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Fünf Fragen zur Zukunft der Körse-Therme

Bislang hat sich der Landkreis nicht eindeutig zum Weiterbetrieb des Kirschauer Freizeitbades positioniert. Was bedeutet das für Besucher, Mitarbeiter und Betreiber?

Sven Gabriel, Bürgermeister von Schirgiswalde-Kirschau und Chef des Zweckverbandes, der die Körse-Therme betreibt, hat zur Zeit keinen leichten Job. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat das Bad geschlossen. Wann und ob es wieder öffnet, ist unklar.
Sven Gabriel, Bürgermeister von Schirgiswalde-Kirschau und Chef des Zweckverbandes, der die Körse-Therme betreibt, hat zur Zeit keinen leichten Job. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat das Bad geschlossen. Wann und ob es wieder öffnet, ist unklar. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen/Kirschau. Mit Spannung erwarteten die Mitglieder des Zweckverbandes Körse-Therme die Kreistagssitzung am vergangenen Montag. Dort – so die Hoffnung der Kommunen – sollte der Kreistag über den Weiterbetrieb des defizitären Hallenbades entscheiden. Doch zu einem Beschluss kam es nicht. Stattdessen blieb es bei einer Information der Räte durch Landrat Michael Harig (CDU). Was bedeutet das jetzt für das Freizeitbad und den Zweckverband?

Ist die Schließung der Körse-Therme vom Tisch?

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Nein. Obwohl Harig die Kreisräte darüber informierte, dass man die Einrichtung nicht verlieren wolle, stellte er klar: "Mehr kann bei allem guten Wollen zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden."

Fakt ist: Dem Kreis liegt ein Antrag der Stadt Schirgiswalde-Kirschau und der Gemeinden  Sohland, Obergurig und Beiersdorf vor, die den Zweckverband Körse-Therme bilden. Inhalt des Antrages ist die Übernahme des Hallenbades durch den Landkreis. Hierfür bedürfte es einer neuen Rechtsform. Um den laufenden Geschäftsbetrieb abzusichern, müssten die Räte außerdem einer Übernahme der Defizite zustimmen. Sie entstehen, sobald das Bad seine Türen wieder für Besucher öffnet.

Das Landratsamt hat zu diesen Fragen eine Arbeitsgruppe gebildet. Deren Aufgabe ist es, die komplexe Gemenge-Lage rund um die Causa Körse-Therme aufzuarbeiten und in der Folge ein funktionierendes Betreibermodell zu erarbeiten.

Wenn der Kreistag im September zu seiner nächsten Sitzung zusammenkommt, soll auf Grundlage der Ergebnisse der Arbeitsgruppe ein Grundsatzbeschluss zum Antrag des Zweckverbandes gefasst werden. Erst danach wird sich zeigen, ob die Rettung des Bades auf gutem Wege ist oder Mitarbeiter und Besucher weiter bangen müssen.

Macht die Körse-Therme im Herbst wieder auf, wenn der Kreistag zustimmt?

Auch das ist alles andere als sicher. Neben der zentralen Frage, ob der Kreis den Zweckverband übernimmt, ist auch die Frage nach der Übernahme der Kosten bei der Wiedereröffnung des Bades von großer Bedeutung

Lehnen die Räte das ab, und der Verband öffnet die Therme trotzdem, blieben Schirgiswalde-Kirschau, Sohland, Obergurig und Beiersdorf auf den neuen Defiziten sitzen und müssten außerdem Einnahmeausfälle tragen, die infolge der Corona-Pandemie entstanden sind. Möglich ist, das der Zweckverband unter diesen Umständen die Schließung des Bades beschließt.

Entscheidet er sich anders, müssten die Kommunen an anderer Stelle sparen und freiwillige Aufgaben massiv einschränken. Für die größte Mitgliedsgemeinde Schirgiswalde-Kirschau wäre dann etwa fraglich, ob es in den kommenden Jahren Veranstaltungen wie Fasching oder den Weihnachtsmarkt noch gibt. In Sohland, der zweitgrößten Mitgliedsgemeinde, würde vermutlich unter anderem der Weiterbetrieb des Freibades in Taubenheim geprüft.

Selbst wenn die Kreisräte im September dem Antrag in vollem Umfang zustimmen, ist fraglich, ob das Bad direkt wieder öffnet. Denn auch die notwendige Sanierung der Einrichtung stünde dann zur Debatte. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten im Frühjahr kommenden Jahres beginnen. Ob daran festgehalten wird und ob es sich finanziell lohnt, das Hallenbad bis zur Sanierung zu öffnen, ist derzeit noch völlig unklar.

Welche Möglichkeiten hat der Kreis, sich am Badbetrieb zu beteiligen?

Im Wesentlichen hat der Kreis drei Möglichkeiten, den Weiterbetrieb der Körse-Therme unter kommunaler Führung zu sichern. Nicht alle sind gleich wahrscheinlich.

Möglichkeit 1: Der Kreis erhöht massiv seine Zuschüsse, der Zweckverband betreibt auf dieser Grundlage die Körse-Therme weiter. Diese Verfahrensweise verfolgt der Landkreis bereits seit 2018. Damals waren Zuschüsse in Höhe von 500.000 Euro notwendig geworden, um die Körse-Therme weiterbetreiben können. Der Kreis zahlte die Hälfte, die Verbandsgemeinden teilten sich entsprechend ihrer Anteile in den Rest. Gleiches passierte im darauffolgenden Jahr, als wiederum Zuschüsse in Höhe von 400.000 Euro notwendig wurden. Unwahrscheinlich ist, dass der Kreistag diese Form der Unterstützung weiterhin beibehält. Wie die vergangenen Jahre gezeigt haben, vertagt diese Verfahrensweise nur das Problem, löst es aber nicht.

Möglichkeit 2: In der Kreistagssitzung am Montag sprach Michael Harig offen über die Option, als Landkreis dem bereits bestehenden Zweckverband beizutreten. Zwei Gründe gibt es, die diese Variante unwahrscheinlich erscheinen lassen: Zum einen bemisst sich die Höhe der prozentualen Beteiligung, die die Verbandsmitglieder zum Betrieb der Körse-Therme beisteuern müssen, anhand der Nähe zum Bad und der Zahl der Einwohner. Wie anhand dieser Faktoren der Beitrag des Kreises bemessen werden sollte, ist unklar. Damit der Landkreis Mitglied im Verband werden kann, müsste außerdem dessen Satzung geändert werden, die Verbandsmitglieder müssten dem Beitrittsgesuch zustimmen. Das alles ist ein umfangreicher formaler Prozess, der kurzfristig nicht umzusetzen wäre.

Möglichkeit 3: Der Kreis übernimmt die Trägerschaft für die Körse-Therme komplett. Denkbar wären hierbei verschiedene Rechtsformen. Der Kreis könnte das Bad etwa als Eigenbetrieb weiterführen, wie es zum Beispiel die Gemeinde Cunewalde mit der Blauen Kugel macht. Auch die Überführung des Unternehmens in eine Gesellschaft wäre denkbar. So handhabt es etwa der Landkreis Görlitz, der der größte Gesellschafter der Trixi Bad GmbH in Großschönau ist.

Was ist mit den Mitarbeitern des Bades?

Aus Mitarbeiterkreisen heißt es, momentan seien die 30 Angestellten der Körse-Therme in Kurzarbeit. Darüber hinaus haben die Mitarbeiter bislang noch keine Informationen bekommen, wie es in Zukunft mit ihren Arbeitsplätzen weitergehen soll.

Aus internen Kreisen heißt es aber, dass für jeden der Angestellten in jedem Fall eine individuelle Lösung gefunden werden soll.

Was passiert mit der Immobilie, wenn die Körse-Therme endgültig schließen muss?

Über diese Option redet momentan niemand gern. Fakt ist: Das Hallenbad ist ein Zuschussgeschäft und darüber hinaus dringend sanierungsbedürftig. Ein Weiterbetrieb als Bad durch einen privaten Investor ist unwahrscheinlich.

Die Immobilie leerstehen zu lassen, ist ebenfalls keine Option. Denn selbst dann verursacht die Therme monatliche Unterhaltskosten in Höhe von rund 18.000 Euro.

Wollte man der Immobilie eine neue Nutzung geben, würde das unkonventionelle Denkweisen und vermutlich viel Mut der Mitgliedsgemeinden erfordern. 

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