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„König von Coswig“ erneut vor Gericht

Das Amtsgericht Meißen hat den Mann zu vier Jahren Haft verurteilt. Bei der Berufung gibt es plötzlich ein Problem.

Immer wieder wie hier in einer nachgestellten Szene schlug der Angeklagte brutal zu, nutzte dabei seine Fähigkeiten als Kampfsportler.
Immer wieder wie hier in einer nachgestellten Szene schlug der Angeklagte brutal zu, nutzte dabei seine Fähigkeiten als Kampfsportler. © Symbolbild/Felix Renaud

Meißen. Der Mann ist ein Kämpfer, im Ring, aber auch außerhalb. Der 36-jährige Russe ist seit 14 Jahren Kampfsportler, Kick-Boxer. Von vier Siegen gelangen ihm drei durch K.O., ist im Internet zu lesen. Sein wohl schlimmsten K.O. aber versetzte ihm das Amtsgericht Meißen. Im April dieses Jahres verurteilte es den abgelehnten Asylbewerber aus Tschetschenien zu der höchsten Strafe, die es auswerfen kann: vier Jahre Gefängnis. 

Denn der Mann setzte nach Überzeugung des Gerichtes seine Fähigkeiten nicht nur im Ring, sondern auch außerhalb ein. Mehrere Menschen, darunter auch Jugendliche, hat er mit gezielten Tritten und Schlägen schwer verletzt. Sie erlitten Knochenbrüche, einer zum Beispiel einen Jochbeinbruch und andere schwere Verletzungen.

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Er, der sich „König von Coswig“ nennt, schlug brutal und gezielt zu auf Kopf, Schläfen, Hals. So soll er unter anderem im Mega-Drome in Radebeul drei Jugendliche brutal zusammengeschlagen haben. Zunächst hatte er einem Meißner Gymnasiasten eine Kette vom Hals gerissen. Anschließend schlug er dem jungen Mann mehrfach brutal mit der Faust ins Gesicht.

 Als ein Zeuge helfen wollte, wurde auch dieser von dem Tschetschenen brutal geschlagen und getreten. Von harten und gezielten Schlägen und Tritten mitten ins Gesicht berichtet der 17-Jährige, dem unter anderem das Nasenbein zertrümmert wurde.

Auch mit Drogen hat der Angeklagte zu tun. Die Polizei stoppt ihn, als er auf einem Motorrad unterwegs ist.

Dass er keine Fahrerlaubnis besitzt, ist noch das kleinere Übel. Eine Kontrolle ergibt, dass er Kokain genommen hat. Auch gegen Polizisten wird er gewalttätig, wehrt sich gegen Festnahmen, tritt und schlägt nach den Beamten. Nun kämpft er wieder, diesmal am Landgericht Dresden. Denn er hat Berufung gegen das Urteil eingelegt. Zur Verhandlung wird es aus dem Gefängnis vorgeführt, mit neuem Verteidiger.

Doch die Verhandlung wird jäh unterbrochen. Es gibt Probleme mit der Dolmetscherin. Es verwundert schon, dass sie den Richter nach einem Urteil auf Russisch fragt. Ein solches hat er aber nicht. Um zu übersetzten, gerade dafür ist die Dolmetscherin ja da. Sei alles kein Problem, sagt sie. Und ist es wohl doch. 

Der Richter hat das Urteil des Amtsgerichtes längst verlesen, aber die Dolmetscherin übersetzt noch minutenlang weiter. Sie hat nicht simultan übersetzt, sondern abgelesen. Immer wieder sucht sie nach den richtigen Worten, immer wieder redet der Angeklagte hinein. Er ist offenbar mit der Übersetzung nicht zufrieden. Sie habe nicht richtig übersetzt, sagt er schließlich auf die Frage des Richters. 

Die Dolmetscherin ist empört. „Ich mache das seit vielen Jahren, so etwas ist mir ja noch nie passiert. Da verlasse ich jetzt den Saal“, droht die Frau an. Ein Sachverständiger, der den Angeklagten begutachtet hat, bestätigt, dass es dabei mit einer anderen Dolmetscherin keinerlei Probleme gab.

Das Gericht entscheidet, dass die Dolmetscherin nach Beanstandung durch die Verteidigung, aber vor einem formellen Ablehnungsgesuch, ausgewechselt wird. Zudem hat die Kammer die Reaktion der Dolmetscherin auf die Beanstandungen der Verteidigung als unprofessionell kritisiert und ihr Befangenheit vorgeworfen. Mit neuer Dolmetscherin wird das Verfahren schließlich fortgeführt.

Nach der Beweisaufnahme kommt das Berufungsgericht zu einer leicht abweichenden Würdigung der Taten als das Meißner Amtsgericht. Es ändert das Urteil ab. Der Angeklagte wird wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen, Sachbeschädigung, Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die Verwaltungsbehörde wird angewiesen, dem Angeklagten vor Ablauf von einem Jahr keine neue Fahrerlaubnis zu erteilen.

Grund für die nun um sechs Monate niedrigere Strafe ist unter anderem, dass die Berufungskammer eine der gefährlichen Körperverletzungshandlungen im Gegensatz zum Amtsgericht Meißen nicht als „lebensgefährliche Behandlung“ gewertet hat. Zudem ist eine einfache Körperverletzung nach Ansicht der Kammer in Tateinheit mit einer der abgeurteilten gefährlichen Körperverletzungen, weshalb eine Einzelstrafe weggefallen ist.

Das Urteil ist wohl nicht nur das Ende seiner Karriere als Kampfsportler. Auch der Asylantrag des Angeklagten dürfte sich mit diesem Urteil erledigt haben. Er muss damit rechnen, nach Verbüßen der Haftstrafe direkt aus dem Gefängnis in sein Heimatland abgeschoben zu werden. Da hilft ihm wohl auch nicht, dass er nach eigenen Angaben jetzt verlobt ist.

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