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Knatsch um den Rölligteich

Trotz des Verkaufs sollte der Teich zugänglich bleiben. Das ist er, sagt die Eigentümerin. Die Stadt sieht das anders.

Von Regine Schlesinger

Ein hübsches Café lädt seit einiger Zeit am Dippser Rölligteich zur Einkehr ein. Bauherrin und Bewirtschafterin ist Sophie Schwarz. Sie erwarb 2008 den Rölligteich von der Stadt, wenig später auch noch das angrenzende Gelände, auf dem der städtische Bauhof früher seinen Sitz hatte und heute das Café steht. Der Stadtrat hatte zugestimmt, weil es die Zusage der Interessentin gab, dass der Teich öffentlich bleibt. Sogar Spaziergänge rund um den Teich sollten möglich werden.

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Inzwischen läuft der Cafébetrieb. Und Sophie Schwarz hat um ihr Eigentum einen Zaun gezogen. Deshalb gibt es jetzt Knatsch. Denn laut Kaufvertrag soll der Rölligteich weiter öffentlich zugänglich bleiben, speziell der Uferstreifen, der ans Grundstück, auf dem das Café steht, angrenzt. Das sei vor allem im Interesse der Schiffsmodellbauer so geregelt worden, die auf dem Teich ihre Boote fahren ließen, sagt Oberbürgermeister Ralf Kerndt (Freie Wähler). Die Regelung im Kaufvertrag sei eindeutig. „Doch sie wird von der Eigentümerin nicht eingehalten.“ Denn mit dem Zaunbau sei die öffentliche Zugänglichkeit des Teiches nicht mehr gegeben.

Zugang von 6 bis 18 Uhr

Dem widerspricht Sophie Schwarz energisch. Sie verweist darauf, dass das große Tor – der Zugang zum Café – täglich von 6 Uhr bis 18 Uhr geöffnet ist. Da könne jeder herein. „Aber es will ja gar keiner auf dem Uferstreifen entlanglaufen, und nachts sowieso nicht“, versichert sie.

Zwar zieht es jetzt keinen mehr unbedingt ins Grüne, doch den Sommer über hätten die Cafébesucher über die große Wiese zwischen Teich und Gebäude zum Wasser hinlaufen können. Trotzdem hat die Stadt aber laut Kerndt inzwischen eine Rechtsanwaltkanzlei eingeschaltet. Sie soll die vertraglich vereinbarte Forderung durchsetzen. Denn derzeit bestünde die öffentliche Zugänglichkeit zum Teich nur, wenn das Café geöffnet hat bzw. jemand vor Ort ist und das Tor aufgeschlossen. Sophie Schwarz sagt, sie sehe diesem Verfahren sehr gelassen entgegen. Doch selbst wenn die Stadt recht bekommt, wird das den Schiffsmodellbauern nicht mehr viel nützen. Der Verein hatte 2003 von der Stadt den Zuschlag für die Pacht bekommen, nachdem der alte Pachtvertrag mit dem Anglerverband Elbflorenz ausgelaufen war.

Um nicht zu riskieren, mit einem anderen Pächter Schwierigkeiten bei der Nutzung des Teiches zu bekommen, hatten sich die Schiffsmodellbauer selber um die Pacht beworben. Da damals zwei Clubmitglieder Inhaber von Fischereischeinen waren, entschieden sich die Stadträte für den Verein, denn mit diesem Pächter sahen sie die weitere Bewirtschaftung des Teiches mit einem Fischbesatz gewährleistet. Doch mit dem Verkauf des Rölligteichs und des Bauhofgeländes änderten sich die Dinge. Die Schiffsmodellbauer mussten wie die Dippoldiswalder Modelleisenbahner aus der ehemaligen Kindergartenbaracke ausziehen, die mit verkauft wurde und inzwischen dem Café Platz gemacht hat.

Pachtvertrag gekündigt

In den Pachtvertrag mit den Schiffsmodellbauern stieg die neue Eigentümerin zunächst ein. Doch inzwischen hat sie ihn gekündigt, als sich die Möglichkeit dafür bot. Es gab offenbar einige Querelen. Versuche, beide Parteien an einen Tisch zu bringen, sind gescheitert, sagt OB Kerndt.

Die Modelleisenbahner fanden ein neues Domizil im ehemaligen Feuerwehrdepot an der Niedertorstraße, die Schiffsbauer sind mit ihren Modellen nach Reinholdshain an einen Teich gezogen. Ein Zurück an den Rölligteich wird es für sie nicht geben, betont Frau Schwarz. Offen ist, wie es mit dem öffentlichen Zugang zum Teich weiter geht. Das wird am Ende wohl ein Richter entscheiden müssen.