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Das Covid-19-Testlabor, das keiner gerne sieht

Gesundheitsministerin Petra Köpping weihte eine mobile Einrichtung in Dippoldiswalde ein. Dafür machte sich ein Unternehmen stark.

Oberbürgermeisterin Kerstin Körner
gehörte zu den ersten, die sich an der neuen mobilen Beprobungsstation auf Covid-19 testen ließ.
Oberbürgermeisterin Kerstin Körner gehörte zu den ersten, die sich an der neuen mobilen Beprobungsstation auf Covid-19 testen ließ. © Egbert Kamprath

Dieser Einstiegssatz verblüfft die Zuhörer auf dem Marktplatz in Dippoldiswalde. Dort wurde am Dienstag, 14. Juli, die neue mobile Covid-19-Beprobungsstation eingeweiht, die dem Freistaat Sachsen ab sofort zur Verfügung steht. "Vor vier Monaten hätte ich mir dieses Mobil gewünscht", sagt Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU). In Dippoldiswalde gab es im März den ersten Fall der Erkrankung mit dem Corona-Virus SarsCov-2 im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Kaum einer wusste damals, wie man reagieren sollte.

Körner schiebt aber sogleich nach, dass sie sich freut, dass es dieses Mobil nun gibt. Denn genau das sei ja die Erfahrung aus der Anfangszeit, dass Test-Kapazitäten geschaffen werden müssten. Das erfolgte bisher stationär, etwa in Pirna, Sebnitz, Freital und Dippoldiswalde. 

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Mit dem Rückgang der Infektionszahlen wurden diese Kapazitäten jedoch wieder abgebaut. "Jetzt kommt es darauf an, schnell auf lokale Ereignisse reagieren zu können. Dazu müssen wir mobil sein", erklärt Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD), die zur Einweihung extra nach Dippoldiswalde gekommen war.

Als aktuelles Beispiel nannte sie die Stadt Augustusburg, als es einen Fall am dortigen Gymnasium gab. Zeit sei bei der Eindämmung von Infektionen ein entscheidender Faktor. "Und das Testen ist unsere schärfste präventive Waffe", sagt Köpping.

Universell einsetzbar

Am liebsten wäre aber allen Beteiligten, wenn die Covid-19 Beprobungsstation  am Dienstag das einzige Mal in Dippoldiswalde auftauchen würde. An jenem Tag wurde eine einzige Neuinfektion in Sachsen registriert. In Dippoldiswalde gibt es seit Langem keinen Fall mehr. Ist die Investition dann überflüssig?

Das verneint Holger Löser, der Präsident des DRK Sachsen. Dem wurde das Mobil zur Verfügung gestellt und kann dort von Landkreisen angefordert werden. Der Lkw und die sonstige Ausstattung sind unabhängig vom Testlabor universell einsetzbar. Etwa bei Hochwasser oder Zugunglücken, wie es ihn kürzlich kurz hinter der erzgebirgischen Grenze zu Tschechien gab. "Auch da haben wir geholfen und mussten vor Ort unter anderem Registrierungen vorgenommen werden", sagt Löser.

Die Schlüssel-Übergabe auf dem Marktplatz in Dippoldiswalde erfolgte mit Abstand.
Die Schlüssel-Übergabe auf dem Marktplatz in Dippoldiswalde erfolgte mit Abstand. © Egbert Kamprath

Mitarbeiter spenden

Das hat dann auch das Unternehmen Globalfoundries Dresden überzeugt. Der Chiphersteller hat die rund 46.000 Euro gespendet, die für die Investition nötig waren. "Unser Unternehmen ist quasi unbeschadet durch die Krise gekommen", sagt Geschäftsführer Thomas Morgenstern. Man empfinde jedoch tiefe Dankbarkeit allen Helfern gegenüber, die in Krankenhäusern oder der Pflege immense Anstrengungen zu bewältigen hatten. 

Am Standort in Dresden beschäftigt Globalfoundries 3.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 50 Nationen. Weltweit habe man die Bewältigung der Pandemie mit einer Million Dollar unterstützt. Davon kamen 35.000 Euro, die die Beschäftigten gespendet haben. Die erfahren nun weltweit von Dippoldiswalde. Der Bericht von der Einweihung des Corona-Testmobils geht ins weltweite Intranet des Unternehmens und damit an 15.000 Adressaten. "Das Mobil kommt keinesfalls zu spät, weil es ja auch vielfältig einsetzbar ist", sagt Morgenstern.

Strategiewechsel in Sachsen

Das Gesundheitsministerium verweist darauf, dass das Mobil ein wichtiges Instrument für das neue Stufenkonzept in Sachsen ist. Demnach soll ab 35 Infektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen beispielsweise der Personenkreis erweitert werden, dem Testungen kostenfrei zur Verfügung stehen.

Gesundheitsministerin Petra Köpping erklärt zum Konzept: "Wir geben den Behörden in den Landkreisen und Kreisfreien Städten eine konkrete Handlungsorientierung an die Hand, damit sie im Falle eines regionalen Anstiegs der Infektionsfälle in Abstimmung mit meinem Haus schnell und effektiv reagieren können." Zukünftig werde man es mit lokalen Ausbrüchen zu tun haben. Deshalb habe sich der Freistaat zu diesem Strategiewechsel von einem landeseinheitlichen Vorgehen hin zu regionalen oder lokalen Maßnahmen entschieden. 

Für die in den einzelnen Stufenphasen nötigen freiwilligen und verpflichtenden Testungen stellt der Freistaat rund 20 Millionen Euro zur Verfügung.

Zu den ersten, die sich probehalber in dem neuen Mobil testen ließen, gehörte auch Kerstin Körner. Erst nahm sie im Wartebereich Platz. Im zweiten Teil des großen Zeltes erfolgte die Anmeldung und Registrierung. Hier erfolgt auch die Anonymisierung des Tests mittels Barcode. Im dritten Bereich erfolgt dann die eigentliche Beprobung.

"Das Ganze ist zwei Stunden nach Eintreffen vor Ort aufgebaut und einsatzbereit", erklärt Kranich vom DRK. Das gelte bei anderen Großlagen wie Unfällen genauso wie bei einem möglichen Covid-19-Einsatz. "Es muss lediglich eine Fläche von rund 60 Quadratmetern zur Verfügung stehen", sagt Kranich. Eingesetzt werden kann es in ganz Sachsen. Deshalb ist es auch dem Landesverband des DRK zugeordnet.

Dass Dippoldiswalde als Ort für die Einweihung ausgesucht wurde, sieht Kerstin Körner als Bestätigung für die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und DRK und anderen Hilfsorganisationen wie etwa dem THW.

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