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Kodersdorf schafft mehr Krippenplätze

Die Kita ist voll. Trotzdem soll sie noch mehr Kleinkinder aufnehmen. Das wird nicht billig.

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Von Alexander Kempf

Wer einen Krippenplatz in Kodersdorf benötigt, der muss sich auf Wartezeiten einstellen. Bis zu neun Monate kann es dauern, ehe der Nachwuchs endlich in der Straße der Einheit untergebracht ist. Die Kita „Brüderchen und Schwesterchen“ bietet insgesamt 130 Kindern Platz. Doch für Jungen und Mädchen im Alter bis zu drei Jahren stehen lediglich 32 Plätze bereit. Die sind voll ausgebucht. „Die Plätze reichen nicht“, sagt Kodersdorfs Bürgermeister René Schöne auf der Gemeinderatssitzung. Und schlägt vor, die Plätze für Kleinkinder aufzustocken.

Bei den Gemeinderäten stößt der Bürgermeister auf offene Ohren. „Das ist das Wichtigste, was wir machen können“, sagt Lutz Diedtemann. Doch Schöne stellt das Thema nicht ohne Grund zur Debatte. Denn der Gemeinde stehen dadurch Mehrkosten ins Haus. Nicht nur neue Betten und Schränke müssten angeschafft werden, es fehlt auch eine Fachkraft. Mehr Personal bedeutet mehr Geld. Abzüglich aller Zuweisungen kostet ein Krippenplatz die Gemeinde rund 450 Euro im Jahr, rechnet Schöne vor. Das sind die laufenden Kosten. Außerdem muss Geld in die Hand genommen werden, um den rund 20 Quadratmeter großen Büroraum in einen kindgerechten Gruppenraum umzuwandeln.

Das Geld wäre gut angelegt. Und Schöne rechnet vor, warum. Im vergangenen Jahr habe es 25 Geburten gegeben. Tendenz steigend. Schon jetzt überweist die Gemeinde jährlich bis zu 80 000 Euro an ihre Nachbarn, weil die Kodersdorfer Kinder aufnehmen. Einnahmen verzeichnet Kodersdorf nicht. „Rund 90 Prozent der Eltern nehmen das Angebot wahr“, sagt Schöne.

Mit den neuen Krippenplätzen will der Bürgermeister die Eltern entlasten. „Wir kämen dann auf eine Wartezeit von drei bis vier Monaten“, sagt er, „das würde den Riesendruck von den Eltern nehmen.“ Tatsächlich steht auch die Gemeinde unter Druck. Seit vergangenem Jahr haben Eltern Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz, den sie einklagen können. „Gott sei Dank habe ich bisher noch von keiner Klage im Landkreis gehört“, sagt Schöne. Was wohl auch daran liegt, dass den Eltern ein Weg von bis zu zehn Kilometern zur Kita zugemutet werden kann.

Kodersdorf selbst liegt auf halber Strecke zwischen Görlitz und Niesky. Das mache die Kindertagesstätte attraktiv für Pendler, glaubt Schöne. Ihm ist daher nicht bange, dass die zusätzlichen Krippenplätze ein Ladenhüter werden könnten: „Wir liegen strategisch gut.“ Die Gemeinde hätten bereits Anfragen von außerhalb erreicht. Bisher hat sie den Eltern absagen müssen. René Schöne erhält von den Gemeinderäten eine Zusage, die Zahl der Krippenplätze aufzustocken. Schon im Mai soll es eine Stellenausschreibung geben.