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Kommentar: Noch Lücken bei Medizinversorgung

Was passiert mit jenen, die in der Oberlausitz bleiben?

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Wirklich Überraschendes bietet die Bertelsmann-Studie nicht. Der Kreis, der langsam aber sicher zum Greis wird, das ist ja nun schon ein seit Längerem bekanntes Phänomen. Und es betrifft ja nicht nur die Oberlausitz, den Kreis Görlitz, große Teile des Ostens der Republik. Hiesige Ballungszentren wie Dresden, Leipzig und Chemnitz profitieren von der Abwanderung. Auch das ist nun nicht sonderlich neu. In etwas näherer Vergangenheit zog es die jungen Menschen noch weiter in den Westen der Republik, nach Bayern, Baden-Württemberg oder bis in die Schweiz. In Zeiten des Fachkräftemangels bleibt der ausgebildete Nachwuchs zumindest häufiger in der näheren, der sächsischen Umgebung. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere: Was passiert mit jenen, die in der Oberlausitz, im Kreis Görlitz bleiben? Jene, die sich nicht schnell mal ins Auto setzen und in den nächsten Supermarkt zum Einkaufen fahren können? Den Älteren, der Rollatorgeneration? Es hat sich viel getan in den vergangenen Jahren. Es gibt heute in fast jedem Dorf Angebote für betreutes Wohnen, Fahrdienste und, und, und. Wer daheimbleiben möchte, lässt sich das Essen einfach ins Haus bringen. Es gibt Friseure, die Hausbesuche machen, Maniküre, Pediküre, was weiß ich. Alles hat allerdings auch seinen Preis. Kritischer wird es, wenn es um die Gesundheit geht. Hausärzte sind Mangelware. Selbst in etwas größeren Orten sind verbliebene Mediziner zuweilen überfordert. Zu viele (ältere, aber nicht nur) Patienten, die auf Termine warten. Hier gibt es Lücken, hier ist die Politik mit Anreizen gefordert. Immer noch.