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Schwerer Abschied für den Klosterbergwirt

Gottfried Lange bewirtschaftet seit 40 Jahren die Berggaststätte, die er einst mit seiner Familie errichtet hat. Jetzt hat er eine wichtige Entscheidung getroffen.

Die Bischofswerdaer Immobilienmaklerin Carla Schöne unterstützt Gottfried Lange bei der Suche nach einem Käufer. Für ihn ist es wichtig, dass die Gaststätte in gute Hände kommt.
Die Bischofswerdaer Immobilienmaklerin Carla Schöne unterstützt Gottfried Lange bei der Suche nach einem Käufer. Für ihn ist es wichtig, dass die Gaststätte in gute Hände kommt. © SZ/Uwe Soeder

Demitz-Thumitz. An Donnerstag dieser Woche wird Gottfried Lange seine Klosterbergbaude noch einmal öffnen. Stammgäste werden kommen, um dem kleinen Mann mit dem großen Herzen zu gratulieren und um in Erinnerungen zu schwelgen.  Und vielleicht auch, um ihn nach einer Reihe von Schicksalsschlägen ein wenig aufzubauen.

Am 27. August  werden es 40 Jahre, dass Gottfried Lange und seine Frau Erna die Berggaststätte eröffneten. In den drei Jahren davor, von 1977 bis 1980, haben sie das Haus selbst gebaut - nach Feierabend und an den Wochenenden. Arbeitskollegen halfen. Die vorherige Berggaststätte war da schon wegen Baufälligkeit neun Jahre geschlossen. 

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Seit 17 Jahren Einzelkämpfer auf dem Berg

Der damalige Demitzer Bürgermeister Fritz Pätzold sei zu ihnen nach Naundorf gekommen und habe gefragt, ob sie es sich vorstellen könnten, den Klosterberg wieder zu beleben, erzählt Gottfried Lange. Seine Frau und er konnten es sich vorstellen. Beide kümmerten sich um die Gastronomie im Naundorfer Dorfclub. Hobbymäßig.

Gottfried Lange, der gelernter Bauer ist, war damals schon viele Jahre auf dem Bau beschäftigt. Dort fuhr er einen Autokran. Mit 40 sattelte er noch einmal um und wurde Gastronom. "Ich habe mir alles von Null erarbeitet", sagt er. 

23 Jahre waren Erna und Gottfried Lange gemeinsam auf dem Berg. Dann wurde seine Frau schwer krank. Gottfried Lange stemmte die Arbeit in den vergangenen 17 Jahren allein. Er holte Ware ran, kochte, bediente, machte sauber, kümmerte sich ums Außengelände, hielt die Zufahrtsstraße befahrbar. 

Noch mit 80 Jahren kommt er jetzt jeden Tag auf den Berg, um nach dem Rechten zu sehen. Wenn die Tür offen ist, können Gäste rein kommen. Reguläre Öffnungszeiten gibt es zurzeit nicht. Nach zwei Schlaganfällen muss der Wirt kürzer treten.  

Jubiläumsfeier ohne Ehefrau Erna

Gottfried Lange trauert. Seiner Frau war es nicht mehr vergönnt, das 40. Gaststättenjubiläum zu erleben. Sie starb im Mai dieses Jahres. Der kleine, agile  Mann hat Tränen in den Augen, wenn er von ihr spricht. "Die Klosterbergbaude war unser Leben",  sagt er auf die Frage, woher er die Kraft nimmt, auch jetzt die Baude in Schuss zu halten.

Doch die Kraft lässt nach. Inzwischen plant Gottfried Lange seinen Abschied vom Berg. Ein Abschied, der ihm ungeheuer schwer fällt, der aber unausweichlich ist. Der Wirt will verkaufen. Wichtig ist ihm, dass die Gaststätte in gute Hände kommt. 

Das liegt auch im Interesse der Gemeinde Demitz-Thumitz und ihres Granitdorf-Konzeptes. "Der Klosterberg ist der Hausberg von Demitz-Thumitz und Schmölln. Es wäre schön, wenn die Gaststätte erhalten bliebe", sagt die Demitzer Bürgermeisterin Gisela Pallas (Wählervereinigung DePoRo). 

Blick in den Gastraum. In dessen Mitte steht ein Kachelofen. Gottfried Lange heizt ihn mit Holz.
Blick in den Gastraum. In dessen Mitte steht ein Kachelofen. Gottfried Lange heizt ihn mit Holz. © SZ/Uwe Soeder

Die Bischofswerdaer Immobilienmaklerin Carla Schöne unterstützt Gottfried Lange bei der Suche nach einem Käufer. Dazu gehört auch, Wege zu bahnen, damit der künftige Eigentümer das Areal entwickeln kann. Sie sprach mit der Bürgermeisterin und mit Vertretern der Basalt Actiengesellschaft. Diese betreibt die Steinbrüche am Klosterberg, und ihr gehört die Zufahrtsstraße auf dem Kamm. "Bei der Basalt AG ist man offen für eine Lösung, um dem künftigen Eigentümer das Wegerecht zu ermöglichen", sagt sie. 

Baurechtlich gilt das Bergareal als Mischgebiet von Gastronomie und Wohnen. Das hat Bestandsschutz. Zur Berggaststätte gehört eine Drei-Raum-Wohnung. 

Verkauf in Corona-Zeiten wird nicht leicht

Zurzeit ist man noch dabei, einen Preis für die Immobilie zu finden. Dann wird Carla Schöne in die Vermarktung gehen. Interessierte können sich aber schon jetzt bei ihr melden, sagt sie. Gottfried Lange soll einen fairen Preis für Haus und Grundstück bekommen. Aber auch für den Käufer muss eine wirtschaftliche Basis gefunden werden, da Investitionen notwendig sind, um die Gaststätte unter einem neuen Eigentümer weiter betreiben zu können. 

Mitten in der Corona-Pandemie eine Gaststätte zu verkaufen, wird nicht leicht, weiß Carla Schöne. Sie hat aber auch schon ganz andere Objekte vermittelt. Zum Beispiel die inzwischen zu einem Wohnhaus umgebaute ehemalige katholische Kirche in Demitz-Thumitz

Gottfried Lange hat  eingekauft für den großen Tag. Tische und Stühle stehen bereit für den Biergarten. Und einige Helfer. Damit auch der Wirt mit seinen Gästen auf 40 Jahre Klosterbergbaude anstoßen kann. 

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