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Königsteins Masterplan fürs Wismut-Areal

Der Rückbau in Leupoldishain soll 2021 beendet sein. Die freien Flächen will sich die Festungsstadt sichern. Aus eigener Kraft schafft sie das jedoch nicht.

Die Wismut zieht sich zurück, Gewerbe soll sich ansiedeln.
Die Wismut zieht sich zurück, Gewerbe soll sich ansiedeln. © Daniel Schäfer

Mit der geplanten Festungsbahn verfolgt Königstein derzeit ein Großprojekt. Doch nicht nur im Hinblick auf den Tourismus hat die Kommune eine Vision. Auch wirtschaftlich hat sie einen Plan. Und der hängt mit der Wismut in Leupoldishain zusammen. 

Auf ehemaligen Wismut-Flächen will Königstein ein neues Gewerbegebiet entwickeln. Der Betrieb zieht sich bis 2021 weiter aus dem Königsteiner Ortsteil zurück. Ungenutzte Hallen und Gebäude werden abgerissen. "Entsprechend des Planfeststellungsbeschlusses sanieren wir das Gelände zu Grünland und würden es entsprechend veräußern", sagt Carsten Wedekind, der Leiter der Sanierung in Königstein im Hinblick auf die Nachnutzung des Geländes. Genau das will Königstein: das Areal nutzen. 

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Die Festungsstadt will sich insgesamt 14 Hektar ehemaliges Wismut-Areal sichern und darauf ein zweites Gewerbegebiet etablieren. Dieses soll einmal vom Industriepark Oberelbe (IPO) profitieren, den die drei Städte Pirna, Heidenau und Dohna am Pirnaer Autobahnzubringer der A 17 planen. Leupoldishain II, so der Name des neuen Gewerbeparks, soll als Verlängerung des IPO fungieren - als Industrieachse Oberelbe. 

Allein eine Nummer zu groß

Königstein will mit dem Gewerbegebiet in Leupoldishain auf den IPO-Zug aufspringen. Die Kommune hat jedoch ein Problem. Weder personell noch finanziell würde sie es  schaffen, ein Areal dieser Größenordnung zu entwickeln. Rund fünf Millionen Euro betragen die Gesamtkosten. Da der Alleingang eine Nummer zu groß wäre für Königstein, soll nun eine Projektentwicklungsgesellschaft gegründet werden. Diese soll die Flächen kaufen, erschließen, vermarkten und später abwickeln. 

"Die Projektentwicklungsgesellschaft kann entweder mit ortsansässigen Betrieben erfolgen", sagt Manfred Elsner, der als Projektsteuerer die Entwicklung des neuen Gewerbegebietes begleitet. Je mehr Partner beteiligt seien, desto schwieriger seien jedoch meist auch die Verhandlungen. Eine andere Möglichkeit sei die Kooperation mit einer Kommune. Zum Beispiel mit der Stadt Pirna. Das liege nicht nur im Hinblick auf den geplanten IPO nahe, wie Elsner sagt. 

Potenzielle Partner suchen

Ob Pirna und Königstein diesen Schritt gehen werden? Das soll Bürgermeister Tobias Kummer (CDU) herausfinden. Denn der Stadtrat hat in der letzten Sitzung beschlossen, dass die Verwaltung mit potenziellen Partnern in die Vertragsverhandlungen gehen soll. In der nächsten Sitzung im September soll das Ergebnis und im besten Fall mögliche Partner, präsentiert werden. Dann soll festgelegt werden, mit wem Königstein zusammenarbeiten will. 

Ob tatsächlich eine neue Projektentwicklungsgesellschaft gegründet wird, das sehen einige Räte jedoch skeptisch. "Das kostet zu viel Zeit", äußerte Stadtrat Frieder Haase (Freie Wähler Königstein). Er schlägt stattdessen vor, die Kommunale Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft (KWE) dafür zu nutzen. "Damit sparen wir uns auch einen Geschäftsführerposten", argumentiert Haase. 

Dass die Zeit drängt, machte auch Manfred Elsner deutlich. Die Wismut hätte das Geld für den Gesamtabriss bekommen. Bis Mitte 2021 sei das betroffene Gelände frei und damit bereit, veräußert zu werden. "Die Wismut hat Interesse, das Areal an einen Partner zu verkaufen", sagt Elsner. Königstein müsse bis dahin nur alle Weichen gestellt haben. Auch in Form eines Bebauungsplanes. Dieser müsse ebenfalls zügig in Auftrag gegeben werden. Denn das Verfahren dauert. Elsner schätzt, dass mindestens zwölf bis 18 Monate vergehen, bis ein Plan genehmigt ist.

Flächen gefragter denn je

Dass es später genügend Unternehmen gibt, die sich in Leupoldishain ansiedeln wollen, davon ist der Projektentwickler überzeugt. "Diese gibt es dann, wenn es Flächen gibt. Der Bedarf ist da", sagt Manfred Elsner. Durch die Corona-Krise hätte es zuletzt ein Umdenken in der Wirtschaft gegeben. Bestimmte Branchen, die bislang im Ausland produziert hätten, würden wieder verstärkt in Deutschland Fuß fassen wollen. "Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, brauchen wir schnell vermarktbare Flächen", meint Elsner. 

Leupoldishain soll perspektivisch nicht nur für die Wirtschaft interessant werden. Auch touristisch soll der Ort eine größere Rolle spielen. Angrenzend an das Gewerbegebiet Leupoldishain II soll auf einem vier Hektar großen Areal schräg gegenüber der Landbäckerei Schmidt ein Informations- und Erlebniszentrum Sächsische Schweiz entstehen. Das hängt mit der Festungsbahn zusammen. Diese soll im ersten Schritt die Königsteiner Innenstadt mit dem Festungsvorplatz verbinden, im zweiten Schritt dann von dort weiter bis nach Leupoldishain verlängert werden. Neben dem Bahnhof der Festungsbahn und dem Informations- und Erlebniszentrum ist beispielsweise ein Auffangparkplatz mit rund 1.000 Plätzen vorgesehen. Von hier sollen die Ausflügler per sanfter Mobilität die Sächsische Schweiz erkunden, das heißt auf Bus und Bahn umsteigen. 

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