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Königlicher Besuch auf der Burg Oybin

Geschichte. Vor 100 Jahren weilte der sächsische König zwei Tage im Landkreis Löbau-Zittau. Teil 2.

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Von Heinz Morche

Gegen 18 Uhr begab sich der König zur „Schießwiese“ und bestieg hier nach Abschreiten einer Ehrenformation des hiesigen Infanterie-Regimentes unter Führung von Oberst Kaufmann den bereitstehenden Sonderzug nach Oybin. Nahezu „gefährlich“ gestaltete sich die Abfahrt des Zuges, weil sich die Menschen immer wieder „bis dicht an den Wagen drängten“. Offensichtlich genoss der König das Bad in der Menge.

Eine Anekdote erinnert daran, dass der König, schon immer ein Freund „photographischer Aufnahmen“, versuchte, mit einer Handkamera die jubelnde Menge im Bild festzuhalten. Aber anscheinend „funktionierte der Apparat nicht“. Kurz vor 19 Uhr legte der Zug an der Haltestelle „Nieder-Olbersdorf“ einen kurzen Stopp ein, wo die Ortsvereine mit ihren Fahnen, Schulkinder, das Lehrer-Kollegium und die Mitglieder des Gemeinderates Aufstellung genommen hatten. Die Ankunft in Oybin erfolgte gegen 19.15 Uhr. Als der König durch die Gemeindevorstände von Oybin und Lückendorf, die Herren Danzig und Wittig sowie die Tochter des Stationsvorstehers Wolf empfangen wurde, dröhnten vom Berg Böllerschüsse. Entlang der Dorfstraße bereitete eine dicht gedrängte Menschenmenge ihrem Gast lebhafte Ovationen.

Während Pastor Sauppe aus Lückendorf die „Huldigung auf den König“ ausbrachte, überreichte dessen zwölfjähriges Töchterchen „allerliebst in Lausitzer Tracht und Volksdialekt“ ein Kästchen aus „Oybinischem Nußbaumholz“ mit Schreibutensilien aus „Lückendorfer Eibenholz“, gefertigt vom Zittauer Drechslermeister Brendler. Von der Kirche begann der Aufstieg zum Berg Oybin, wobei der König sich als „rüstiger Bergsteiger“ erwies. Den Höhepunkt des Festes bildete der „Mönchszug mit prächtiger Ruinenbeleuchtung“.

Über die Veranstaltung äußerte er sich wie folgt: „Das ist wirklich prächtig, so etwas findet man wohl nicht mehr.“ Die Rückfahrt zum Hotel „Reichshof“ erfolgte gegen 22.35 Uhr, d. h. eine halbe Stunde später als ursprünglich vorgesehen, in einem offenen Wagen und im „leichten Trab“. Auch der zweite Besuchstag begann so, wie der erste geendet hatte: ein straff organisiertes Programm, strahlender Sonnenschein, festlich gekleidete und jubelnde Menschen sowie ein gut aufgelegter Monarch.

Nach einer Ansprache durch Amtshauptmann von Beschwitz bestieg er einen bereitstehenden Wagen und fuhr zur Fabrik von Ernst und Franz Könitzer. Unter „lebhaften Ovationen des Publikums“ besuchte er auch die „Höhere Webschule“.

Nach einem kurzen Aufenthalt im „Reichshof“ fuhr er per Wagen nach Reichenau. Bevor er die Stadt verließ, erfuhr er vor dem Schlachthof nochmals eine „besondere Huldigung“. Gegen 16 Uhr verließ der Landesherr Reichenau und reiste weiter nach Ostritz. Unter Glockengeläut fuhr sein Wagen durch die festlich geschmückten Straßen zum Marktplatz, wo er von den Mitgliedern der städtischen Kollegien, der Geistlichkeit sowie zahlreichen Vereinen mit den üblichen Ehrenbezeugungen empfangen wurde. Nach etwa einstündigem Aufenthalt fuhr der König unter „Hochrufen der Menge“ weiter zum Stift „Joachimstein“. Dort fand noch ein Gastmahl statt, worauf er von der Station Nikrisch gegen 21 Uhr die Rückreise nach Dresden antrat.