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Knöllchen-Frust in Corona-Zeiten

Wegen der Krise sind viele Menschen in Kurzarbeit oder im Home Office. So bleibt auch ihr Auto zu Hause stehen. In Kamenz gab's deswegen Ärger.

Ramona Prasse ist in der Corona-Krise von ihrem Arbeitgeber freigestellt Die Kamenzerin ist tagsüber also nun zu Hause - und auch ihr Auto. Das brachte ihr gleich zwei Mal ein Knöllchen ein.
Ramona Prasse ist in der Corona-Krise von ihrem Arbeitgeber freigestellt Die Kamenzerin ist tagsüber also nun zu Hause - und auch ihr Auto. Das brachte ihr gleich zwei Mal ein Knöllchen ein. © 2017 [email protected]

Kamenz. Zack - die zweite Verwarnung innerhalb von wenigen Tagen. Zweimal 20 Euro wegen unerlaubten Parkens in der Kamenzer Altstadt. Macht zusammen 40. Und es wird vielleicht nicht das letzte Knöllchen sein, das Ramona Prasse dieser Tage kassiert. Richtig ärgerlich!

Die Kamenzerin wohnt direkt am Marktplatz. Im Normalfall kommt sie erst zum späteren Nachmittag von der Arbeit nach Hause. Entweder erhascht sie dann einen der raren Anwohner-Parkplätze, für den sie eine grüne Karte bezahlt. Oder sie wird direkt in Marktnähe fündig. Dort wird nach 18 Uhr das Kurzzeitparken außer Kraft gesetzt, was den Anwohnern entgegen kommt. Alles gut also.

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"Parkplätze sind ja generell Mangelware in der Altstadt. Aber das weiß man, wenn man hierher zieht. Meistens hat man trotzdem Glück, etwas in Wohnungsnähe zu finden", sagt die Anwohnerin.

Läden zu - viel weniger Kurzparker

Doch nun ist durch Corona alles anders. Ramona Prasse sie ist von ihrem Arbeitgeber freigestellt, sie muss sich auf Abruf bereithalten. Die Kamenzerin muss also zu Hause bleiben. Das bedeutet: Auch ihr Auto muss das. Doch wohin damit? 

"Gerade aktuell in der Krise sind noch viele andere Arbeitnehmer daheim und teilen das gleiche Schicksal wie ich", sagt sie. "Man findet also tagsüber kaum einen freien Platz, der für Anwohner ausgewiesen ist. Und wo soll ich sonst bis 18 Uhr hin?", fragt sie. Die Parkscheibe aller zwei Stunden umzustellen, ist auch keine Option. Das wird von manchem Mitbürger außerdem argwöhnisch beäugt.  "Also kassiert man halt Knöllchen", sagt Ramona Prasse verärgert.

Einigen Bekannten und Nachbarn ging es in den letzten Wochen ebenso. Zusätzlich würden die zahlreichen Hotelgäste vom "Goldnen Hirsch" nebenan die wenigen Parkplätze belegen. Ein Problem, das bereits länger ins Auge sticht. Einerseits freue man sich für den Hotelier, dass das Haus auch in schwierigen Zeiten gut belegt ist - vor allem mit Arbeitskräften, die in umliegenden großen Unternehmen ihren Dienst tun.

Doch die Parksituation gibt manchmal keinen Spielraum mehr her. "Könnte die Stadtverwaltung nicht wenigstens in solchen Krisenzeiten ein Auge zudrücken und uns Anwohnern entgegenkommen? Es wirkt ein bisschen wie Schikane, wenn man ständig ein Knöllchen im Briefkasten hat", sagt Ramona Prasse. Außerdem haben aktuell sowieso nur wenige Geschäfte im Stadtzentrum geöffnet. Es gibt also viel weniger Kurzzeitparker. Müsste die Parkverordnung daher nicht dringend auf den Prüfstand?

Zeitliche Begrenzung entfällt vorübergehend

Offensichtlich auch auf Nachfrage von Sächsische.de war sie das nun. Herausgekommen ist eine erfreuliche Lösung: "Wir haben versucht, einen Mittelweg zu finden, um den Überlegungen zu Parkerleichterungen entgegenzukommen", so Stadtsprecher Thomas Käppler.  Man sähe auch, dass es momentan keinen extremen  „Parkdruck“ durch Kunden gibt, da die meisten Läden zu sind. 

"Aus diesem Grund wird ab Mittwoch, dem 8. April,  bis zum Auslaufen der Allgemeinverfügung die zeitliche Begrenzung mit Parkuhr auf einigen Straßen aufgehoben", heißt es. Das betrifft die Bautzner Straße zwischen Pforten- und Querstraße, die Zwingerstraße zwischen Kloster- und Pulsnitzer Straße, die Kirchstraße zwischen Rosa-Luxemburg- und Zwingerstraße sowie die Klosterstraße. Dort dürfen Anwohner nun also auch länger stehen.

"Direkt auf dem Markt war dies nicht möglich, da hier noch eine Vielzahl von Geschäften - wie Rossmann, Hörgerätedienste, Optiker, Bäcker, Fuß & Schuh oder die Sparkasse -  geöffnet haben und somit Kundenparkplätze benötigt werden", erklärt der Stadtsprecher. 

Sinn der Parkplatzbewirtschaftung in der Innenstadt sei es, auch zu normalen Zeiten sicherzustellen, dass genügend Kundenparkplätze zur Verfügung stehen, damit die Gewerbetreibenden, Einzelhändler und Geschäfte, die es ohnehin schwer haben,  unterstützt werden. In diesem Sinne praktiziere man weiter Wirtschaftsförderung und bitte um Verständnis, wenn nicht alle Wünsche erfüllbar sind. Mit der Wiedereröffnung der Geschäfte in der Innenstadt treten dann wieder die ursprünglichen Regelungen in Kraft.

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