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Königstermin in Riesa

Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch will auf seiner Sachsentour in der Stahlstadt Optimismus verbreiten.

Die letzte Woche vor der Landtagswahl entscheidet viel, sagt Dietmar Bartsch (r.). Am Montag war er in Riesa, um Linke-Kandidatin Uta Knebel zu unterstützen.
Die letzte Woche vor der Landtagswahl entscheidet viel, sagt Dietmar Bartsch (r.). Am Montag war er in Riesa, um Linke-Kandidatin Uta Knebel zu unterstützen. © Andreas Weihs

Riesa. Als Dietmar Bartsch die Hauptstraße aus Richtung Elbgalerie entlanggeschlendert kommt, scheinen gerade wieder die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Eine halbe Stunde zuvor hätte der Fraktionschef der Linken im Bundestag noch einen Regenschirm gebraucht, so heftig hatte sich ein Gewitter über der Innenstadt entladen. Das sei zuletzt irgendwie immer so gewesen, scherzt Bartsch. „Wo wir hinkommen, da scheint die Sonne.“

Wann er zuletzt in Riesa gewesen ist? „Da fragen Sie mich was“, entgegnet der gebürtige Stralsunder nur und lacht. Bei drei bis fünf Städten am Tag habe er kaum noch einen Überblick, wo er einen Tag zuvor gewesen sei. Seit Wochen ist Dietmar Bartsch auf Tour durch Brandenburg und Sachsen, nach den Landtagswahlen dort ist noch Thüringen an der Reihe.

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Mit Riesa, wo er am Montagabend zum Thema Frieden reden soll, verbindet er dreierlei, erklärt Bartsch: „Zuerst einmal ist das die Geburtsstadt meines parlamentarischen Geschäftsführers im Landtag, Herrn Ritter. Zweitens denke ich da an Stahl Riesa.“ 

Die habe er einige Male bei Spielen gegen den FC Hansa Rostock im Stadion erlebt. „Und drittens weiß ich auch, dass die Stadt eine schwierige Zeit des Wandels hinter sich hat. Wobei sich hier auch eine Menge getan hat, etwa in Richtung Städtebau-Förderung.“

Nicht einmal eine Woche vor der Wahl, das seien die Königstermine, sagt der Fraktionschef. Die Riesaer Parteimitglieder um Kandidatin Uta Knebel hätten einen sehr soliden Wahlkampf betrieben. „Politisch sind wir außerdem auf einer sehr ähnlichen Linie, da unterstütze ich natürlich besonders gern.“ 

Gerade jetzt gelte es, sich noch einmal zu zeigen. „Es gibt immer mehr Menschen, die sich erst in den letzten Tagen vor der Wahl entscheiden.“ Dabei gehe es jetzt nicht mehr so stark um Inhalte, glaubt Bartsch. „Sondern eher darum, dass die Wähler sehen: Aha, die sind auch am Samstag noch draußen und werben.“

Von diesen spontanen Entscheidungen will auch Die Linke profitieren. Den Umfragen zufolge könnte sie in Sachsen verlieren, fast fünf Prozentpunkte. Sie wäre dann nicht mehr zweitstärkste Kraft im Freistaat, die AfD zöge vorbei. Erst kürzlich hatte Bartsch kritisiert, dass die Alternative zu viel Aufmerksamkeit erfahre. „Nicht nur medial“, sagt er in Riesa. 

Die Politik thematisiere die Partei ebenfalls zu sehr. „Da frage ich mich nur, wer regiert denn seit der Wende in Sachsen.“ Ganz allein will Bartsch die Schuld für den Rechtsruck im Bundesland aber nicht auf die CDU schieben. Wenn rechte Parteien erstarken, sagt Bartsch, dann liege das auch immer an einer Schwäche der Linken. 

„Wir müssen wieder mehr die Chancen betonen, Die Linke muss wieder mehr zur Zukunftspartei werden“, erklärt er. Die Klimakrise sei zum Beispiel nicht bloß Krise, sondern berge eben auch die Chance auf wissenschaftlichen Fortschritt.

Auch aus politischer Sicht gibt sich Bartsch optimistisch, zumindest keine schwarz-blaue Koalition zu erleben. „Dabei ist eins, glaube ich, in Sachsen klar: Es wird keine Regierungsverantwortung der AfD geben.“ Da habe er Vertrauen in Ministerpräsident Kretschmer. Gleichzeitig fürchtet er, dass ein starkes Ergebnis der Rechtspopulisten nicht folgenlos bleiben werde.

 „Ich habe die NPD-Zeit im Landtag in Mecklenburg-Vorpommern erlebt. Es ist eben nicht so, dass das keine Konsequenzen hatte. Sondern es hat dazu geführt, dass zum Beispiel der Tourismus eingeknickt ist.“ Aus seiner Sicht tauge die AfD ohnehin nicht zur Oppositionspartei. „Die AfD ist nicht der Gegenpol zur CDU.“ Das sei nur Die Linke. Dafür hofft Bartsch nun darauf, dass seine Partei das Wahlergebnis von 2014 zumindest noch halten kann.

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