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Klotsche-Filialen werden bis zum letzten Tag beliefert

In Moritzburg, Radeburg, Weinböhla und Meißen wird weiter verkauft. Es gibt Absprachen mit Lieferanten.

Moritzburg, Schlossallee 14 - eine der vier noch bis zum 31. Juli geöffneten und voll belieferten Filialen der Fleischerei Klotsche.
Moritzburg, Schlossallee 14 - eine der vier noch bis zum 31. Juli geöffneten und voll belieferten Filialen der Fleischerei Klotsche. © Foto: Arvid Mueller

Radeburg/Dresden. Seit am Mittwoch die Mitarbeiter der Radeburger Fleischerei Klotsche endgültig von der Schließung erfuhren, machte die traurige Neuigkeiten vor allem in den noch verbliebenen Filialen die Runde. Geöffnet ist noch in Radeburg auf der Großenhainer Straße, in Moritzburg in der Schlossallee, im Diska-Markt auf der Zaschendorfer Straße in Meißen und auf der Moritzburger Straße in Weinböhla.

Und das bleibt auch so bis zum 31. Juli, sagt Richard Klotsche, der Geschäftsführer des Fleischereibetriebes. Richard Klotsche, der die Geschäfte seit Anfang 2019 führt: „Wir werden das normale Angebot sichern. Wir haben die Zusage der Frischfleischlieferanten, dass wir die Ware noch weiter bekommen. Es gibt dazu eine Absprache mit dem Insolvenzverwalter.“

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Das ist auch wichtig, schließlich wollen die Fleischlieferanten wissen, ob sie für das Gelieferte auch bezahlt werden. Das ist offenbar möglich - vor allem aus den jetzt noch gemachten Umsätzen. Wer allerdings mit irgendwelchen Ausverkaufsschnäppchen rechnet, der kann nicht befriedigt werden. Die Klotsches brauchen jeden Euro, um die ausstehenden Rechnungen bezahlen zu können.

Zwei Jahre Existenzkampf

Nach zwei Jahren Kampf um die Existenz und dem Neustart des Betriebes nach dem ersten Insolvenzverfahren im Januar 2019 mit der Übernahme durch Klotsche-Junior Richard musste das 150-jährige Radeburger Unternehmen am 9. Juni dieses Jahres nun erneut Insolvenz anmelden. Vom Gericht wurde als Insolvenzverwalter für das vorläufige Verfahren die Dresdner Niederlassung der Kanzlei White & Case mit deren Leiterin Bettina Schmudde bestellt. Deren Mitarbeiter, Anwalt Nicolas Rebel, hatte auf SZ-Nachfrage als Gründe für den harten Schnitt angeführt: die zu hohen Fixkosten in der Produktionsstätte Riesstraße in Radeburg und zuletzt die Einbußen durch Corona.

Neben dem Verkauf in den Läden seien auch Hotels und Gaststätten Kunden gewesen, die jedoch durch die Schließzeit im Frühjahr nichts abnehmen konnten. Das Unternehmen hat noch Verbindlichkeiten bei Lieferanten, heißt es vom Insolvenzverwalter. Es sei zwar versucht worden, die Fleischerei Klotsche zu sanieren. Es habe auch kurzzeitig einen möglichen Käufer und Übernahmekandidaten gegeben, aber schließlich sei das nicht gelungen. Die Zeit war zu kurz, so Anwalt Rebel.

Für die verbliebenen 27 Mitarbeiter zahlt die Arbeitsagentur noch bis Ende Juli das sogenannte Insolvenzgeld. Danach müssen sie sich arbeitslos melden.Ab Mitte Juli 2018 gab es für die bekannte Radeburger Fleischerei bereits das erste Insolvenzverfahren. Die Zahlungsfähigkeit für Verbindlichkeiten aus der Betriebsübernahme von Vater und Bruder sowie durch Modernisierungsstau war damals gefährdet, so Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß von der Kanzlei Wallner, Weiß vor zwei Jahren. Hauptgläubiger war damals die Sparkasse Meißen.

Weiß hatte 2018 einen Unternehmensberater beauftragt, Ausgaben und Einnahmen, also die Wirtschaftlichkeit der Filialen der Fleischerei zu prüfen. Bis dahin waren es zehn Geschäfte, die die Klotsches betrieben hatten. Sie reichten von Radeburg am Markt bis nach Schwepnitz bei Königsbrück. Damals wurden zwei davon aus Unwirtschaftlichkeit geschlossen - die Geschäfte in Schwepnitz und an der Pfotenhauer Straße in Dresden-Johannstadt.

Schließungen allein halfen nicht

Jetzt gab es weitere Schließungen, etwa in Großenhain, Schönfeld und Radebeul-Ost. Doch auch das korrigierte nicht die Schieflage, weshalb jetzt die Reißleine gezogen werden musste.

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Richard Klotsche, der ebenfalls wie sein Vater Heiko Klotsche Fleischermeister ist, sagt auf die Frage, wie es denn jetzt weitergehen könnte: „Ich möchte schon gerne wieder eine Selbstständigkeit aufbauen. Allerdings ist es schwer, hier in der Gegend einen geeigneten Standort zu finden.“ Zudem müsse ja auch noch das Gericht entscheiden, wieweit die Haftung des Geschäftsführers in der Insolvenz reicht und ob möglicherweise auch eine Privatinsolvenz droht.

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