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Königsbrück plant Via-Regia-Haus

Im Förderverein Via Regia Architekturmodellbau Königsbrück wird gerade intensiv umgedacht. Der Grund: Die gute Idee eines Via-Regia-Parkes u.a. mit Miniaturmodellen berühmter Bauwerke an der historischen Handelsstraße erweist sich offenbar als zu wenig praktikabel.

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Von Frank Oehl

Im Förderverein Via Regia Architekturmodellbau Königsbrück wird gerade intensiv umgedacht. Der Grund: Die gute Idee eines Via-Regia-Parkes u.a. mit Miniaturmodellen berühmter Bauwerke an der historischen Handelsstraße erweist sich offenbar als zu wenig praktikabel. Zum einen fehlt es nach wie vor an Geldgebern für das 450000-Euro-Projekt, zum anderen hat der Modellbau selbst immer perfektere Züge angenommen. Fördervereinschef Jürgen Loeschke: „Die Sicherung und Unterhaltung der Modelle unter freiem Himmel gestaltet sich immer schwieriger, je künstlerisch anspruchsvoller der Modellbau selbst wird.“ Damit sind die Weichen eher für eine Schlechtwetter-Variante gestellt, die immer schon mit im Spiel war. Die SZ hat sich vor Ort umgesehen:

Detailreicher Modellbau sorgt für Zulauf in jeder Hinsicht

Seit über zehn Jahren werden in Königsbrück interessante Gebäude an der Via Regia im Maßstab 1:25 modelliert. Aus Kunststoff, der wetterfest ist. 33 Modelle sind fertig, an mindestens fünf weiteren wird derzeit gewerkelt bzw. geplant. Für den Zuwachs sorgt regelmäßiger Zulauf aus der kreislichen Job-Börse. Von Beginn an war das Projekt auch sozial angelegt. Mehr als 250 Arbeitslose waren hier bereits zugange – die ausgesprochen kreative Tätigkeit hat mit dazu beigetragen, dass mancher sogar wieder im 1. Arbeitsmarkt untergekommen ist. Das Projekt wird auch durch den Kulturraum und zahlreiche Privatsponsoren unterstützt.

Die Via-Regia-Ausstellung hat den Bekanntheitsgrad erhöht

Viel versprachen sich der Heimatverein Königsbrück als Projektträger und der Förderverein von der Landesausstellung zur Via Regia in Görlitz. Die Erwartungen sind zum Teil eingetroffen. Beiratsmitglied Jörg Kleefeldt: „Eine Sequenz des Ausstellungsfilms in Görlitz war unserem Modellbau gewidmet. Das hat geholfen.“ Die Ausstellung im Klinkerbau, der vom Alten Lager übrig blieb, haben etwa 3000 Besucher gesehen. So viele wie noch nie. Kein Grund zur Zufriedenheit. „Noch immer weiß man viel zu wenig über unser Vorhaben“, sagt Loeschke. Das Marketing auch über den Dresdner Heidebogen muss weitergehen. Unzufrieden sind die Königsbrücker zum Beispiel über den Stand jener vier Modelle, die in diesen Tagen in der Dresdner Centrum-Galerie werben sollen. „Die stehen dort, wo kaum ein Mensch vorbeigeht. Das ist schade drum.“

Jetzt wird der Ausbau der

alten Stahlhalle favorisiert

Die Via-Regia-Park-Idee war immer mit einer wettergeschützten Variante der Modell-Präsentation verbunden. Sie rückt nun endgültig in den Mittelpunkt des Fördervereins. „Wir forcieren nun den Ausbau der Stahlhalle“, sagt Loeschke. Gemeint ist eine Ex-Garage des Alten Lagers, die direkt an das jetzige Via-Regia-Zentrum anschließt. Mehr als 1000 Quadratmeter könnten zusätzlich gewonnen werden. Auf diese Weise würden bis zu 60 Modelle repräsentativen Platz finden. Wie es die Endausbaustufe vorsieht.

Das Hallenprojekt würde

etwa 330000 Euro kosten

Den endgültigen Ausbau des Klinkerbaus zum „Via-Regia-Haus“ gibt es natürlich auch nicht zum Null-Tarif. 350000 Euro sind für den Umbau veranschlagt, wobei der Förderverein den Eigenanteil von 50000 Euro stemmen könnte, wenn es eine Förderung zum Beispiel mit EU-Mitteln geben würde. Voraussetzung wäre eine grenzüberschreitende Freundschaft.

Gespräche mit einem Partner

in Tschechien laufen bereits

Im tschechischen Mimoò wurde jetzt ein Partner gefunden, der ebenfalls auf den Modellbau setzt. Dort soll sogar das Modell „Miniczech“ umgesetzt werden, gewissermaßen eine Miniaturausgabe Tschechiens. An dieses größere Vorhaben könnte sich das Via-Regia-Haus ankoppeln. Zur gegenseitigen Befruchtung. „Unsere Erfahrungen im Modellbau wären für die tschechischen Partner Gold wert“, sagt Loeschke. Bis Ende Januar soll klar sein, ob das grenzüberschreitende Zusammenspiel möglich wird, also förderfähig ist. Wobei selbstverständlich auch alle Haftungsfragen geklärt sein müssen. „Am besten wäre, die beiden Städte säßen selbst mit im Boot“, so der Fördervereinschef. Dann würde Königsbrück nämlich im weiteren Sinne als Grenzstadt durchgehen. Zu Recht.