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Kommen jetzt mehr Touristen nach Meißen?

Stadtmarketing-Chef Christian Friedel erklärt im Interview, wie er trotz Corona Menschen in die Stadt locken möchte.

Christian Friedel leitet das Amt für Stadtmarketing, Tourismus und Kultur. Wie er mehr Touristen nach Meißen holen will.
Christian Friedel leitet das Amt für Stadtmarketing, Tourismus und Kultur. Wie er mehr Touristen nach Meißen holen will. © Claudia Hübschmann

Was hat sich für Sie dieses Jahr aufgrund von Corona geändert, Herr Friedel?

Sehr viel, wir mussten unsere gesamte Marketingplanung ändern und an die neue Situation anpassen. Es wurde ein dreistufiges Soforthilfe-Maßnahmenpaket geschnürt, welches sofort nach dem Inkrafttreten der ersten Geschäftsschließungen gestartet wurde. Ziel, des sich an den von der Landesregierung beschlossenen Schritten orientierenden Paketes ist es, die vom Tourismus abhängigen Akteure während, sowie nach der Corona-Pandemie durch die Intensivierung von Marketing- und Kommunikationsaktivitäten zu unterstützen.

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Was umfasst Ihre Strategie?

Zum Beispiel die „Tante Emma“-Kampagne, die erste Stufe. In dieser wurde dafür geworben, dass Meißner während der Geschäftsschließungen nicht online kaufen, sondern danach vor Ort. Die zweite Stufe setzte dann nach den ersten Öffnungen ein und bewarb die Meißner Geschäfte. Die dritte Stufe verfolgt nun vor allem das Ziel, Tages- sowie Übernachtungsgäste für einen Besuch in Meißen zu begeistern, aber auch Meißnerinnen und Meißner dazu zu bewegen, Restaurants, Geschäfte sowie Freizeiteinrichtungen zu frequentieren.

Wie wollen Sie das erreichen?

Zum einen durch die Einführung eines Onlinebuchungsservice, welcher die Online-Buchbarkeit, hauptsächlich kleiner und mittelständiger Unterkunftsbetriebe verbessert oder überhaupt erst möglich macht. Weiterhin haben wir eine Großplakat- sowie Online-Kampagne namens „Romantik pur, zum Greifen nah.“ ins Leben gerufen. In Kürze werben wir auf über 200 Großplakaten und mehr als 100 City-Light-Postern in Großstädten der benachbarten Bundesländer und in Sachsen für einen Besuch in Meißen. Neben vielen anderen Aktionen wurden 2.000 Gutscheine für kostenlose Stadtführungen an Corona-Helfer verteilt. Mit der Postkarten-Aktion "Meißner laden nach Meißen ein! bitten wir Bürgerinnen und Bürger dabei zu helfen, Meißen nach Corona wieder zu beleben. Zusätzlich schalten wir verstärkt Anzeigen in überregionalen Printmedien und Werbung in Dresdens Straßenbahnen. Damit wollen wir jetzt die Leute in Deutschland aufrufen, zu uns zu kommen. Dafür muss man überall sichtbar sein.

Die Werbung beschränkt sich erstmal auf Sachsen, oder?

Nein, nicht nur. Mit unserem Slogan „Romantik pur, zum Greifen nah“ sind wir in sächsischen Ballungsgebieten und umliegenden Bundesländern vertreten. Ganz konkret in Potsdam, Erfurt, Jena, Nürnberg, Chemnitz, Dresden, Leipzig, Berlin, Magdeburg, Halle, Cottbus und Bayreuth. Zudem werden wir in ausgewählten Großstädten des restlichen Bundesgebietes werben, jedoch dann nicht mit dem Zusatz „zum Greifen nah“. Auch Tschechien und Polen ist Ziel unserer Marketingaktivitäten. Dafür sind unsere Imageflyer extra auf Tschechisch und Polnisch produziert worden. Die Flyer gehen nun mit der Tagespost an Haushalte in Ústí nad Labem und Děčín . Im August kommt eine Verteilung in Prag sowie in ausgewählten Städten in Polen hinzu. 

Was hat es mit dem angesprochenen Onlinebuchungsservice auf sich?

Viele kleine Gastgeber sind online nicht buchbar. Der Onlinebuchungsservice ist ein Unternehmen, das dafür sorgt, dass die kleinen Gastgeber online buchbar sind, und zwar ohne großen Aufwand. Das kostet die Gastgeber eine Provision, wenn es zu einer Buchung kommt. Seit den Infoveranstaltungen im Frühjahr melden sich fast täglich neue Beherbergungsbetriebe an. Das ist für uns ein Erfolg. Einige Gastgeber merken schon jetzt, dass sie vielmehr Reservierungen haben, seitdem sie durch OBS auf den großen Buchungsportalen vertreten sind. Im besten Fall spricht sich das unter den Gastgebern weiter herum. Mit dem Ziel, die Übernachtungszahlen sämtlicher Beherbergungsbetriebe zu erhöhen.

Ist Ihr Marketing deshalb erfolgreich?

Unsere Marketingaktivitäten tragen neben den Bemühungen vieler anderer Partner dazu bei, dass sich die Stadt wieder mit Besuchern füllt. Wir haben regelmäßige Gespräche mit unseren Hoteliers, welche den Anstieg der Übernachtungszahlen seit Pfingsten bestätigen. Auch die Buchungen der Stadtführungen in der Tourist-Information nehmen wieder zu. Wir sind zuversichtlich, dass die Übernachtungszahlen weiter steigen werden. Deswegen arbeiten wir hart daran, die Leute nach Meißen zu locken. Aber nicht nur mein Amt, sondern auch unsere Wirtschaftsförderung und das Quartiersmanagement haben sich in den Corona-Monaten um die Gewerbetreibenden gekümmert. Wir vom Stadtmarketing sind da nur ein kleiner Teil. 

Welche Rückmeldungen gibt es denn von den Gewerbetreibenden?

Sie sind dankbar, dass wir Projekte wie die „Tante Emma“-Kampagne gestartet haben. Viele sehen es als sehr positiv an, dass noch mehr als sonst für die Stadt geworben wird. Hunderte Betriebe und damit mehrere Tausend Arbeitsplätze sind direkt oder indirekt von den Gästen aus Nah und Fern abhängig. All diese Unternehmen profitieren davon, dass in Meißen viele Partner dazu beitragen, dass die Stadt ein immer beliebter werdendes Reiseziel ist. Mit über 170.000 Übernachtungen erzielten wir 2019 die besten Zahlen seit Beginn der Aufzeichnungen. Ich bin zuversichtlich, dass wir diesen positiven Trend nach Corona fortsetzen können. 

Welche mittelfristigen Pläne haben Sie sonst noch?

Ab dem 1. August wird die neue Kulturreferentin ihren Dienst antreten. Dies bedeutet, dass auch im Bereich Kultur noch mehr gemacht werden kann. Der Schwerpunkt der Arbeit des Amtes liegt gegenwärtig auf Stadt- und Tourismus-Marketing. Aus Mitteln der Gästetaxe werden wir Fahrradfahrer-Rastplätze einrichten. Die Zahl der Fahrradtouristen nimmt stetig zu, weswegen auch die Infrastruktur optimiert werden muss. Sobald der Haushalt genehmigt ist, wollen wir deshalb die Rastplätze mit Fahrradboxen, E-Bike Aufladung und Servicestation an zwei Standorten errichten: am Kändlerpark und am Roßmarkt. Außerdem planen wir eine Bestandsanalyse der touristischen Ausschilderung sowie der Ausschilderung und Ausstattung der Wanderwege. Ein externes Planungsbüro erarbeitet anschließend ein Konzept, um die Beschilderung und Ausstattung im nächsten Jahr zu optimieren. Darüber hinaus arbeiten wir daran, im Januar und Februar 2021 eine Eislaufbahn in die Altstadt zu bekommen, um die besucherschwachen Monate für die Gewerbetreibenden zu verbessern. Zwar ist das noch nicht hundertprozentig sicher, aber es wird immer wahrscheinlicher, da schon einige Sponsoren und Unterstützer gefunden wurden.

Sind Sie zufrieden, was Sie in den vergangenen fünf Jahren erreicht haben?

Wir haben unsere Übernachtungszahlen drastisch gesteigert. Zwar hatten wir im April 2020 wegen Corona einen Rückgang von 95 Prozent, wie alle anderen Touristenstädte auch, 2019 war jedoch das beste Jahr bisher mit 171.000 Übernachtungen. Das ist nicht nur Verdienst des Amtes für Stadtmarketing, Tourismus und Kultur. Wir haben viele Partner in Meißen. Ob Gewerbe-, Kunst- und Kulturverein, "Mit Zahnrad und Zylinder e. V." aber auch viele private Aktivitäten. Wir haben viele große und kleine Veranstaltungen und Projekte, die alle dazu beigetragen haben, dass Meißen zu den Kommunen mit dem größten touristischen Wachstum im Sächsischen Elbland gehört und auch für Einheimische immer attraktiver wird. Mittelfristig wünschen wir uns daher mehr als 200.000 Übernachtungen pro Jahr.

Das Gespräch führte Martin Skurt.

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