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Kollwitz-Haus sagt Jubiläums-Projekte ab

Corona bremst auch das kleine Museumsteam in Moritzburg aus. Doch nicht nur diese Einschränkungen bereiten im 25. Jahr des Bestehens Sorgen.

Im April 1995 konnte durch die im Jahr zuvor gegründete Käthe-Kollwitz-Stiftung in Moritzburg ein Gedenkort für die große Künstlerin eröffnet werden. Das 25-jährige Jubiläum steht unter keinem guten Stern.
Im April 1995 konnte durch die im Jahr zuvor gegründete Käthe-Kollwitz-Stiftung in Moritzburg ein Gedenkort für die große Künstlerin eröffnet werden. Das 25-jährige Jubiläum steht unter keinem guten Stern. © Norbert Millauer

Moritzburg. Der 50. Todestag von Käthe Kollwitz bot 1995 einen würdigen Anlass, um im Sterbehaus der bedeutenden Künstlerin einen Erinnerungsort an sie und ihr Werk zu eröffnen. Vorausgegangen war dem ein Jahr zuvor die Gründung einer Stiftung durch die Kreissparkasse Köln und die Gemeinde Moritzburg, mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem Freistaat Sachsen, der Familie Kollwitz, dem Schloss Moritzburg und dem Freundeskreis Käthe Kollwitz e. V. als weitere Mitglieder.

So konnte die seit Jahrzehnten bestehende Idee verwirklicht werden, den Gebäudekomplex des früheren Rüdenhofs umfassend zu sanieren und darin ein Museum zu eröffnen. Seitdem erhalten Besucher in dem einzigen noch existierenden authentischen Aufenthaltsort der Künstlerin nicht nur einen Überblick über mehr als 50 Jahre ihres künstlerischen Schaffens. Regelmäßig werden Sonderausstellungen gezeigt und eine Druckwerkstatt ermöglicht es, selbst kleine Radierungen herzustellen und zu drucken. Unter anderem im Rahmen gern genutzter museumspädagogischer Angebote.

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In der kommenden Woche - am 22. April, dem Todestag - sollte nun das 25. Bestehen des Hauses begangen und gefeiert werden. Mit einem Festakt in der Kirche und einer Jubiläums-Ausstellung. Beides wurde nun abgesagt. „Da nicht klar ist, wann Museen wieder öffnen dürfen und die geplante Ausstellung mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden ist, wird sie dieses Jahr definitiv nicht mehr stattfinden“, sagt Sabine Hänisch, die Leiterin des Hauses. 

„Wir werden uns mit den Künstlern in Verbindung setzen, um einen neuen Termin abzusprechen.“ Geplant war, dass 25 Künstlerinnen und Künstler aus der Region Selbstporträts ausstellen. „Ob Grafik oder Malerei war freigestellt.“ Die Idee dabei sei gewesen, dass die Kollwitz sich sehr oft selbst gezeichnet hat, wie auch in der Dauerausstellung zu sehen ist.

Während die Jubiläumsschau also vorerst auf Eis gelegt wurde, hofft Sabine Hänisch, dass die beiden weiteren geplanten Ausstellungen im Jahresverlauf wie vorgesehen gezeigt werden können. So soll eine Schau zum 80. Geburtstag des Dresdner Malers Klaus Drechsler Mitte Juni eröffnet werden. Im Herbst soll dann mit Jochen Stankowski ein gleichaltriger Jubilar gewürdigt werden, „mit dem wir seit 15 Jahren eng zusammenarbeiten“, ergänzt die Museumschefin.

Seit seiner Eröffnung habe das Käthe-Kollwitz-Haus rund 125.000 zahlende Besucher gezählt. Dazu kommen Gäste bei Ausstellungseröffnungen, Veranstaltungen, Schulklassen und Teilnehmer an Angeboten der Museumspädagogik. „Unsere zentrale Aufgabe ist es, das künstlerische Erbe und das humanistische Gedankengut der Kollwitz zu vermitteln“, so Sabine Hänisch.

 Denn in der DDR sei das sehr einseitig dargestellt worden. „Bei Führungen bekommen wir da sehr viele positive Reaktionen.“ Bei Besuchen von Schulklassen könne jungen Leuten in der Ausstellung ein wichtiger Teil deutscher Geschichte an einem ganz persönlichen Schicksal näher gebracht werden.

Das Kollwitz-Haus im früheren Rüdenhof in Moritzburg ist der einzige noch existierende authentische Aufenthaltsort der Künstlerin. Hier ist sie am 22. April 1945 gestorben.
Das Kollwitz-Haus im früheren Rüdenhof in Moritzburg ist der einzige noch existierende authentische Aufenthaltsort der Künstlerin. Hier ist sie am 22. April 1945 gestorben. © SZ/Sven Görner

Ein wichtiger Punkt der Arbeit des Kollwitz-Hauses ist aber auch die praktische Beschäftigung mit grafischen Techniken. In der kleinen Werkstatt können sich Kinder und Erwachsene bei zahlreichen Angeboten damit vertraut machen. „Was auch dazu beiträgt, dass diese nicht verloren gehen.“ Mit dem Umzug im vergangenen Jahr aus den Museumsräumen im Hauptgebäude in neu geschaffene im Vorderhaus, haben sich die Möglichkeiten der Grafikwerkstatt deutlich verbessert.

Zur Bilanz der vergangenen 25 Jahre gehören rund 100 Sonderausstellungen. Waren es über eine lange Zeit meist vier pro Jahr, ermöglichte der finanzielle und personelle Rahmen zuletzt nur noch jährlich drei. Genutzt wurde und wird das Gelände des Kollwitzhauses aber auch für Veranstaltungen. Wie die Sonnenwendfeuer, das Adventsleuchten oder die Chorfeste. In diesem Jahr soll das Haus erstmals in den Moritzburger Kunstsommer eingebunden werden. So ist es jedenfalls geplant.

Einen wichtigen Beitrag zum Erfolg des Hauses liefert nach wie vor der Freundeskreis, betont Sabine Hänisch. Sei es nun durch Arbeitseinsätze auf dem Gelände, die personelle Unterstützung von Veranstaltungen oder finanzielle Zuwendungen.

Da der April und Mai neben dem September und Oktober zu den Hauptbesuchsmonaten zählen, weiß die Leiterin noch nicht, wie die damit verbundenen Ausfälle kompensiert werden können. Noch schwerer wiegt aber etwas anderes. Seit der Kulturraum vor zwei Jahren seine Förderung zurückgefahren hat, herrsche permanente Unsicherheit.

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