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Sehnsucht nach Schnitzel

Anne Pätzold ging mit der Drogenmühle zweimal im Hochwasser unter. Damals konnte sie helfen und schnell wieder kochen. Jetzt muss sie sich trösten.

Gemüsekorb statt Kochtopf: Gern würde Anne Pätzold aus dem Gemüse wieder was für die Gäste kochen.
Gemüsekorb statt Kochtopf: Gern würde Anne Pätzold aus dem Gemüse wieder was für die Gäste kochen. © Daniel Schäfer

Der vorerst letzte Arbeitstag war ein Dienstag und ein besonderer. So voll war es an einem normalen Dienstag nämlich noch nie in der Heidenauer Drogenmühle. Anne Pätzold briet Schnitzel im Akkord. Auch Putenleber ging an diesem Tag noch einmal gut. Alle wollten nochmal essen kommen, weil sie nicht wussten, wann sie es wieder dürfen.  Und Anne Pätzold weiß nicht, wann sie wieder in der Küche der Gaststätte kochen darf. So wie viele Köche derzeit. Ihre Chefs, die Hammermanns, haben sich gegen eine Außer-Haus-Belieferung bzw. einen Abholdienst entschieden.  

Anne Pätzold ist seit 19 Jahren fest bei Hammermanns angestellt, hat auch vorher bereits aushilfsweise bei ihnen gearbeitet. Sie hat also auch schon die Hochwasser mitgemacht. "Das war auch schlimm, aber man konnte helfen, gemeinsam mit den Kollegen anpacken." Jetzt zum Nichtstun verurteilt zu sein, zehrt an den Nerven. Anne Pätzold kocht nicht nur, sie macht die Einkaufslisten, stellt Büfetts zusammen. "Da ist viel Kopfarbeit."

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Der lange Weg zurück auf hundert

Zu Hause kocht Anne Pätzold auch, nicht nur derzeit im Zwangsfrei. Ihre Kinder bevorzugen Nudeln und Eierkuchen. Die Tochter hatte jetzt auch mal Schnitzel  bestellt. Das erinnert Anne Pätzold an den letzten Tag auf Arbeit. Für große Küchen-Experimente hat die 37-Jährige aktuell keine Muse. Ihre beiden Kinder, Zweitklässlerin und Kindergartenkind, fordern die Mutter. Der Vater geht arbeiten. In der Zeit, die bleibt, frönt Anne Pätzold ihrem Hobby, das gar nicht so weit vom Kochen entfernt ist: dem Backen. Derzeit plant sie eine Hochzeitstorte. Da tüftelt und überlegt sie. Wann sie sie wirklich backen kann, auch das steht auf einem anderen Blatt. 

Wann der erste Tag wieder sein wird, dass Anne Pätzold für die Gäste der Drogenmühle kochen kann? Schnitzel und Spargelgerichte zum Beispiel. Sie glaubt, es wird noch etwas dauern. Und auch dann, wenn es wieder möglich ist, wird wohl noch eine Weile Kurzarbeit bleiben. Alle in Vollzeit ohne die vielen  Feiern, das sei nicht zu schaffen. So schwer es von hundert auf null war, so schwer wird es von null auf wieder hundert. Auf jeden Fall wird Anne Pätzold da sein, wenn es wieder losgeht, egal zu welcher Zeit. Sie wohnt gleich um die Ecke und kommt auch zum Spätdienst. Sie würde ihren Chefs, ihrer Gaststätte gern aktuell helfen. Aber wie? Was bleibt, ist die Sehnsucht nach der Drogenmühle, den Chefs, Kollegen und dem Schnitzelbraten. 

Der Rouladen-Trick

Der klassische Sonntagsbraten kann jetzt auch mal in der Woche gekocht werden, sagt  Anne Pätzold. Sie bereitet die Rouladen auch richtig klassisch zu. Also mit Senf einpinseln und Speck, Zwiebel und saurer Gurke füllen. Kein Schinken oder andere Variationen. Für das richtige Wickeln hat Anne Pätzold einen Trick, der freilich nur funktioniert, wenn man mehrere Rouladen macht. Sie legt sie nämlich eng aneinander, ganz ohne Strick oder Klemmen. Zuerst werden sie kurz angebraten und dann am besten im Ofen bei 170 bis 180 Grad gegart. Mindestens zwei Stunden. Zu lange gibt es nicht, höchstens zu kurz, sagt Anne Pätzold. Dazu kocht sie am liebsten Klöße und Rotkraut. 

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