merken
PLUS Zittau

Wie Zittau Ottokars Umritt später feierte

Die Einwohner haben 1955 ihr 700-Jahr-Fest begangen - und das rund zwei Wochen lang. Aber 1988 gab's schon wieder ein Jubiläum. Warum?

Auch 2005 zum 750-jährigen Jubiläum war Ottokar, gefolgt von einem Bauern mit Pflug, im "Königszug" vertreten.
Auch 2005 zum 750-jährigen Jubiläum war Ottokar, gefolgt von einem Bauern mit Pflug, im "Königszug" vertreten. © Repro Heike Schwalbe

Es war im Jahr 1255, als die den böhmischen König begleitenden Beamten mahnten: "Herr, die Stadt ist zu weit!". Darauf erwiderte Ottokar: "Ich will sie begnaden mit dem einen und anderen, daß ich sie mit Einwohnern wohl besetzen will." Sprach es und setzte seinen legendären Stadtumritt fort, mit dem er die Größe Zittaus festlegte. Ein Bauer folgte dem König und markierte sogleich mit seinem Pflug die Strecke für den Bau einer steinernen Stadtmauer. So hat es Zittaus Stadtschreiber Johann von Guben einst festgehalten.

Nach 700 Jahren, im Jahre 1955, fand nach langer Zeit wieder ein Fest in Zittau statt, das an diesen Stadtumritt von Ottokar II. erinnerte, denn seine Herrschaft war ein Segen für Zittau und führte zum schnellen Wachstum der Stadt. Eine ganze Woche lang, vom 25. Juni bis 10. Juli, feierten die Einwohner und ihre Gäste. Viele Höhepunkte kultureller und sportlicher Art wurden geboten, aber auch politische Veranstaltungen gab es. Noch ging es um die Wiederherstellung der Einheit Deutschlands. Die Erinnerung an den Sieg der Roten Armee vor zehn Jahren wurde mit der Forderung verbunden: Nie wieder Krieg! Es gab sogar ein erstes Dreiländertreffen.

Oppacher Mineralquellen
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

1855 gab die Stadt Zittau diese Karte "Zur Erinnerung an die 600-jährige Feier der Erhebung Zittaus zur Stadt" heraus. Das Hauptmotiv, Ottokars Umritt, wurde mit Illustrationen und Persönlichkeiten der Stadtgeschichte umrankt.
1855 gab die Stadt Zittau diese Karte "Zur Erinnerung an die 600-jährige Feier der Erhebung Zittaus zur Stadt" heraus. Das Hauptmotiv, Ottokars Umritt, wurde mit Illustrationen und Persönlichkeiten der Stadtgeschichte umrankt. © Repro Heike Schwalbe

Näheres konnte man einer Festschrift mit Programm entnehmen, die der Rat der Stadt Zittau herausgegeben hatte. Spezielle Souvenirs wie Festplaketten, Tücher und Karten wurden angeboten, ebenso Lose für eine Tombola mit damals hochwertigen Gewinnen wie dem Motorroller "Pitty" (von Februar 1955 bis April 1956 vom VEB Industriewerke Ludwigsfelde gebaut). Preise waren weiterhin Möbel, Radios und Fahrräder. Ein Sonderstempel wurde herausgegeben. Konzerte, Theatervorführungen, Tanzturniere, Modenschauen, Fuß- und Faustballspiele fanden statt, meist bei freiem Eintritt. Die Stadt war mit unzähligen Blumen und Fahnen geschmückt, auch die Schaufenster der Geschäfte prangten im Festschmuck. Viele Besucher kamen nach Zittau, um mit den Einwohnern zu feiern. Eine Woche lang verkehrte eine Postkutsche zwischen Zittau und Oybin, und erinnerte daran, wie einst die Sommerfrischler ins Gebirge fuhren. An den Haupteingängen zur Innenstadt, dort, wo einst die Stadttore standen, prangten hölzerne Einlasspforten. Zu einem Festbesuch gehörte auch der große Rummel auf dem Martin-Wehnert-Platz mit Riesenrad, Karussells, Luftschaukeln und zahlreichen Buden.

Der letzte Tag wies die meisten Höhepunkte auf. Einer davon war unbestritten der große Festumzug durch Zittaus wichtigste Straßen, sieben Kilometer lang. Dichtgedrängt und begeistert standen die Zuschauer an den Straßenrändern und konnten dabei die Stadtgeschichte nacherleben. Die Feierwoche endete mit einem großen Feuerwerk. 2005 wurde dieses Jubiläum erneut festlich begangen, nun zum 750. Mal. Wieder feierte Zittau mit seinen Gästen eine ganze Woche lang, diesmal vom 24. Juni bis 3. Juli. Der Festumzug – nun Königszug genannt – war ein viel bejubelter Höhepunkt. Entlang des Stadtringes wurde er noch geschichtsintensiver, bunter und vielseitiger als 1955. Natürlich fehlten auch der böhmische König Ottokar II. sowie der Bauer mit dem Pflug nicht. Im Stadtzentrum waren die Bühnen dicht umringt. Und das alles wie 50 Jahre zuvor bei schönstem Sonnenschein.

750. Namenstag gefeiert

Nicht so sonnig und warm war das Fest 1988. Manch einer mag nun fragen: Was wurde denn da eigentlich gefeiert? Dieser Festtag vor 32 Jahren war Zittaus 750. Namenstag. Am 21. Juni 1238 wurde in Prag zwischen dem böhmischen König und der Johanniterniederlassung ein Vertrag über einen Güteraustausch geschlossen, den die Herren Castolaus und Henricus von Zittau als Zeugen mit unterzeichneten. Es ist das älteste erhaltene Schriftstück, in dem der Stadtname Zittau erscheint.

Weiterführende Artikel

Klickstark: Casino öffnet ohne Erlaubnis

Klickstark: Casino öffnet ohne Erlaubnis

Die Zittauer Spielothek "Gambler" hat keine Betriebserlaubnis - und klagt. Einer der Beiträge aus Löbau-Zittau, über den wir am Freitag berichteten.

Auch 1988 gab es einen großen Festumzug mit vielen Attraktionen. Die "Aktuelle Kamera" des DDR-Fernsehens berichtete eine halbe Minute lang darüber. In die Feierlichkeiten eingebunden waren auch ein Fest am Dreiländereck in der Weinau mit einem Tag der Jugend sowie das Jubiläum 100 Jahre Fahrzeugbau in Zittau.

2038 könnte die Stadt also das nächste große Jubiläum begehen, denn dann steht Zittaus 800. Namenstag im Kalender.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Zittau