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Körnergarten wieder offen

Die Gaststätten an der Elbe tauchen nach der Juni-Flut wieder auf. Beim Aufbau denken sie an ihren Hochwasserschutz.

© steffen füssel, steffen fuessel

Von Lars Kühl

Während er zum Handy greift, gibt Max Buchbach seiner Angestellten die deutliche Ansage: „Die Glasscheibe muss noch geputzt werden.“ Das Ohr am Smartphone, spricht der 29-Jährige Details mit einem Lieferanten ab. Inzwischen klingelt das Festnetztelefon. Ein Kollege nimmt ab: „Wann wir wieder öffnen? Am Mittwoch.“ Also heute. Kein Wunder, dass es die vergangenen Tage ein wenig hektisch im Körnergarten zuging.

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Fünf Monate nach der Juni-Flut ist die Traditionsgaststätte am Blauen Wunder zurück im Geschäft. Täglich geöffnet, ab 11 Uhr, steht auf der Tafel vorm Eingang. Dafür, dass das Haus quasi komplett saniert wurde, sei der Zeitraum kurz, erklärt Buchbach, der den Körnergarten zusammen mit seinem Vater Rolf führt. Die beauftragten Handwerker hätten ganze Arbeit geleistet.

Seit 1998 ist das Ausflugsziel an der Elbe im Familienbesitz. Nach 2002 und 2006 ist es im Juni zum dritten Mal im Hochwasser untergegangen. Trotz 8,20 Meter hoher Spundwände und einem funktionierenden Pumpensystem gegen das steigende Grundwasser. Vieles sei sogar extra aus den Garagen in den Gastraum geräumt worden, erzählt Buchbach junior. Er ging davon aus, dass der eigene Hochwasserschutz ausreicht. Doch er irrte sich, denn die Elbe stieg weiter. Auf 8,70 Meter. Vom Blauen Wunder aus musste Buchbach tatenlos zuschauen, wie der Körnergarten in den Fluten verschwand.

Als er und sein Team nach einer Woche wieder hineindurften, schockierte sie das ganze Schadensausmaß: Das Wasser hatte im Erdgeschoss kurz unter der Decke gestanden, die Böden waren genauso hinüber wie die Bar und die Küche sowie das meiste Interieur. Die Fenster hatte es einfach rausgedrückt. „Eigentlich stand nur noch der Rohbau“, erinnert sich der gebürtige Niederpoyritzer. „Wir hatten Totalschaden.“

Weit über 300 000 Euro, rechnet Buchbach vor. Retten konnte er neben den Biergartenmöbeln nur einige Stühle, die der Gastwirt in den vergangenen Wochen neu polstern ließ. Und, da ist er besonders froh, den Stammtisch. Dessen Platte war zwar durch das Wasser ziemlich gebogen, konnte aber wieder aufgearbeitet werden. Überhaupt hat das Körnergarten-Team die Sanierung genutzt, um dem Haus ein anderes Antlitz zu geben. „Wenn wir es machen, dann richtig.“ Durch die neuen Farben außen, aber auch im Gastraum und dem Körnerzimmer wirke alles heller und frischer, sagt Buchbach. Außerdem wurde weiter in den Hochwasserschutz investiert.

Nicht nur, dass die Heizungs- und Elektrikanlagen komplett ins Obergeschoss ausgelagert wurden. Holzrahmen wurden durch Metallrahmen ersetzt, die Toilettentüren sind jetzt wasserabweisend, die Fußböden gefliest – trotz Holzoptik. Auch die Fenster sind nun bruchsicher, hofft der Betreiber zumindest. Das meiste in der Küche ist neu, genau wie am Tresen. Der steht mittlerweile im Übrigen nicht mehr am Rand im Gastraum, sondern frontal. „Wie es einst zu Ostzeiten war“, sagt Buchbach. Vieles im Körnergarten ist nun unkompliziert abschraubbar, um im Ernstfall schnell reagieren zu können. Denn mit der permanenten Hochwassergefahr muss sich der Loschwitzer arrangieren. „Wir leben damit. Wir profitieren ja auch mit unserer Lage von der Elbe, also nehmen wir das Risiko in Kauf.“ Noch hat die Versicherung bezahlt. „Wie es aussieht, gibt es da auch keine Kündigung“, sagt Max Buchbach.

Schillergarten renoviert weiter

Auf der anderen Elbseite, im ebenfalls hart getroffenen Schillergarten, laufen die Aufräumarbeiten inzwischen weiter auf Hochtouren. Die Schäden führten auch dort im Erdgeschoss und Keller zu einer Komplettsanierung, wie Geschäftsführer Thomas Jacob erklärt. „Wir sind in den letzten Zügen.“ Ein genaues Datum für die Wiedereröffnung kann er noch nicht nennen. „Auf jeden Fall aber im November.“

Renoviert ist dagegen das Fährhaus in Kleinzschachwitz. Seit November empfängt es wieder seine Gäste. Auch hier musste Betreiber David Förster nach der Flut einen aufwendigen Umbau anordnen. Dabei hatte der Gastronom das Haus erst im Oktober 2012 wiedereröffnet. In den vergangenen Monaten trockneten die Handwerker die Wände oder rissen sie zum Teil sogar heraus. Auch die Küche wurde komplett neu ausgestattet. Mit dem Ergebnis ist Förster zufrieden: Alles wie neu – wie wenn nie etwas gewesen wäre.