merken
PLUS Meißen

Klosterbruder stirbt nach langer Krankheit

Hans-Joachim Kneis spielt 1975 in einem Rockprojekt mit der Stern Combo, das Geschichte schreiben sollte.

2009 trat der jetzt verstorbene Klosterbrüder-Sänger Hans-Joachim Kneis bei einem Konzert der Stern Combo in Meißen auf.
2009 trat der jetzt verstorbene Klosterbrüder-Sänger Hans-Joachim Kneis bei einem Konzert der Stern Combo in Meißen auf. © Screenshot Youtube/Thau-Media

Meißen. Hohe Stirn und immer noch eine Mähne aus grau-weißem Haar. Im langen schwarzen Ledermantel stand Klosterbrüder-Sänger Hans-Joachim Kneis noch im November vergangenen Jahres auf der Bühne des legendären Amorsaals in Mülsen bei Zwickau. In der DDR war der Dorfgasthof bekannt für seine Muggen. Renft spielte hier, ebenso die Modern-Soul-Band und die Klosterbrüder in ihren besten Jahren.

Wie die Band nun mitteilte, ist Hans-Joachim Kneis am Sonntag nach langer schwerer Krankheit eingeschlafen. „Er wird uns mit seiner positiven Art – mit der er die Band immer wieder zusammenhielt – sehr fehlen“, heißt es weiter auf der Facebookseite der Rocker. Er sei der beliebteste Klosterbruder und die Seele der Band gewesen. Mit ihm gehe eine Ikone des Ostrocks.

Familie und Kinder
Familienzeit auf sächsische.de
Familienzeit auf sächsische.de

Sie suchen eine Freizeitplanung oder Erziehungsrat? Wir unterstützen Sie mit Neuigkeiten sowie Tipps und Tricks Ihren Familienalltag zu versüßen.

Mit Meißen verbindet die Klosterbrüder ein einmaliges Projekt in der Geschichte der DDR-Rockgeschichte. 1975 brachen die beiden Bands unter dem Namen „Fusion“ zu einer gemeinsamen Tour durch die Republik auf. Eigens für dieses Vorhaben entstanden verschiedene Titel, die zwischen neuer Musik, Jazz und Funk chargierten. 

Gitarre, Keyboard, Drums und Percussion sowie Gesang waren doppelt besetzt. Die Einzigartigkeit der Konzerte sprach sich schnell herum. Fans aus allen Ecken der Republik reisten an. Stern-Combo-Sänger Reinhard Fißler sagte später über die Auftritte: „Die Leute waren verrückt darauf, etwas Besonderes, Abartiges, Avantgardistisches, Außergewöhnliches zu erleben. Warum sollte das nicht von uns selbst kommen?“

Nach der Tour allerdings krachte es bei den Klosterbrüdern. Der Druck von außen auf die oft an den Vorgaben der DDR-Kulturbonzen munter und hart vorbeimusizierende Band führte zu Zerwürfnissen zwischen den Musikern. Hans-Joachim Kneis blieb mit dem ihm zeitlebens eng verbundenen Dietrich Kessler zusammen.

Gemeinsam mit weiteren Kollegen gründeten sie die Band Magdeburg. 1981 stellte die Formation geschlossenen einen Ausreiseantrag. Das provozierte die Behörden der DDR, welche mit Repressalien reagierten. Kneis und Kessler mussten schließlich für 18 Monate ins Gefängnis, bevor sie gegen Lösegeld in die Bundesrepublik ausreisen durften.

Hans-Joachim Kneis, der zumeist nur Achim oder Hajo gerufen wurde, fand seine zweite Heimat in Köln. Dort ist er im Alter von 75 Jahren verstorben.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen