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Körse-Therme: Das sagt eine Mitarbeiterin

22 Jahre hat sie dem Bad die Treue gehalten, nun steht sie vor einer ungewissen Zukunft. Das drohende Aus für das Kirschauer Hallenbad trifft sie hart.

Wie geht es mit der Körse-Therme in Kirschau weiter? Die 30 Mitarbeiter leben derzeit in Ungewissheit.
Wie geht es mit der Körse-Therme in Kirschau weiter? Die 30 Mitarbeiter leben derzeit in Ungewissheit. © SZ/Uwe Soeder

Schirgiswalde-Kirschau. Auf dem Tisch vor Ines Bartz* liegt ein Blatt Papier. Ihre Notizen nehmen beide Seiten ein. Daten stehen da und Zahlen.  "Eigentlich müsste ich das alles wissen", sagt sie und lächelt verlegen. Aber in 22 Jahren vergesse man eben so manches.

22 Jahre – so lange hat Ines Bartz in der Körse-Therme in Kirschau gearbeitet, hat "den Laden mit am Laufen gehalten", wie sie sagt. Sie gehört zu jenen 20 Mitarbeitern der ersten Stunde, die bei der Eröffnung des Hallenbades im Dezember 1998 die ersten Gäste empfingen. "Davor waren wir auch schon bei den letzten Bauarbeiten dabei. Haben den Handwerkern das Zeug hinterher getragen", erinnert sie sich, denkt kurz nach und fügt hinzu: "Natürlich fühlt man sich nach so langer Zeit dem Bad verbunden."

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Schlechte Bezahlung in den ersten Jahren

Wie sie hat knapp die Hälfte der damaligen Belegschaft der Körse-Therme bis heute die Treue gehalten. "Wir haben durchgehalten", sagt Ines Bartz und erzählt von Schichtarbeit, von schlechter Bezahlung besonders in den ersten Jahren, vom zähen Ringen um Feier- und Sonntagszuschläge, von Streitigkeiten um gerechtere Löhne, die bis vors Gericht gingen. "In diesem Jahr hätten wir das erste Mal Weihnachtsgeld bekommen", sagt sie.

Doch statt Anerkennung für die geleistete Arbeit erwartet sie und den Rest der inzwischen 30-köpfigen Belegschaft nun eine ungewisse Zukunft. Vor gut einer Woche  verkündete Sven Gabriel (FDP), Vorsitzender des Zweckverbandes, der die Körse-Therme betreibt, der Belegschaft auf einer eilends einberufenen Mitarbeiterversammlung das drohende Aus des Hallenbades – vorbehaltlich der Zustimmung von Verbandsgemeinden und Rechtsaufsicht. Die Erklärung: massive Geldsorgen.

Ines Bartz erzählt, wie der Chef den Angestellten verkündete, dass er keine andere Möglichkeit sehe, als das Bad zu schließen und die Mitarbeiter zu entlassen. Während sie spricht, lässt sie sich nicht anmerken, wie tief diese Nachricht sie getroffen hat. Oder wie überrascht sie war. Das Damoklesschwert der notwendigen Badsanierung, sagt sie, habe ja schon länger über dem Unternehmen gehangen.

Wie alle Hallenbäder musste auch die Körse-Therme während der Corona-Pandemie geschlossen bleiben. Doch nun soll sie womöglich gar nicht wieder öffnen.
Wie alle Hallenbäder musste auch die Körse-Therme während der Corona-Pandemie geschlossen bleiben. Doch nun soll sie womöglich gar nicht wieder öffnen. © SZ/Uwe Soeder

Die Einnahmeausfälle durch Corona – etwa 400.000 Euro sollen es sein – kämen da nur noch zusätzlich obendrauf. "Wir Angestellten kennen ja die Technik und wissen, dass es kaum noch Ersatzteile für die alte Anlage gibt. Wann immer etwas kaputt ging, hatten wir die Befürchtung, dass das jetzt der Todesstoß gewesen sein könnte", sagt sie.

Die Gewissheit, dass es nun ernst werden könnte, drang zu ihr und ihren Kolleginnen und Kollegen nur langsam durch. "Als wir wegen Corona schließen mussten, haben wir uns gefragt, warum Gabriel uns nicht in Kurzarbeit schickt", sagt sie. Damals hätten sie noch gedacht, die Hallenbäder wären unter den letzten Einrichtungen, die nach der Schließung wieder öffnen dürften; rechneten damit, erst im August wieder arbeiten gehen zu können.

Finanzielle Lage des Bades war kein Geheimnis

Nach dem Ende der Ausgangssperre im April traf sich ein Teil der Belegschaft aus eigener Initiative an der Körse-Therme, um die Außenanlage zu pflegen. Als im Mai die Erlaubnis zur Öffnung kam, blieb es ruhig um die Geschäftsleitung. Aus der Zeitung erfuhr die Belegschaft, dass die Körse-Therme weiterhin geschlossen bleiben würde. Auf Nachfragen habe der Verbandsvorsitzende nicht reagiert. "Nichts. Schweigen im Walde", sagt Ines Bartz.

Dabei sei es keinesfalls so, dass die finanzielle Situation des Freizeitbades ein Geheimnis gewesen wäre: "Sven Gabriel hat immer offen kommuniziert, dass die Mitgliedsgemeinden allein den Unterhalt des Bades nicht stemmen können", betont Bartz mehrmals.

Auf die Frage, wie die Stimmung in der Belegschaft derzeit sei, antwortet Ines Bartz mit einem Wort: "verhalten". Man wisse ja nicht, was als nächstes passiert. Gabriel habe erklärt, wer sich bereits nach einer neuen Stelle umsehen wolle, könne das tun. Auch im Falle einer Kündigung durch den Arbeitnehmer wolle man jedem eine Abfindung zahlen. Einige der Kollegen dächten darüber nach, das Angebot anzunehmen. Andere würden nach dem Ende der etwaigen Kündigungsfrist in den Ruhestand gehen. Insgesamt seien die Aussichten nicht so rosig.

Auf die Frage, welche Pläne sie für die Zukunft hat, falls die Körse-Therme wirklich schließt, antwortet Bartz ausweichend. Umso klarer sagt sie, was sie sich wünscht: "Die Körse-Therme soll wieder öffnen."

*Name von der Redaktion geändert

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