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Diese Sternstunden trotzen Corona

Der Menü-Wettbewerb Kochsternstunden soll eigentlich den Umsatz der Gastronomen zu Jahresbeginn erhöhen. Jetzt soll er Schaden begrenzen helfen.

Clemens Lutz (r.) ruft die Dresdner zum Kochsternstunden-Spezial. Auch der Sieger der 12. Ausgabe, Elvis Herbek vom Restaurant finesse ist dabei.
Clemens Lutz (r.) ruft die Dresdner zum Kochsternstunden-Spezial. Auch der Sieger der 12. Ausgabe, Elvis Herbek vom Restaurant finesse ist dabei. © Sven Ellger

Dresden. Als Mitte März die letzten Gäste der Kochsternstunden ihre leeren Teller abtragen ließen, ahnten die meisten nicht, dass es auf lange Zeit ihr letzter Restaurantbesuch sein würde. Einen Tag später blieben die Schulen geschlossen, Tausende Dresdner zogen ins Homeoffice. "Bleibt zu Hause!", so die Order. Genussvolle Stunden im Lieblingslokal - vorbei. Ein paar Tage später kürte Clemens Lutz immerhin noch die Sieger der 12. Kochsternstunden und damit auch das Dresdner Restaurant finesse mit Elvis Herbek in der Küche. Dann begann die wohl finsterste Zeit für Gastronomen im ganzen Land.

Mehr als zwei Monate und zahllose leere Stühle auf öffentlichen Plätzen später ruft der Initiator der Kochsternstunden zu einer Sonderausgabe seines Menüwettbewerbes auf. "Es ist ein Spezial und soll den Dresdnern Anreiz bieten, in die Restaurants zurückzukehren." Zwar dürfen die Lokale seit dem 7. Mai wieder Gäste empfangen. Doch die Wirte warten vergebens auf den Ansturm, den sie nach Wochen ohne Umsatz so dringend bräuchten.

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"Es geht immer irgendwie weiter"

"Die Angst vor Corona und die Verunsicherung der Menschen ist noch so groß, dass es die Gastronomie weiterhin sehr schwer hat", weiß Clemens Lutz. Er selbst betreibt den Kobalt Club Royal im Basteischlösschen und hat erst im vergangenen Jahr viel Geld investiert, um ihn zu eröffnen. "Ich habe zwar die Soforthilfe des Bundes bekommen. Auch die Unterstützung der Stadt Dresden kam beeindruckend schnell", erzählt er. Für den Kredit, der Unternehmern zu null Prozent und bis zu einer Höhe von 50.000 Euro angeboten wurde, kam er jedoch nicht infrage. Dafür hatte er sich für seinen neuen Club zuvor zu sehr finanziell belastet. "Das musste ich erst mal verdauen. Doch es geht immer irgendwie weiter."

So sollen auch andere denken und Recht damit behalten, wünscht er sich. "Wir wollen den Dresdner Restaurants mit der Aktion Kochsternstunden ermöglichen, auf sich aufmerksam zu machen." Ein Gast, der komme, um das Kochsternstundenmenü zu essen und dazu korrespondierende Getränke zu genießen, lasse mehr Geld in der Kasse als einer, der lediglich ein Gericht isst oder nur etwas trinkt.

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Diese Chance haben 30 Gastronomen für sich erkannt und beteiligen sich am Wettbewerb. Der funktioniert so: Restaurants bieten ein spezielles Menü an, Gäste testen es und bewerten im Anschluss ihr Erlebnis nach verschiedenen Gesichtspunkten. Wie hat es geschmeckt, wie war das Ambiente, was gibt es zum Service zu sagen? Normalerweise qualifizieren sich die Gäste mit ihrem Voting für eine Art Tombola und gewinnen Preise bis hin zu tollen Reisen. Das allerdings fällt weg. Ausreichend Sponsoren aufzutreiben, wäre zu zeitaufwändig gewesen.

Auch auf den Druck des Programmheftes, in dem alle teilnehmenden Restaurants vorgestellt sind, verzichtet Clemens Lutz. "Wir bieten den Restaurants die Teilnahme an den Kochsternstunden kostenneutral an", sagt er. Das Programm gibt es deshalb nur online, ist in gewohnter Weise gelayoutet und kann individuell ausgedruckt werden. 

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"Wir hätten auch gern Gastronomen gewonnen, die bisher noch nicht dabei waren", sagt der 49-Jährige. Aber häufig habe er die Erfahrung gemacht, dass sie telefonisch nicht erreichbar waren und keinen Anrufbeantworter geschaltet hatten. So sind alle 30 Teilnehmer Restaurants, die die Gäste schon aus früheren Wettbewerben kennen. Die erleben sie nun, außerhalb der üblichen Kochsternstundenzeit, etwas anders. "Sonst sind die Produkte immer eher winterlich, jetzt wird es frühlingshaft." Und vielleicht können die Besucher ihre Menüs ja sogar im Freien genießen. Die Terrassen und Gärten sind vorbereitet.

Die Kochsternstunden fanden 2009 zum ersten Mal in Dresden statt. Zur ersten Ausgabe gingen rund 500 Bewertungen ein, zur zwölften 4400. Über 7000 Menüs wurden in den fünf Wettbewerbswochen von insgesamt 35 Restaurants verkauft. Inzwischen gibt es die Kochsternstunden als eigenen Wettbewerb auch in Leipzig. Die Chemnitzer Lokale fließen ins Dresdner Angebot mit ein. Das Kochsternstunden-Extra startet am 29. Mai und bietet den Gästen bis zum 14. Juni die nur dafür kreierten Menüs. 

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