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KOMMENTIERT: Wer so spart, zahlt drauf

Ernst ist die Situation für die Elbland-Philharmonie in Riesa im Verbund mit dem Pirnaer Sinfonieorchester. Und damit auch für die Riesaer Novum GmbH, unter deren Dach beide Klangkörper gemanagt werden.

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Von Reiner Hanke

Ernst ist die Situation für die Elbland-Philharmonie in Riesa im Verbund mit dem Pirnaer Sinfonieorchester. Und damit auch für die Riesaer Novum GmbH, unter deren Dach beide Klangkörper gemanagt werden. Zwei Klangkörper, die auch zwei Kulturräume berühren: den Kulturraum Meißen-Riesa-Großenhain sowie Sächsische Schweiz/Osterzgebirge.
Nachdem es erst jüngst Zoff ums Geld mit dem Kreis Meißen gab, bröckelt die Front nun weiter. Diesmal setzte die Sächsische Schweiz den Rotstift an. Und das, obwohl Novum bereits selbst zu diesem Stift gegriffen hat. Das Ensemble soll verkleinert und zusammengelegt werden. Gerade hier setzt die Kritik der Pirnaer ein - ihr Orchester existiere ja quasi nicht mehr. Und so hat man wenig Skrupel, der Totengräber zu sein, wie jetzt beim Kreistag zu erfahren war.
Fadenscheinig nennt Novum-Geschäftsführer Günter Müller-Rogalla solche Begründungen. Auch die aus Meißen, wo man die Philharmonie vielleicht nicht in Frage stellt, aber die Steuergelder im Kulturraum anders verteilen will. Von Breitenwirksamkeit ist die Rede. Die sieht man in dem Klangkörper offensichtlich nicht. Im Durchschnitt sind es zwischen Riesa, Meißen, Pirna 300 Gäste pro Veranstaltung, 70 000 im Jahr - ist das wenig?
Es tut sich ein anderer Verdacht auf. Will man mit dem Argument Dresden als Kultur-Mekka Geld sparen und diese Summe in ureigene Projekte stecken, statt es für ein übergreifendes Ensemble auszugeben? Das wäre kurzsichtig und könnte aus mehreren Gründen eine Milchmädchenrechnung sein: Wird Dresden auf Dauer die Trittbrettfahrer tolerieren? Wird der Freistaat seine Kasse künftig noch in dem Maße wie bisher öffnen?
Wer so sparen will, zahlt später drauf. Auch auf dem flachen Land wird ein qualitativ hohes Kulturangebot gebraucht. So mancher fühlt sich im Riesaer Stern oder der Großenhainer Krone wohler als in der Semperoper. Die Kultur zunehmend zu zentralisieren, ist ein Schritt zurück.