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Königsteins Kinder haben ihr Spielparadies zurück

Julia Altenburg wollte nach der Flut 2013 mit Kleiderspenden helfen. Am Ende wurde ein ganzer Spielplatz gebaut.

Von Ines Mallek-Klein

Alles begann mit einem Anruf. Julia Altenburg hatte im nordrhein-westfälischen Schlangen vor dem Fernsehen verfolgt, wie ihre sächsische Heimat im Juni 2013 wieder einmal gegen das Hochwasser kämpfte. Die gebürtige Rosenthalerin wollte helfen. Doch was wird am dringendsten gebraucht? Katrin Klewe, die für die Freien Wähler im Stadtrat sitzt, hatte eine Idee.

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Bei Ausflügen mit Kindern stehen Erlebnis und Abenteuer im Vordergrund. Das sollte bei der Tourenplanung und beim Packen des Rucksacks bedacht werden.

Königstein braucht einen neuen Spielplatz an der Elbe. Die alten Spielgeräte hatten die Fluten mitgerissen. Zurück blieb nur eine kleine Robbenwippe. Julia Altenburg schwieg erst kurz, als sie von der Idee hörte. „Ich hatte daran gedacht, einen Lkw mit Kleidungsspenden und Sachen für den Haushalt nach Königstein zu schicken, aber einen ganzen Spielplatz zu sanieren, das war schon eine Nummer größer“, erinnert sie sich. Die 27-Jährige gab nicht auf.

Viele Menschen mobilisiert

Sie schaltete die Lokalzeitung von Schlangen ein und startete einen Spendenaufruf. Parallel dazu verteilte Katrin Klewe in Königstein einen Aufruf mit der Nummer des Spendenkontos. Die Einzahlungen mehrten sich. Aber es gab natürlich auch Wochen, in denen gar nichts passierte, sagt Julia Altenburg. Sie recherchierte weiter und fand die Firma Westfalia, die hochwassersichere Spielgeräte aus Kunststoff baut. Die spendierte einen dunkelbraunen Spielturm. Auch die Stadt Königstein bestellte zwei neue Spielgeräte. Die Schaukel und ein Klettergerüst sind fest im Boden verankert. Sie bieten dem Wasser wesentlich weniger Angriffsfläche als die alten Spielgeräte und sollten das nächste Hochwasser gut überstehen, so die Hoffnung von Katrin Klewe. Die Stadträtin eröffnete am Donnerstag gemeinsam mit Julia Altenburg den neuen Spielplatz. Er war in nur drei Tagen saniert worden. Es war knapp.

Dutzende Kubikmeter neuer Sand mussten noch herangeschafft werden. Übernommen hat das die Schober Bau GmbH aus Leupoldishain. „Wir wollten es unbedingt noch vor den Osterfeiertagen schaffen, wo hier besonders viele Familien unterwegs sein werden“, sagt Katrin Klewe. Der Plan ist aufgegangen und der Spielplatz wunderschön. Das ist das einhellige Urteil der Kinder. Erstklässler aus der Königsteiner Grundschule und Kinder aus der größten Kindergartengruppe waren am Donnerstagvormittag dabei, als der Spielplatz eingeweiht wurde. Sie bedanken sich mit einem Frühlingslied und selbstgebastelten Blumen bei den Geldgebern. Eine Blume ging auch nach Ottendorf-Okrilla. Der dortige Sensorenhersteller, die Sick Engineering GmbH, hatte nach der Flut an den Dresdner Verein Arche Nova gespendet und gebeten, das Geld an ein konkretes Projekt in der Region weiterzureichen. „Wir standen mit dem Spielplatz in der Flutspenderdatei von Arche Nova und hatten Glück“, sagt Klewe.

Mit der Großspende von Sick standen insgesamt 10 000 Euro zur Verfügung, die in den Neubau des Spielplatzes investiert werden konnten. Weitere 500 Euro kamen gestern überraschend vom Sächsischen Chorverband. Katrin Klewe dankte für die Spende. Sie soll für neue Bänke am Rand des Spielplatzes und Papierkörbe verwendet werden. Dann ist das Projekt vollendet. Julia Altenburg ist glücklich und selbst auch noch ein wenig überrascht, wie viele Unterstützer man findet, wenn man nur hartnäckig genug ist. Einen Wunsch hat die gelernte Krankenschwester aber noch: Das nächste Hochwasser möge möglichst lange auf sich warten lassen.