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Koch gesucht

Gastronomen suchen neuen Küchenchefs. Doch den Unternehmern fehlt es oft an Bewerbern.

Von Maria Lotze

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Eine halbe Stunden am Telefon, und schon hatte Markus Weinert seinen neuen Koch. Seit gut zwei Wochen arbeitet Tim Nickel im Old Town Pub in Döbeln. Dafür hinter sich gelassen hat er gut bezahlte Jobs in Österreich. „Geld ist nicht alles“, meint der 23-Jährige, der wegen den Freunden und der Familie in seine Heimat zurückgekehrt ist. Ein Glücksgriff für Markus Weinert, der seit gut 13 Jahren einer der beiden Chefs im Old Town Pub ist. Gesucht hat er nach seinem neuen Mitarbeiter auf modernem Weg, über das soziale Netzwerk Facebook. Nicht einmal zwei Wochen hat es gedauert, bis die Stelle neu besetzt werden konnte. Damit scheint Weinert jedoch ein Einzelfall in der Region zu sein.

Unter 100 gastgewerblichen Unternehmen, die sich an einer Umfrage der IHK Chemnitz beteiligt haben, beklagten 40 dass sie offene Stellen nicht besetzen können. „Gutes Personal ist für das Gastgewerbe enorm wichtig. Das Thema Fachkräftemangel ist und bleibt ein Dauerbrenner“, sagt Thomas Jahn, der Vorsitzende des Tourismusausschusses der IHK Chemnitz.

„Es ist schon schwer, in der Region jemand Passendes zu finden“, meint Torsten Koschinsky vom Hotel Weiße Taube in Döbeln, der einen Koch sucht. Die Nachfrage nach dem Beruf sei in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken. „Die jungen Leute wollen ihn nicht mehr ausüben, weil sie an den Wochenenden und feiertags auch arbeiten müssen“, erklärt der Küchenchef. Tim Nickel vom Old Town Pub scheint da fast eine Ausnahme zu sein. „Ich habe gewusst, was auf mich zukommt“, sagt der Döbelner. Er sieht die Sache positiv: Für wichtige Termine nutze er die freien Tage in der Woche, die Angestellte anderer Branchen nicht haben.

Koschinsky befürchtet, dass sich aufgrund der derzeitigen Personalsituation auf dem Markt die Zahl der Restaurants in Zukunft reduzieren wird. Von den wenigen Auszubildenden, die es derzeit gibt, entscheiden sich auch immer weniger für Berufe im Hotel- und Gaststättengewerbe, wie die Nachfrage nach den Ausbildungsplätzen zeigt. Auch weil diese so gering ist, will Koschinsky die Lehrausbildung aufgeben, nach gut 20 Jahren. „Fast 80 Prozent der Ausgebildeten arbeiten nicht mehr in dem Beruf“, bedauert der Küchenchef. Die gleiche Erfahrung hat auch Frank Ehrt, der Geschäftsführer des Landhotels „Zum Nicolaner“ in Großweitzschen, gemacht.

Er ist seit Herbst ebenfalls auf der Suche nach einem neuen Koch. Zwar gebe es einzelne Bewerber, aber der Richtige sei noch nicht dabei gewesen. „Vor der Bewerbung sollten sich die Leute unbedingt mit den Arbeitszeiten auseinandersetzen“, betont er. Und noch ein anderer Aspekt sollte den zukünftigen Köchen klar sein. Im Dienstleistungsbereich werde man, selbst bei 8,50 Euro Mindestlohn, nicht reich, so Ehrt. Die Ausbildung von jungen Leuten hat er vor knapp drei Jahren aufgegeben. „Es gibt fast keine Chance, junge Leute zu bekommen“, meint der Geschäftsführer.

Noch schwerer ist es für Frank Andrä vom Waldgasthof Kalkbrüche in Kaltofen im Striegistal. Er sucht seit Herbst einen Koch, der in der Saison von Frühling bis Herbst aushilft. „Es wird nicht einfach, da jemanden zu finden“, meint Andrä. Auch er hatte schon erste Bewerbungsgespräche, aber bisher ohne Erfolg. Noch am Anfang steht der Gasthof mit der Ausbildung einer Fachkraft für das Gaststättengewerbe. Andräs Tochter hat erst ihre Befähigung zur Ausbildung absolviert.

Fast alle Wege auf der Suche nach einem neuen Koch hat Angelika Ziechner vom Gut Haferkorn in Dobernitz beschritten. Sowohl auf klassischem Weg über Zeitungsanzeigen und die Arbeitsagentur als auch über das Internet bei Facebook oder bei eBay hat die für das Personal zuständige Mitarbeiterin die Stelle ausgeschrieben. Mit mehr oder weniger großem Erfolg. „Von 15 Bewerbern habe ich fünf zum Gespräch eingeladen“, so Ziechner.

Doch nicht nur gute Köche sind rar. Seit einem Jahr ist Ralf Fischer vom Flemmingener Hof in Hartha auf der Suche nach einer Hotel- und Restaurantfachfrau aus der Nähe. Woran es liegt, dass bisher niemand gefunden wurde, kann er nicht sagen. „Laut IHK ist der Beruf nicht mehr so attraktiv“, sagt Fischer. Auch auf die Ausbildungsstelle im Flemmingener Hof gab es im vergangenen Jahr erstmals gar keine Bewerbungen.

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