie sich den Weg. Zu wenig Kundschaft und zu hohe Standmieten – das habe sich nicht mehr gelohnt, sagt sie. So wie den Schwarzbachs erging es vielen Händlern in der Vergangenheit. Einige fühlten sich gar schlecht behandelt. Der Wechsel des zuständigen Marktleiters vor etwa fünf Jahren, ein genaues Jahr können auch die Mitarbeiter des Klosters nicht benennen, sei ein ausschlaggebender Punkt gewesen. Bis dato hatte Torsten Fechner die Märkte koordiniert.

Tischler Eberhard Grützner störte es, dass sich der Charakter zunehmend in den eines Wochenmarktes verwandelt habe.„Als Herr Fechner zuständig war, war die Welt noch in Ordnung“, sagt Grützner. Fechner sei auf die Wünsche der Standhändler eingegangen. So wollte Grützner beispielsweise so weit oben wie möglich stehen, damit der Weg zum Parkplatz für seine Kunden nicht so weit war. „Denn ich habe ja auch Sachen im Angebot, die etwas schwerer sind“, erklärt er. Seit zwölf Jahren betreibt er seine Tischlerei in Kleinsaubernitz. Schon ein oder zwei Jahre später – Grützner erinnert sich nicht mehr ganz genau – war er das erste Mal mit seinem Stand auf dem Kräutermarkt. Die Atmosphäre hatte ihm gefallen: „Es war ein richtig schöner Handwerks- und Naturmarkt.“ Deshalb kam er jedes Jahr wieder, um seine Fußbänke, Nudelhölzer, Frühstücksbrettchen und dergleichen mehr zu verkaufen. Doch als Fechner als Marktleiter aufhörte, änderte sich vieles.

Auch für Grützner. Er kam ebenfalls nicht mehr ins Kloster. „Plötzlich durften wir nicht mehr auf unseren Stammplätzen stehen“, berichtet ein Händler, der nicht genannt werden möchte. Er durfte nicht mehr sein gesamtes Sortiment anbieten. „Dabei kamen die Leute extra wegen unserer Sachen auf den Markt“, ärgert sich der Inhaber des Unternehmens. Er vertreibt unter anderem Lebensmittel aus eigener Herstellung.

Wie der amtierende Markt- und Verkaufsleiter Stefan Vogt sagt, sei es das Ziel der Veranstalter, „eine ausgewogene Händlerschaft zu akquirieren, dabei auf Produktvielfalt zu achten und immer im Sinne eines Natur- und Handwerkermarktes die Standplatzvergabe vorzunehmen“. Vogt dementiert, dass der Kräutermarkt je den Charakter eines Wochenmarktes angenommen habe. Vielmehr seien „ausgewählte Selbsterzeuger, Handwerker, vorführende Gewerke und spezielle Einzelhändler“ Marktteilnehmer. Er verweist auf die Marktordnung. Sie wurde 2011 überarbeitet – nach dem Hochwasser wurden unter anderem die Standgebühren erhört. Handwerker und Händler ohne Essenangebot müssen 55 Euro je Wochenende bezahlen, Imbissanbieter, zu denen auch Frau Schwarzbach zählte, 80 Euro. Das hat zahlreiche Händler verärgert. „Für mich mit meinem kleinen Stand hat sich das dann einfach nicht mehr rentiert“, sagt Frau Schwarzbach.

Schwester Elisabeth, die Priorin des Klosters, reagiert ebenso verärgert, wenn sich die Händler über diese Preiserhöhung aufregen: „Wir können doch nicht alles kostenfrei anbieten, anderswo sind die Preise viel höher.“ Die Anhebung der Standgebühren sei notwendig geworden, weil das Kloster seit dem Hochwasser 2010 keine eigenen Marktbuden mehr besitzt und diese nun selbst anmieten müsse, so die Begründung. „Seitdem wir keinen Eintritt mehr nehmen dürfen, können wir unsere Kosten sowieso nicht mehr refinanzieren“, erklärt Schwester Elisabeth.