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Kommentar: Der Preis der Radikalisierung

Gunnar Saft zur Kursänderung der Pegida-Organisatoren

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Mit dem Auftritt des Niederländers Geert Wilders haben die Organisatoren der Dresdner Pegida-Spaziergänge ein für sie wichtiges Ziel erreicht: erneute öffentliche Aufmerksamkeit. Dafür nahmen sie am Ende sogar billigend in Kauf, dass ihre eigene Bewegung ab sofort an allen Äußerungen eines Mannes gemessen wird, der im radikalen Kampf gegen den Islam seine Lebensaufgabe sieht.

Schaut man zurück auf die Anfänge der Dresdner Pegida, ist das eine bemerkenswerte Entwicklung. Einst war die noch angetreten, um zuallererst vermeintliche oder tatsächliche Fehler in der deutschen Asylpraxis zu korrigieren, Politiker wieder zu mehr Bürgernähe zu zwingen und all das zu beenden, was die montäglichen Spaziergänger als Ungerechtigkeit schlechthin empfinden. Heute wird dagegen frenetisch gejubelt, wenn Wilders beschwörend auf die Weltkarte weist und von denen dort unten warnt, die uns allen bald an den Kragen wollen.

Diese Kursänderung hat ihren Preis. Auch wenn es viele Anhänger nicht wahrhaben wollen, Pegida ist bundesweit nie zum Massenphänomen geworden und eine härtere Gangart wird daran nichts ändern, im Gegenteil. Je mehr man im eigenen Auftreten extremen Parteien ähnelt, umso weniger Bürger überzeugt man davon, in ihrem Namen zu sprechen und für ihre Interessen einzutreten. Um das zu erkennen, reicht schon ein Blick durch die eigenen Reihen. Wo früher noch Zehntausende unterwegs waren, klaffen heute deutliche Lücken.