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Körse-Therme: Aus vertagt, aber nicht vom Tisch

Für die Sanierung des Bades in Kirschau soll viel Fördergeld fließen. Doch aus Sicht der Betreiber-Gemeinden ist das noch keine Lösung.

Mit seiner Stadt Schirgiswalde-Kirschau finanziert Bürgermeister Sven Gabriel über die Hälfte des Betriebes der Kirschauer Körse-Therme. Das sei nicht mehr zu stemmen, findet er und nimmt den Landkreis in die Pflicht.
Mit seiner Stadt Schirgiswalde-Kirschau finanziert Bürgermeister Sven Gabriel über die Hälfte des Betriebes der Kirschauer Körse-Therme. Das sei nicht mehr zu stemmen, findet er und nimmt den Landkreis in die Pflicht. © SZ/Uwe Soeder

Schirgiswalde-Kirschau. Beinahe hätten die Mitglieder des Zweckverbandes, der die Körse-Therme in Kirschau betreibt, am Montag eine nachvollziehbare, aber unpopuläre Entscheidung getroffen. Auf der Tagesordnung von Vertretern der Gemeinden Schirgiswalde-Kirschau, Sohland, Obergurig und Beiersdorf, die im Verbund das 22 Jahre alte Freizeitbad betreiben, stand die Abstimmung über die Schließung der Einrichtung. Der Unterhalt des Bades wächst den Gemeinden über den Kopf.

Im Vorfeld der Versammlung hatte Sven Gabriel (FDP), Bürgermeister von Schirgiswalde-Kirschau, angekündigt, den anderen Mitgliedsgemeinden die Schließung empfehlen zu wollen. Schirgiswalde-Kirschau stemmt mit 52 Prozent den größten Anteil an Unterhaltskosten für das Bad; Gabriel ist daher Vorsitzender des Zweckverbandes. 

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Seit seinen letzten Äußerungen hat sich in der Causa Körse-Therme einiges getan: Man arbeite gezielt an einer  Finanzierungsstrategie für die Sanierung des veralteten Bades, meldet Landtagsabgeordnete Patricia Wissel (CDU), die die Gespräche zwischen Verband, Landkreis und Freistaat begleitet.

Mit bis zu 85-prozentiger Förderung des zehn bis 20 Millionen Euro teuren Vorhabens könnten die Verbandsgemeinden bei Förderzusage demnach rechnen. Entsprechend verkündet Sven Gabriel am Montag kurz nach Ende der Verbandsversammlung: "Die Entscheidung über die Schließung wurde einstimmig auf den 15. Juli vertagt, ist aber noch nicht vom Tisch."

Sanierung allein löst das Problem nicht

Gabriel stellt zum wiederholten Mal klar: "Wir stimmen einer Sanierung nur zu, wenn sie nachhaltig ist." Damit stellt er ab auf die Frage, wer das zusätzliche Defizit in Höhe von etwa 400.000 Euro trägt, die dem Freizeitbad infolge der Schließung während der Corona-Pandemie entstanden sind. Er fragt aber auch, nach welchem Modell die Körse-Therme künftig betrieben werden kann.

"Auf ein 'Wir sanieren erst einmal los und dann sehen wir weiter' werden wir uns nicht einlassen. Auf diese Art wurde der Zweckverband gegründet. Das Ergebnis sieht man jetzt", stellt er klar – und hofft, dass der Kreistag in seiner Sitzung am 13. Juli über den Weiterbetrieb der Körse-Therme berät.

Zwei Möglichkeiten stehen bislang für die Finanzierung des Badbetriebs im Raum: Entweder, es müssen mehr Gemeinden in den Zweckverband eintreten und das defizitäre Bad mitfinanzieren, oder der Landkreis übernimmt als Träger den Unterhalt.

Einer möglichen Beteiligung erteilen die Bürgermeister der Umlandgemeinden eine klare Abfuhr: Es bringe nichts, wenn jetzt zwei, drei Gemeinden mehr in den Zweckverband einstiegen, heißt es aus Großpostwitz. "Der Zweckverband stürzt seine Mitglieder ins Unglück", sagt Michael Herfort (CDU) aus Wilthen. Thomas Martolock (CDU) antwortet für Cunewalde: "Sven Gabriel wird in der jetzigen Situation keine Mitstreiter finden." Auch am Verbandsvorsitzenden selbst wird Kritik laut: Er habe seine Hausaufgaben nicht gemacht, heißt es zum Beispiel.

Harsche Kritik am Verbandsvorsitzenden

Dem sei nicht so, antworten die Mitgliedsgemeinden. "Seit ich im Amt bin, haben wir darauf hingewiesen, dass die Körse-Therme mit diesem Betreiber-Konzept nicht zukunftsfähig ist. Auf unseren Brandbrief im Jahr 2018 hat nur der Landkreis geantwortet. Wir erstellen derzeit eine Machbarkeitsstudie zu Sanierung und Betrieb. Ja, die hat länger gedauert, als sie hätte dauern sollen, aber man kann uns keine Untätigkeit vorwerfen", sagt Sohlands Bürgermeister Hagen Israel (parteilos).

Seine Gemeinde trägt knapp 37 Prozent der Kosten für die Körse-Therme. Bürgermeister Thomas Polpitz (CDU) aus Obergurig zahlt knapp neun Prozent der Unterhaltskosten und teilt diese Aussage: "Seit Jahren reden wir darüber, dass wir vier kleinen Gemeinden nicht unser gesamtes Steuergeld in die Körse-Therme stecken können", sagt er.

In diesem Konglomerat aus Stimmungen und Meinungen kann momentan scheinbar nur einer helfen: Landrat Michael Harig (CDU), der seinerzeit als Bürgermeister von Sohland den Bau des Bades und die Mitgliedschaft der Gemeinde im Verbund mit trug, aber auf Anfrage von Sächsische.de am Montag nicht antwortete.

Der Landkreis soll helfen

Eine Trägerschaft des Landkreises ist aber die einzige Möglichkeit, die die Verbandsgemeinden sehen, um die finanzielle Misere der Körse-Therme zu befrieden. Begründet wird die Verantwortlichkeit mit der Besucherstruktur: Nur zehn Prozent der Gäste kommen aus den Verbands-Gemeinden. Die Bedeutung der Körse-Therme ergebe sich daher vielmehr für den Kreis.

Letztlich, heißt es sowohl aus Cunewalde als auch aus Schirgiswalde-Kirschau, sei die Situation für die gesamte Region unbefriedigend, insbesondere im Hinblick auf die Kommunikation nach außen. "Unsere Gäste nehmen doch das Angebot in der Region wahr; nicht einzelne Gemeinden", sagt etwa Sven Gabriel. Und auch Thomas Martolock findet: "Gerade jetzt, wo alle auf der Suche nach Sommerurlaub in Deutschland umherirren, können wir doch nicht sagen, dass wir die Therme schließen."

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