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Knöllchenärger und Katzenjammer

Gestern für Sie am Hörer

SZ-Leser Erich Schön aus Dippoldiswalde ist 94 Jahre alt und wird vom Pflegedienst Mitschke betreut. Der Dippser wohnt am Markt, wo die Schwestern auch parken, wenn sie zu ihm kommen. Allerdings reicht die auf eine Stunde begrenzte Parkzeit nicht immer aus. Dann droht ein Knöllchen.

„Ich plädiere dafür, dass die Schwestern knöllchenfrei parken können“, erklärte Erich Schön gestern am SZ-Lesertelefon. Schließlich wären sie für alte und kranke Menschen unterwegs, da müsste es doch zu machen sein, dass man ihnen entgegenkommt. Das ist schon geklärt, sagt Irena Hoffmann, Hauptamtsleiterin in Dipps. Nachdem sich die Strafzettel häuften, habe es im Vorjahr ein Gespräch mit Frau Mitschke gegeben. „Dabei haben wir uns dahingehend verständigt, dass der Vollzugsdienst nicht tätig wird, wenn es mal etwas länger dauert und die Parkzeit überschritten ist.“ Das funktioniert, glaubt Frau Hoffmann. Ihr sei jedenfalls bis jetzt nichts Gegenteiliges zu Ohren gekommen.

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Das Gespräch gab es, bestätigt Gisela Mitschke. Das ist aber auch der einzige Punkt, bei dem sie mit der Hauptamtsleiterin übereinstimmt. „Gebracht hat es leider gar nichts, eher im Gegenteil“, ärgert sich Frau Mitschke. Wenn eine Schwester zwei Patienten, die am Markt wohnen, betreut, müsste sie theoretisch zwischendurch zum Auto laufen und umparken. „Die Zeit hat sie gar nicht. Wir betreuen alte Menschen und parken nicht, weil wir einkaufen gehen wollen“, betont die Pflegedienstchefin. Sie habe es jetzt aufgegeben, auf Verständnis zu setzen und würde die Strafzettel eben bezahlen.

Während es in dieser Angelegenheit noch kein Happyend gibt, kann Sonja Geißler aus Dittersdorf von einem berichten. „Bei uns ist eine Geschichte passiert, wie sie sicher nicht alle Tage vorkommt“, sagte sie. Hauptakteur ist Nachbars Kater Franz. Der bekommt zwar daheim reichlich Kost, verschmäht aber auch nicht, was Geißlers ihrer Katze Minki vorsetzen.

Anfang vergangener Woche kam Sonja Geißler gegen 10 Uhr vom Einkaufen zurück und entdeckte, dass Franz wieder mal durch die Katzenklappe ins Haus spaziert war und Minkis Futternapf leergeputzt hat. Diesmal sollte er für seine Untat büßen. „Ich wollte ihm ja nicht weh tun, er sollte nur einen Klaps mit dem Reisigbesen bekommen.“

Doch der Kater ahnte das Unheil und flüchtete in den Ölkeller. Irgendwie schaffte er es, sich in einem winzigen Spalt hinter einem der Tanks zu verstecken. Drin war er, aber raus kam der rundliche Bursche nicht wieder. „Er hat jämmerlich gemauzt. Das tat mir richtig weg“, erzählt die Dittersdorferin. Ihr seien die Tränen gekommen. Als das Mauzen dann aufhörte, war sie überzeugt, den Kater auf dem Gewissen zu haben.

In ihrer Not wählte sie die Nummer der Feuerwehr. Die kam auch und ebenso weitere Helfer. Da die Mieze partout nicht mehr vor und zurück konnte, blieb nur eins: Der Öltank musste weichen. Zum Glück sei in den beiden anderen Ölbehältern genug Platz gewesen, um ihn leeren zu können. Ein Spezialfahrzeug musste zwar vor der schmalen Zufahrt zum Grundstück passen. Aber Frau Geißlers Mann schaffte eine Pumpe herbei. Gegen 21 Uhr konnte der leere Tank endlich ein Stück beiseite bugsiert werden. Kaum schnupperte Kater Franz den Duft der Freiheit, da war er auch bereits durchs geöffnete Kellerfenster auf und davon. „Es geht ihm wieder gut“, berichtet Sonja Geißler erleichtert. Ihr allerdings steht noch eine schwere Stunde bevor, ahnt sie. Denn irgendwann flattert für die Katerbefreiungsaktion sicher eine Rechnung ins Haus.