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König Vollgas

Belgiens Monarch Philippe erlässt mehreren Verkehrsrowdys die Strafe. Sein Volk kann ihm da nicht mehr folgen.

© dpa

Von Detlef Drewes SZ-Korrespondent in Brüssel

Die 100-Tage-Grenze im Amt hat Belgiens König Philippe ohne allzu große Fehler geschafft. Doch jetzt schlägt dem 53-jährigen Monarchen zum ersten Mal seit seiner Inthronisation Ende Juli ein Sturm der Entrüstung entgegen. Denn der Monarch hat bisher elf Begnadigungen von Straftätern unterzeichnet, die heftig umstritten sind. Mehrheitlich geht es dabei um Autofahrer, gegen die ein lebenslanges Fahrverbot verhängt wurde.

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„In Belgien fallen die Strafen für Verkehrsrowdys ohnehin schon deutlich niedriger aus als in den Nachbarstaaten“, schimpft Karin Junot, Sprecherin des Belgischen Institutes für Straßenverkehrssicherheit. „Wer da für den Rest seines Lebens den Führerschein abgeben musste, hat sicher nicht nur den Blinker falsch gesetzt.“ Resigniert gab sich auch Vincent Lusse von einer Initiative betroffener Eltern, deren Kinder im Straßenverkehr ums Leben kamen: „Wir verstehen den König nicht mehr.“

Anders als alle seine Vorgänger hatte der König bei seiner Amtsübernahme noch auf die bis dahin übliche Generalamnestie verzichtet. Nun aber, so vermuten vor allem die anti-monarchistisch eingestellten flämischen Parteien, wolle das Staatsoberhaupt „einen neuen Rekord“ aufstellen. Noch 2011 wurden 70 Menschen begnadigt, 2012 waren es 53. Philippe hat in nicht einmal fünf Monaten bereits elf Amnestien erlassen. Verkehrsministerin Hilde Crevits forderte vom Palast Einzelheiten zu den Begünstigten. Bei den Belgiern wird dagegen auf einen Zusammenhang mit der bekannten Zügigkeit der Königsfamilie im Straßenverkehr hingewiesen. Der 50-jährige Bruder des Königs, Prinz Laurent, bekam vom Volksmund den Beinamen „Prinz Vollgas“, nachdem er vor Jahren mit seinem italienischen Sportwagen auf der Autobahn nach Paris einen neben ihm fahrenden Hochgeschwindigkeitszug (Tempo 300) überholt hatte. Auf belgischen Autobahnen gilt ein Limit von 120 km/h.

Philippe muss nun erklären, wonach er die Begnadigten ausgewählt hat und ob die Strafen nur gemildert oder sogar vollständig gestrichen wurden. „Wenn da eine richtige Schweinerei bei rauskommt“, tobt ein sozialistischer Spitzenfunktionär, „ sollte sich Philippe warm anziehen.“