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Bautzen

Kofferärger im Flixbus

Eine Bautzenerin nutzte die Busverbindung Bautzen – Berlin. Auf der Rückfahrt vergaß der Fahrer, ihr Gepäck rauszustellen. Das ist bis heute verschwunden.

An dieser Flixbus-Haltestelle an der Schliebenstraße in Bautzen vergaß der Fahrer, einen Koffer aus dem Gepäckfach zu holen.
An dieser Flixbus-Haltestelle an der Schliebenstraße in Bautzen vergaß der Fahrer, einen Koffer aus dem Gepäckfach zu holen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Es war eine schöne Reise nach Berlin zu ihrer Nichte. Die Bautzenerin hatte alles gut geplant. Sie war mit dem Flixbus nach Berlin gefahren und auch wieder zurück. „Das sind schöne Busse, man sitzt sehr bequem“, sagt die ältere Dame. Doch das Ende ihrer Reise gefällt ihr gar nicht. Denn in Bautzen angekommen, bekam sie ihren Koffer nicht.

Was war geschehen? Der Bus kam an diesem Tag mit Verspätung in Bautzen an der Schliebenstraße an. Über eine Stunde später. Der Frau ist klar, dass der Busfahrer dadurch Stress hatte. Sie stieg mit einer weiteren Frau aus und wartete an einer Seite des Busses an der Gepäckluke. Die andere Frau stand auf der anderen Seite. Sie bekam ihren Koffer. Wer nun denkt, dass der Busfahrer sich umdrehte und nach dem zweiten Koffer schaute, der sieht sich getäuscht. Genauso wie die Bautzenerin. „Der Fahrer drehte sich nicht um, schloss die Klappe, ging um den Bus, stieg ein und fuhr los. Ich war wie erstarrt“, erinnert sich die über 80-Jährige. Auch der Taxifahrer, der auf sie wartete, staunte nicht schlecht. Auf die Idee, den Bus mit der Taxe zu verfolgen, kamen sie aber nicht.

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Was danach begann, war eine Odyssee der Telefonate und E-Mails. „Meine Nichte hat gleich eine E-Mail an Flixbus geschrieben, später hat sie auch angerufen“, sagt die Geschädigte. Die Kollegen in der Kundenbetreuung seien immer sehr freundlich gewesen, meinten aber, dass es mindestens zwei Wochen dauern würde, ehe der Koffer an der zentralen Stelle wäre, wo vergessenes Gepäck gelagert wird. Doch der Koffer kam dort nicht an. Da die Bautzenerin zehn Tage verreist war, hatte sie eine Menge im Koffer gehabt. „Ich hatte mir neue Sachen gekauft, auch ein Fön und gute Kosmetik waren im Koffer“, sagt sie. Sie schätzt den Wert auf rund 1 000 Euro.

Kein Ersatz möglich

In der Pressestelle von Flixbus ging man der Sache auf den Grund. Allerdings stellte sich heraus, dass sich die Schilderung, die im Kundenservice vorlag, von der der Bautzenerin unterschied. „Da hieß es, dass die Passagierin nach dem Aussteigen zunächst ein Taxi aufgesucht hat und erst danach zum Bus zurückkehrte, der inzwischen offenbar abgefahren war. So ist es natürlich möglich, dass ein anderer Fahrgast in der Zwischenzeit versehentlich den Koffer an sich genommen hat. In diesem Fall haftet Flixbus nicht für den Verlust“, sagt Sprecher Sebastian Meyer. Doch dem widerspricht die Frau vehement. „Wer soll denn den Koffer genommen haben?“, fragt sie. Noch zumal ein großes Adressschild am Koffer angebracht gewesen sei. Wenn jedoch am Endpunkt der Busreise noch ein Koffer im Gepäckraum gewesen wäre, hätte es Flixbus mitbekommen. Diese Gepäckstücke werden dann an eine zentrale Stelle gebracht. „Flixbus befördert mittlerweile viele Tausend Reisende täglich. Mit steigenden Fahrgastzahlen erhöhen sich auch das Volumen des beförderten Gepäcks und damit die Zahl der verlorenen oder vergessenen Gegenstände im Bus. Meist handelt es sich um Verwechslungen“, sagt Meyer.

Ersatz bekommt die Frau nicht, auch nicht über ihre Versicherung. Der Verlust von Reisegepäck ist nicht in ihrer Hausratversicherung enthalten. „Dafür hätte ich eine extra Versicherung abschließen müssen“, sagt sie. Das bestätigt die Verbraucherzentrale. „Der Verlust von Reisegepäck ist nur in der Hausratversicherung enthalten, wenn der sogenannte Außenversicherungsschutz mitversichert ist“, sagt Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale.

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