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Kommentar: Der Freistaat hat ein Luxusproblem

Peter Ufer über die Meissener Manufaktur

Für viele Meißner wirkt es noch immer wie ein böses Omen: Die Fassade am Eingang zur Manufaktur wurde vor zwei Jahren mit einem Bild des Malers Karl Otto Götz überklebt. Glatte Folie verdeckt gebranntes Porzellan.

Die Fassade glänzt abstrakt. Was dahinter steckt, wird immer undurchsichtiger. Der Landrat des Kreises Meißen entwarf dieser Tage einen Brief, Ministerpräsident Stanislaw Tillich möge endlich nach Meißen kommen und erklären, was eigentlich die Strategie der Manufaktur sei. Schließlich ist der Freistaat deren Eigentümer. Doch Tillich schweigt. Der Finanzminister Georg Unland schweigt. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Manufaktur, Kurt Biedenkopf, schweigt.

Charlotte Meentzen
Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint
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Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Das Schweigen der Männer wirkt leider zunehmend so, als hätte die sächsische Regierung einem Manager Spielgeld in die Hand gedrückt, um im Casino sein Glück zu versuchen. So kann Geschäftsführer Christian Kurtzke im Alleingang agieren, egal, ob er Porzellan zerschlägt, Mitarbeiter entlässt, Edelmöbel entwirft oder Millionenvillen einweiht. Aus Sicht der Regierung ziemlich clever, denn sie legt sich nicht fest. Wenn Kurtzke mit Gewinn vom Abenteuerspielplatz zurückkehrt, kann sich der Freistaat feiern, sollte er verlieren, trägt der Einzelkämpfer allein die Schuld.

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Das Vorhaben, die Porzellan-Manufaktur Meissen zu einem globalen Luxuskonzern umzubauen, wird zum Grabenkrieg. Der Freistaat als Eigentümer schaut tatenlos zu.

Meissen ist symptomatisch für Sachsens CDU-FDP-Regierung, die dem Berliner Merkel-Prinzip des pragmatischen Reagierens folgt. Das kann in vielen Fällen sinnvoll sein, im Fall der Manufaktur führt es leider zu immer mehr Verunsicherung, was aus dem 300-jährigen sächsischen Kulturgut werden soll und ob es überhaupt als solches betrachtet wird, oder der Staatsbetrieb zur globalen Luxusmarke entwickelt werden soll. Wenn dem so sein sollte, dann müsste der Freistaat allerdings erhebliches Kapital bereitstellen. Zudem stellt sich die Frage, ob ein staatliches Unternehmen solch eine Idee verfolgen kann oder Platz schaffen muss für privates Kapital.

Der Umbau der Manufaktur ist an einem entscheidenden Punkt angelangt. Wenn nicht nur die Fassade abstrakt glänzen soll, muss jetzt Stanislaw Tillich für Durchsicht sorgen.