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Neowise: Unheimlicher Gast am Himmel über Sachsen

Der Komet Neowise kommt aus den Tiefen des Alls und ist jetzt jeden Abend mit bloßem Auge zu sehen. Danach ist er für Ewigkeiten wieder weg.

Wer Neowise noch so gut sehen will, sollte sich beeilen, denn seit 3. Juli entfernt sich der Komet bereits wieder von der Sonne und damit aus dem Licht. Der Schweif wird kleiner und ist schließlich kaum noch erkennbar.
Wer Neowise noch so gut sehen will, sollte sich beeilen, denn seit 3. Juli entfernt sich der Komet bereits wieder von der Sonne und damit aus dem Licht. Der Schweif wird kleiner und ist schließlich kaum noch erkennbar. © Ronald Bonß

Es ist der 27. März dieses Jahres. Auf den Bildschirmen des Jet Propulsion Laboratory der Nasa taucht ein verdächtiger heller Punkt auf. Der war noch nie da. Keine vier Monate ist dies her. Inzwischen ist der ferne Punkt im All ein Komet, der sogar mit bloßem Auge beobachtet werden kann.

Neowise ist da. Rast vorbei und ist wieder weg. Für mehr als 6.000 Jahre verschwindet dieser fünf Kilometer große Komet zurück in die Tiefen des Alls, ehe er von der Erde aus wieder einmal zu sehen sein wird.

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Neowise liefert nun ein Spektakel am frühen Abendhimmel, das von Sachsen aus fantastisch zu beobachten ist. Der Komet mit seinem Schweif wird bei Einbruch der Dunkelheit im Nordosten dicht über dem Horizont sichtbar.

Etwas unterhalb vom Großen Wagen abgeparkt zieht er dann mit den Sternen die ganze Nacht über sichtbar seine Bahn. Nacht für Nacht. Aber seine Leuchtkraft nimmt ab, und er wird irgendwann selbst für Satelliten unsichtbar. Neowise ist dann wieder im Dunkel des Alls verschwunden. Dorthin, wo unzählig viele Eisbrocken noch ihre Bahnen ziehen. Nahezu unsichtbar jagen diese kalten, dunklen Besucher heran. Sie nähern sich aus weit entfernten Regionen des Sonnensystems, der Oortschen Wolke und aus dem näheren Kuipergürtel jenseits der Neptunbahn.

Zuletzt war vor 23 Jahren ein Komet so gut zu sehen

Hin und wieder ausgelöst durch die Anziehungskräfte der Planeten oder durch Kollisionen driften einige der Eis-Staub-Objekte bis zu uns ins innere Sonnensystem. 70.000 solcher Himmelsobjekte soll es im Kuipergürtel geben, die größer als 100 Kilometer im Durchmesser sind. Sehr viel mehr viel kleinere Objekte gibt es außerdem noch dort. Dabei handelt es sich vor allem um Kometen.

Es sind schlichtweg die Reste, die bei der Bildung des Sonnensystems aus einer gigantischen Staubwolke vor 4,5 Milliarden Jahren übrig geblieben waren. Staub, Gase, Eis sind die Zutaten für Kometen.

© Ronald Bonß

Sichtbar werden Kometen nur in Sonnennähe. Wenn die Sonne sie auftaut, dann erzeugen sie ihren Schweif. Dann entströmen Gase und Staub ins All. Zehn bis 50 Tonnen sind es jede Sekunde. Die liefern uns genau jenes Himmelsschauspiel, wie wir es derzeit erleben. Bis zu 100 Millionen Kilometer ist dann so ein Schweif lang. Mit bloßem Auge ist nur der helle Ansatz davon zu sehen.

23 Jahre ist es her, dass man von Sachsen aus einen Kometen so gut beobachten konnte wie derzeit Neowise. Hale-Bopp war dies 1997. Auch der kommt erst in 2.500 Jahren wieder vorbei. Doch manchmal ergeben sich solche faszinierenden Himmelsspektakel eben auch sehr kurzfristig – so wie eben jetzt.

© Ronald Bonß

Das macht Kometen nicht nur faszinierend, sondern auch gefährlich. Sie sind kalt und daher dunkel. Sie werden selbst mit Weltraumteleskopen astronomisch gesehen erst in letzter Sekunde entdeckt. Einige von ihnen kreuzen die Erdbahn. Die unzähligen Narben auf dem Mond zeugen von den Einschlägen vergangener Zeiten. Und Kometen sind eine der größten Bedrohungen aus dem All für die Erde. Einen wirklichen Schutz gibt es bisher nicht, nur Ideen und vage Konzepte der Raumfahrtagenturen. Auch deshalb macht die Nasa-Satellitenmission Neowise Jagd auf solch unbekannte Himmelsobjekte. Der nach ihr benannte Komet Neowise ist eines davon.

Am 23. Juli steht dieser Komet der Erde am nächsten. Dann beträgt seine Entfernung 103 Millionen Kilometer. Das entspricht ungefähr zwei Dritteln des mittleren Abstands der Erde zur Sonne. Doch es ist sehr unwahrscheinlich, dass Neowise dann noch so gut wie derzeit zu sehen sein wird. Seit 3. Juli entfernt sich der Komet bereits wieder von der Sonne und damit aus dem Licht. Der Schweif wird kleiner und ist schließlich kaum noch erkennbar.

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So bleibt die Chance auf gute Sicht vor allem an den nächsten Abenden. Nach Sonnenuntergang, wenn es dunkel genug geworden ist. Am besten im Gebirge, draußen jenseits der Stadt auf einer Wiese oder an einem dunklen Fleck in der Stadt. Dann scheint Neowise herab.

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