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Klotzscher wollen weiter demonstrieren

Anwohner kritisieren die Asylpolitik. Jetzt spricht einer der Organisatoren über die Beweggründe.

© Hans Meier

Von Kathrin Kupka-Hahn

Ab auf den Grill

Warme Sommernächte, schönes Wetter. Zeit zum Grillen! Doch worauf muss man achten und was schmeckt am besten auf dem Grill?

Zum 13. Mal hatten sich am Donnerstagabend Anwohner an der Kreuzung Karl-Marx-Straße/Königsbrücker Landstraße versammelt, um zu demonstrieren. „Wir sind nicht gegen Ausländer, sondern kritisieren die Asylpolitik“, sagt Manfred Retat. Der 74-Jährige gehört zum Kopf der Bürgerinitiative, die sich „Dresden-Klotzsche sagt Nein zum Heim“ nennt, und die Demonstrationen im Dresdner Norden organisiert. Bisher fanden diese immer montags statt. Doch seit diesem Jahr treffen sich die Demonstrierenden donnerstags.

In der vergangenen Woche unterstrichen die Klotzscher ihren Protest noch mit einem Fackelzug. Diesmal trugen einige der rund 150 Anwohner Kerzen und Grablichter. Sie gedachten damit einer vor zwei Wochen in Berlin ermordeten Schwangeren. Auch eine Schweigeminute legten die Demonstrierenden ein. Dann trat Gastredner Jürgen Schulze von der Dresdner AfD ans Megafon. Er bekam für seine Kritik an der aktuellen Asylpolitik kräftigen Applaus von den Klotzschern. Mitorganisator Sören Oltersdorf, ebenfalls von der AfD, sagte: „Wir wollen die Regierung dazu bringen, Hilfe direkt vor Ort in den Krisengebieten zu leisten. Denn was nützt es den Menschen, wenn sie nach dem Ende der Kämpfe mehrere Tausend Kilometer entfernt in einem Wohnheim sitzen“, sagte er. Als Beispiel, wie solche Hilfseinsätze funktionieren könnten, nannte er die Initiative „Thüringen in Aktion“, die mit der Diakonie an der Grenze zu Syrien tätig ist. Bei den Klotzschern kam seine Rede gut an.

Auch Manfred Retat war davon begeistert. Bisher hatte es der Rentner abgelehnt, mit der Sächsischen Zeitung zu reden. „Wir wurden immer als Rechte dargestellt“, sagt er. Doch das seien sie nicht. „Wir haben nichts dagegen, dass an der Karl-Marx-Straße ein Wohnheim für Asylanten gebaut wird“, so Retat. Er und viele andere Anwohner hätten lediglich etwas dagegen, dass darin statt Familien 60 alleinstehende Tunesier unterkommen. „Das wurde so in der Ortsbeiratssitzung Anfang November gesagt.“

Überhaupt habe ihm diese Sitzung nicht gefallen. „Wir Bürger durften nicht reden, obwohl es eine öffentliche Sitzung war“, sagt er. Dass zuvor Rederecht beantragt werden muss, war dem Rentner nicht bekannt. Auch dass Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos) die zahlreichen Protestunterschriften, die die Klotzscher Anfang Dezember übergaben, nicht persönlich entgegengenommen hatte, stößt dem Rentner sauer auf. „Wir sind friedliche Bürger und haben einfach Angst“. Deshalb würden die Klotzscher jetzt weiterdemonstrieren – solange bis sie gehört würden und sich in ihrem Sinne etwas ändere.

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