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Kloster sagt alle Feste ab

Die jährlichen Handwerker- und Naturmärkte rechnen sich nicht mehr. Doch ein Neuanfang ist geplant.

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Von Thomas Christmann

Viele Besucher bleiben dieses Wochenende aus. Das am Sonnabend und Sonntag geplante Frühlingsfest mit über 40 Händlern und Gewerbetreibenden im Kloster St. Marienthal fällt ersatzlos aus. „Wir können keine Geschenke mehr verteilen, um danach den Ärger zu haben“, sagt Priorin Schwester Elisabeth. So sind die Ausgaben ihrer Aussage nach dieses Jahr derart gestiegen, dass sich die Veranstaltung nicht mehr rechnet. Das Kloster müsste demnach rund 4 000 Euro einnehmen, nur um die Kosten zu decken. In dem Zuge sind auch das Herbst- und Adventsfest gestrichen, also alle Handwerker- und Naturmärkte für dieses und nächstes Jahr.

Begonnen hat das finanzielle Problem schon 2012. Damals sagte das Kloster das Winzerfest ab, weil der Landkreis dieses nicht mehr als Spezialmarkt genehmigte. Dafür muss eine bestimmte Anzahl spezieller Händler vertreten sein. Erst dann darf nach der sächsischen Gewerbeordnung ein Eintritt verlangt werden. Somit fielen diese Einnahmen für die Klostermärkte weg und das Winzer- hieß seither Herbstfest. Ein weiteres Problem stellen die Händler und Gewerbetreibenden dar. Sie seien nicht bereit, sich den Stand etwas kosten zu lassen, sagt die Priorin. So werden aktuell 25 Euro pro Tag fällig, 100 müsste das Kloster verlangen. „Das bezahlt niemand“, sagt sie. Dabei werden die Verkaufsbuden gemietet, seit die eigenen bei der Flut 2010 kaputt gegangen sind. Auch das Programm kostet Geld. Und die Vereine sollen zumindest eine kleine Spende erhalten, wenn sie sich schon kostenlos am Festwochenende beteiligen. Doch nicht einmal die gültigen Standgebühren zahlen alle Händler und Gewerbetreibenden. So soll noch ein Teil vom Adventsfest offen sein.

Die jüngste Veranstaltung hat zudem wieder manchen Anwohner und Autofahrer geärgert. Die einen wegen des Verkehrs und wilden Parkens, die anderen wegen der Strafzettel. Zuvor verständigten sich Vertreter von Kloster, Stadt, Polizei und Kreis darauf, die Schäfereistraße an dem Wochenende zur Einbahnstraße und Parkverbotszone zu machen, nachdem andere Varianten zu vergangenen Festen fehlschlugen. Doch manche Autofahrer fuhren falsch herum oder hielten an der Bundesstraße 99, wohl auch weil sie vorher keine Informationen erhielten. Beschwerden an die Stadt folgten und das Kloster musste ein neues Konzept erarbeiten. Das ist im Wesentlichen so geblieben, nur detaillierter geworden. Beispielsweise sind die Parkplätze in den Plänen eingezeichnet.

Vorigen Freitag kam die Genehmigung von der Stadt, mit Auflagen. So muss das Kloster zum Fest unter anderem drei Ordner zum Regeln des Verkehrs bereitstellen, vorab Handzettel mit den Informationen an die Anwohner verteilen und in den Medien veröffentlichen. Schwester Elisabeth kann das nachvollziehen, aber damit sind Kosten verbunden. Ehrenamtliche Helfer erhält das Kloster laut der Priorin nicht und eigene Mitarbeiter sind teurer, weil sie seit 2015 den gesetzlichen Mindestlohn erhalten. Hinzu kommt das zeitliche Problem, das dafür nur eine Woche blieb. Es sei unmöglich, unter solchen Bedingungen die Feste zu veranstalten, sagt sie. Die Stadt bedauert die Entscheidung, verteidigt aber das Vorgehen. „Wir wollten eine endgültige Lösung für die Verkehrsführung“, sagt Verwaltungsleiterin Manuela Golde aufgrund der Beschwerden. Vom Konzept wusste das Kloster seit Dezember 2014. Anfang März dieses Jahres erinnerte die Stadt daran, die Unterlagen einzureichen. das passierte Ende desselben Monats. Laut Frau Golde eigentlich zu spät, denn die Antragsfrist beträgt einen Monat. Die Zeit braucht die Stadt, um alle Stellungnahmen übergeordneter Behörden einzuholen und den Bescheid zu erstellen. Und ohne Konzept hätte die Verkehrsbehörde vom Kreis ihre Zustimmung nicht gegeben. Diese erteilte auch die Auflagen. „Wir konnten das Fest also nicht eher genehmigen“, sagt die Verwaltungsleiterin. Sie hält den geforderten Aufwand aber für vertretbar.

Das Kloster will nun die Pause nutzen, um ein neues Konzept zu erarbeiten. Dahinter steckt das Ziel, ab 2017 wieder Spezialmärkte anbieten zu können. Es würden alle denken, das Kloster verdiene sich an den Festen eine goldene Nase, aber dem sei nicht so, sagt Schwester Elisabeth. Aber natürlich sollte etwas herausspringen, beispielsweise für die weitere Sanierung der Gebäude. Auf die will sich das Kloster nun konzentrieren: „Das kostet genug Kraft und Geld“, erklärt die Priorin. Besucher können deswegen jederzeit kommen. Obwohl sich nach ihrer Aussage auch ohne Fest manch Anwohner an denen zum Kloster fahrenden oder dort parkenden Autos stört und das am liebsten gänzlich verbieten möchte. „Das tut schon weh“, sagt sie. Ostritz sei eben ein besonderes Fleckchen.