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Kommentar: Gefährliche Ignoranz

SZ-Redakteur Gunnar Saft zum Protest gegen die Politiker-Rente mit 60.

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Ab sofort viel Geld und später schon mit 60 ohne Abschläge in die Rente. Den Befürwortern solcher Vergünstigungen fehlt es nicht nur an plausiblen Argumenten, sondern auch an Schamröte. Beides spricht für eine gefährliche Abgehobenheit von Menschen, die ihren Beruf selbst mit Volksvertreter angeben.

Wie weit man sich mit dieser geplanten Selbstversorgung von der Lebensrealität der sächsischen Bürger entfernt hat, zeigt sich auch an der ungewöhnlichen Protest-Allianz. Wenn der Dachverband der sächsischen Wirtschaft gemeinsam mit dem Gewerkschaftsbund davor warnt, dass Sachsens Landtagsabgeordnete gerade das demokratische Grundsystem im eigenen Land an die Wand fahren, ist das bedenklich. Wie viel Warnung mehr ist eigentlich noch möglich? Und warum fehlt es einer Mehrheit im Parlament bisher am Gespür für einen solchen schweren Fehler?

Die 126 Frauen und Männer, die in der kommenden Woche darüber abstimmen, ob ihnen die Steuerzahler künftig teure Privilegien finanzieren müssen, haben es noch in der Hand. Eine Korrektur der Rentenpläne würde nicht nur der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen, sondern hätte eine sehr viel wertvollere Nebenwirkung. Die Politiker im Dresdner Landtag würden damit eindrucksvoll zeigen, dass sie in wichtigen Fragen tatsächlich Volkes Wille vertreten und nicht nach dem Prinzip „Die da unten und wir hier oben“ agieren. Das Vertrauen der Bürger könnte sofort deutlich zunehmen.