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Corona: Wir sind bislang gut gefahren

Das Infektionsrisiko im Landkreis Görlitz ist gering. Das fördert Übermut. Aber das ist falsch, wie auch ein Blick zurück zeigt. Ein Kommentar.

© dpa, Nikolai Schmidt

Corona hat uns fest im Griff. Mancher kann es nicht mehr hören. Das hat mit dem täglichen Blick auf die Infizierten-Zahlen zu tun. Sie sind im Landkreis Görlitz gering. Genauso wie das Infektionsrisiko. Das ist gut so. Manch einem reicht das aber nicht zur Beruhigung. Er stellt abstruse statistische Berechnungen ins Netz. Sie sagen nichts aus über Corona wie die Geschichte der geborenen Thiemendorferin zeigt. Dass die Erkrankung nach einer akuten Phase in eine chronische treten kann, ist ein Phänomen, das gar nicht so neu ist. Schon bei der Spanischen Grippe gab es solche Fälle.

Ohnehin ist ein Vergleich mit der Pandemie vor 100 Jahren durchaus interessant. Die britische Wissenschaftsjournalistin Laura Spinney schrieb vor drei Jahren ein Buch über die Pandemie von 1918/1919. Damals infizierten sich Millionen Menschen. Sie schreibt von mehr als 50 Millionen Toten, die die Grippe  dahinraffte. Drei Wellen suchten die Welt damals heim: Die zweite war die Schlimmste.

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Die Menschen damals wussten kaum, wie ihnen geschah. Die moderne Medizin war weit weniger fortgeschritten als heute. Impfungen gab es gegen Pocken, aber nicht gegen die Grippe. Die kam erst 1936. Damals blieb nur auf Quarantäne und Hygiene zu setzen. Auch damals gab es Mund-Nasen-Masken.  Fast zwei Jahr blieb der Erreger der Spanischen Grippe in der Welt virulent. Nicht überall auf der Welt, weswegen es auch seinerzeit  zu Unverständnis über Auflagen und Einschränkungen kam. Die Welt war nach der Spanischen Grippe eine andere. 

Corona hat unsere Welt erst seit einem halben Jahr im Griff. Trotzdem verlieren manche bereits die Geduld. Warum sollen wir uns im Landkreis an die Vorsichtsmaßnahmen halten, wo doch die Zahl der Infizierten gering und diejenige der schwer Erkrankten im Vergleich zur Gesamtbevölkerung noch viel marginaler ist? So ist zu lesen. Ganz einfach: Weil wir bislang - trotz der wirtschaftlichen Folgen - damit gut gefahren sind, die Pandemie bei uns noch nicht ausgebrochen ist. Und weil wir nicht wie vor 100 Jahren darauf hoffen müssen, dass sich irgendwann jeder mit dem Virus angesteckt hat und auf diesem Wege womöglich Tausende sterben müssen. Wir haben die Hoffnung, mit wenigen Einschränkungen die Zeit bis zu einer  wirksamen Schutzimpfung überbrücken zu können. 

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