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Können Iren irren?

Marcus Krämer über den Volksentscheid zur Homo-Ehe

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© Robert Michael

Langsam, aber sicher gehen den Gegnern der gleichgeschlechtlichen Ehe die Argumente aus. Nun bricht auch noch ihr Lieblingseinwand zusammen, die Homo-Ehe sei eine Schimäre liberal gesinnter Großstadt-Intellektueller, die das „normale“ Volk überfordere. Ausgerechnet das katholische Irland straft mit seinem eindeutigen Volksentscheid konservative Skeptiker in aller Welt Lügen.

Auch in Deutschland wäre nach Umfragen eine Mehrheit für die Homo-Ehe. Schon heute gibt es für Schwule und Lesben die Möglichkeit der „Eingetragenen Lebenspartnerschaft“, einschließlich der Steuer-Vergünstigung. Allein dieser verdruckste Begriff wirft die Frage auf, wieso man die Sache nicht beim Namen nennt. Wenn zwei, die sich lieben, füreinander bürgerliche Verantwortung übernehmen, dann heißt das: Ehe. Außer dumpfen Vorurteilen gibt es dagegen kein rationales Argument. Politiker von CDU und CSU betonen den besonderen Schutz von Ehe und Familie mit Kindern. Doch lässt sich kaum seriös erklären, welchen Nachteil traditionelle Familien hätten, wenn Homosexuelle heiraten dürften.

Gewiss braucht Deutschland eine konservative Volkspartei, und die CDU hat schon allzu oft aus Wahltaktik Überzeugungen geopfert. Bei Themen wie Abtreibung oder aktiver Sterbehilfe bleibt es wünschenswert, dass nicht nur der Zeitgeist regiert. Denn aus ethischer Sicht gibt es in solchen Fragen ebenso triftige Argumente dafür wie dagegen. Bei den Vorbehalten gegen die Homo-Ehe ist das anders. Hier regiert nicht der Zeitgeist, sondern nur noch das Ressentiment.