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Görlitz

Neustart mit 60 und nicht bereut

Die Kodersdorferin Beate Philipp betreibt die Änderungsschneiderei bei Adler in eigener Regie. Vor drei Jahren begann sie als Selbstständige.

Beate Philipp ist Schneidermeisterin und seit drei Jahren selbstständig.
Als der Adler-Modemarkt 1994 öffnete war sie eine der ersten Mitarbeiter dort.
Beate Philipp ist Schneidermeisterin und seit drei Jahren selbstständig. Als der Adler-Modemarkt 1994 öffnete war sie eine der ersten Mitarbeiter dort. © André Schulze

Beate Philipp kennt den Adler-Modemarkt im Neißepark von Beginn an. Als das Textilgeschäft 1994 öffnete, war sie schon mit dabei, damals als Angestellte in der Änderungsschneiderei. Heute ist sie immer noch an ihrem Arbeitsplatz in der ersten Adler-Etage zu finden. Aber seit drei Jahren ist Beate Philipp nun ihre eigene Chefin.

Die Damenmaßschneiderin hat im Dienstleistungsbetrieb (DLB) gelernt, arbeitete unter anderem als Abteilungsleiterin. "Ende 1993 meldete der DLB  Konkurs an", schildert Beate Philipp. Ende des Jahres hatte sie schon den Vertrag mit Adler in der Tasche. Die verheiratete Kodersdorferin wurde Chefin von sechs Kolleginnen in der Adler-Änderungsschneiderei.

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Großer Schock kurz vor der 60

Nachdem die Zahl der Kolleginnen in den folgenden Jahren immer mehr reduziert worden war, schloss Adler jedoch Ende 2016 die Änderungsschneiderei. "Das war damals schon ein großer Schock, so kurz vor der 60", erinnert sich Beate Philipp. Aber Adler machte ihr ein Angebot: Sie könnte die Schneiderei doch in eigener Regie übernehmen. Eigentlich, so Beate Philipp, wollte sie spontan Nein sagen. "In dem Alter nochmal so ein Risiko", schmunzelt sie. Doch letztendlich habe sie sich doch dazu entschlossen. Sie konnte die Maschinen übernehmen, hatte den Vorteil des bereits vorhandenen Kundenstammes.

Nur zwei Monate blieb die Änderungsschneiderei geschlossen.  Am 2. März 2017 startete sie neu durch. Für Beate Philipp bedeutete diese Zeit eine Reihe von Veränderungen. Miete, Versicherungen zum Beispiel. Die Kolleginnen bei Adler haben sie tatkräftig unterstützt, sagt sie. Die Arbeit änderte sich. "Ich beschäftige mich seither nicht nur mehr mit Sachen, die man bei Adler kaufen kann", sagt Beate Philipp. Außer Neuanfertigungen mache sie so gut wie alles. "Die gibt es nur für die Enkelkinder und ihre Puppen", lacht Beate Philipp.

Im Frühjahr kommen die kaputten Reißverschlüsse

Jetzt im Frühjahr habe sie es häufig mit Reißverschlüssen zu tun. Auch Ballkleider landen oft auf ihren Nähmaschinen.  "Mir ist so gut wie alles untergekommen, vom Schlüppi, der geändert werden musste bis zum neuen Futter für Jacken", sagt sie. Hosen, Jacken, Röcke - die Klassiker eben - sind am häufigsten dran. Bis auf die Änderung von Bekleidung aus dickem Leder sieht sich Beate Philipp jeder Herausforderung gewachsen.  Zum Angebot gehört auch nach wie vor die Expressänderung innerhalb einer halben bis einer Stunde, gegen einen gewissen Aufschlag versteht sich. "Besonders beliebt ist das bei auswärtigen Kunden. Sie gehen inzwischen einkaufen", sagt Beate Philipp. Kundschaft kommt bis aus Bautzen und aus Polen. 

Kundschaft bis aus Bautzen und Polen

Große Werbung muss sie mit ihrer Änderungsschneiderei nicht machen. "Da läuft viel über Mundpropaganda", sagt sie.  Im Schnitt hat es die Schneiderin mit sieben bis zehn Kunden pro Tag zu tun. Manche kommen nur mit einem Teil zum Ändern, andere gleich mit einer vollen Reisetasche. 

Man kann von der Arbeit leben - so ihr Fazit nach drei Jahren als Selbstständige. Zwei Jahre will sie mindestens noch durchhalten, dann wartet die Rente. In ihrer Freizeit hält sie sich in der Sportgruppe im Ort fit und die Enkelkinder halten sie ebenfalls auf Trab. Und Beate Philipp hat berechtigte Hoffnungen, dass die sechsjährige Enkeltochter einmal in ihre Fußstapfen tritt. "Sie hat eine Kindernähmaschine und ist ganz begeistert davon", verrät sie.

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